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Strommangellage im Winter Könnte der Iran-Krieg zu Stromknappheit in der Schweiz führen?

Die Schweiz dürfte nächsten Winter über genug Strom verfügen. Je nach Entwicklung im Iran-Krieg bleibt ein Risiko, dass der Strom knapp wird.

Die Einschätzung der Behörden: Für den kommenden Winter rechnet die Elcom, die Eidgenössische Elektrizitätskommission damit, dass die Schweiz genug Strom haben wird. «Sicher hat sich durch den Iran-Krieg die Situation wieder etwas zugespitzt, aber so wie wir die Situation im Moment einschätzen, gehen wir davon aus, dass die Versorgungssicherheit für den nächsten Winter gesichert ist – mit gewissen Restrisiken», sagt Werner Luginbühl, Präsident der Elcom.

Person vor einem Hintergrund mit Text.
Legende: Elcom-Präsident Werner Luginbühl hat an einer Medienkonferenz über die Stromversorgung in der Schweiz informiert. Keystone/Peter Schneider

Die Auswirkungen des Iran-Kriegs: Der Iran-Krieg beeinflusst die Schweizer Stromversorgung indirekt: Die Schweiz bezieht im Winter Strom von Gaskraftwerken aus den Nachbarländern. Und die Gasspeicher in Deutschland und Frankreich haben zurzeit Mühe, ihre Winterreserve aufzufüllen, weil die Handelswege wegen des Iran-Kriegs gestört sind. So passiert praktisch kein Gas die Strasse von Hormus und wichtige Gas-Terminals der Golfstaaten sind im Krieg beschädigt worden. «Weil die Stromproduktion durch Gaskraftwerke in Europa immer noch wichtig ist und weil die Schweiz im Winter immer Strom importieren muss, könnte das auch negative Auswirkungen auf die Schweiz haben», sagt Luginbühl.

Mehrfachsteckdose mit eingeschalteter Anzeige und Kabelgewirr.
Legende: Während der letzten Energiekrise, als der Krieg in der Ukraine ausbrach, war die Situation prekärer. Damals waren nicht nur die Gasspeicher relativ leer, sondern zusätzlich waren die französischen Atomkraftwerke weniger verfügbar als heute. Keystone/Peter Klaunzer

Die Risikofaktoren: Damit der Strom in der Schweiz tatsächlich knapp würde, müssten aber einige Extremszenarien eintreten. «Wenn beispielsweise im Sommer in Asien eine Hitzewelle zu verzeichnen wäre, grosse Mengen Gas zum Kühlen in diese Richtung abgezogen würden, dann könnte es sein, dass die europäischen Speicher nicht entsprechend aufgefüllt würden und dann könnte es knapp werden.» Zudem müsste die Strasse von Hormus länger geschlossen bleiben und der Winter in der Schweiz sehr kalt werden. Dass der Strom knapp wird, sei also unwahrscheinlich, sagt Luginbühl.

Schweizer Stromnetz ist veraltet

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Die Elcom weist auch auf das zunehmend veraltete Schweizer Stromnetz hin. «Zwei Drittel der Strommasten kommen ans Ende ihrer Lebensdauer», sagt Elcom-Mitglied Jürg Rauchenstein. Das Netz müsse deshalb in den nächsten Jahren unterhalten und erneuert werden. Dies führe zu einer Vervielfachung der Anzahl der Stromleitungsprojekte und der damit verbundenen Verfahren. Heute verzögerten sich die notwendigen Unterhalts- und Ersatzprojekte zu oft. «Ohne griffige Massnahmen wird eine Modernisierung nicht gelingen», sagte Luginbühl. Im Parlament ist eine entsprechende Vorlage namens «Netzexpress» hängig. Diese soll die Verfahren beim Um- und Ausbau der Stromnetze beschleunigen. (SDA)

Die Abhängigkeit vom Ausland: Die aktuellen geopolitischen Risiken zeigen, wie abhängig die Schweiz vom Ausland ist, was die Stromversorgung im Winter angeht. «Im Durchschnitt importieren wir im Winter knapp 4 Terawattstunden. Letzten Winter waren es 6.8 Terawattstunden.«Das seien etwa ein Fünftel des gesamten Schweizer Stromverbrauchs im Winter. Letztes Jahr sei man besonders stark vom Ausland abhängig gewesen. «Das war stark darauf zurückzuführen, dass die Wasserkraft weniger produziert hat und vor allem Gösgen nicht am Netz war», sagt Luginbühl.

Kühlturm eines Kraftwerks mit Stromleitungen.
Legende: Das Schweizer Atomkraftwerk Gösgen ging letzten März wieder ans Netz. Die Abhängigkeit von Strom aus dem Ausland, bleibt aber. Denn Ereignisse wie ein Ausfall eines Kernkraftwerks oder der Krieg im Iran sind nicht planbar. Keystone/Gaetan Bally

Das Stromabkommen: Für die Schweiz ist es wichtig, dass sie Strom importieren kann. «Deshalb plädiert die Elcom klar dafür, ein Stromabkommen abzuschliessen. Damit wir uns diese Importkapazitäten auch für die Zukunft sichern können», sagt Luginbühl. Das Stromabkommen mit der Europäischen Union wurde im März unterzeichnet. Es ist Teil des Pakets Bilaterale III, das momentan vom Parlament beraten wird.

Echo der Zeit, 7.5.2026, 18 Uhr; bitd/liea

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