«Blow-ups» auf der A13 und verbogene Schienen: Nicht nur der Schweizer Bevölkerung macht die Hitzewelle zu schaffen. Auch Strassen und Schienen leiden unter den schweisstreibenden Temperaturen. Die Materialien dehnen sich in der Hitze aus und es kann zu Schäden kommen. So wurde die A13 bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Monats beschädigt.
Die Autobahn A13 ist besonders anfällig für solche Hitzeschäden, weil sie nach alter Art gebaut wurde. Unter dem Deckbelag liegen Betonplatten, die sich durch die hohen Temperaturen ausdehnen können. Im Extremfall kann dies zu Brüchen führen.
Die Kontrollfahrten wurden nun noch einmal intensiviert.
Jérôme Jacky, Leiter Information und Kommunikation beim Bundesamt für Strassen (Astra) erklärt, dass dies ein Ausnahmefall sei. Nur noch wenige Abschnitte von Schweizer Nationalstrassen seien so gebaut. Nationalstrassen mit Betonplatten werden heute nicht mehr gebaut.
«Nationalstrassen sind grundsätzlich mit modernen Belägen ausgestattet, die gut mit dieser Hitze klarkommen», erklärt Jacky. Auch gebe es mehr Kontrollen auf besonders betroffenen Streckenabschnitten. «Die Strecken werden täglich von Experten und Expertinnen des Nationalstrassenunterhalts und der Kantonspolizei befahren. Diese Kontrollfahrten wurden nun noch einmal intensiviert.»
Doch auch Asphaltbeläge sind nicht resistent. «Es kann sein, dass der Asphalt weich wird und sich durch den schweren Güterverkehr Spurrinnen bilden», sagt Patrick Braess, Professor am Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich. Diese Spurrinnen könnten bei starkem Regen dann zu Aquaplaning führen.
Im Falle der A13 sieht Braess nur eine Lösung: neu bauen. Denn man könne nicht prognostizieren, wo diese «Blow-ups» aufträten.
Hitzeschäden an Bahngleisen
Besonders anfällig sind auch Schienen. Der Stahl, aus dem die Gleise bestehen, kann sich auf über 50 Grad erhitzen und dadurch verformen. Bei extremen Temperaturen können sich enorme Kräfte aufbauen, sodass es ruckartig zu Verwerfungen kommen kann. Als Verwerfung gilt, wenn sich eine Schiene mehr als 50 Millimeter seitwärts bewegt.
Laut Mara Zenhäusern, Mediensprecherin der SBB, gebe es jährlich nur drei bis sieben solcher Verwerfungen. «Unsere Infrastruktur wird laufend von Fachleuten vor Ort kontrolliert», versichert sie.
Bei Verwerfungen wird der Gleisabschnitt mit Wasser gekühlt. Dafür hat die SBB einen speziellen Löschzug.
Um Verwerfungen vorzubeugen, könne man auch die Schwellen, auf denen die Schienen liegen, paarweise miteinander verbinden, erklärt ETH-Dozent Braess. «Dadurch wird das ganze Gleis steifer. Somit können Schwachstellen überbrückt und lokale Verwerfungen verhindert werden.»
Auch das Regelwerk der Bahn wurde schon auf die höheren Temperaturen angepasst. So wurde die angenommene Maximaltemperatur der Schiene von 60 auf 65 Grad angehoben. «Die Schweiz ist für die Zukunft sehr gut aufgestellt», betont Braess.
Weisse Schienen als Hitzeschild?
Abhilfe kann auch das Weissstreichen der Gleise schaffen. Die Rhätische Bahn sowie die Appenzeller Bahnen haben positive Effekte damit erzielt.
Die SBB hat bei einem Pilotversuch jedoch «keine signifikante Wirkung» festgestellt. Auch für Patrick Braess ist diese Massnahme nicht ideal. «Dadurch kann man zwar die Temperatur der Schienen um bis zu sieben Grad senken, aber es funktioniert nur, solange die Schiene wirklich weiss ist.»
Sprich: Sobald die Farbe abgenutzt ist, ist der Effekt verschwunden.