Deswegen ist Stillen wichtig: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Stillen zu den wirksamsten Massnahmen zur Förderung der Gesundheit von Säuglingen und Müttern. «Es ist erwiesen, dass gestillte Kinder weniger erkranken und daher weniger Gesundheitskosten verursachen. Stillen trägt wesentlich zur Verringerung kurz- und langfristiger Erkrankungen bei», sagt Susanne Grylka, eine der Autorinnen der Untersuchung und Professorin für Hebammenwissenschaft an der ZHAW und der Berner Fachhochschule.
So lange werden Kinder in der Schweiz gestillt: Der Bund erhebt alle zehn Jahre die Stillpraxis in der Schweiz. Die Ergebnisse der Erhebung aus dem Jahr 2024 zeigten, dass 97 Prozent der Kinder unmittelbar nach der Geburt gestillt wurden. Im Median wurden die Kinder 17.4 Wochen ausschliesslich gestillt. Im Alter von fünf bis sechs Monaten erhielten bereits 66 Prozent der Kinder Beikost. Über die Hälfte stillte ausschliesslich vier Monate lang.
Der internationale Vergleich: Die ZHAW hat mithilfe des «Becoming Breastfeeding Friendly»-Verfahrens der Universität Yale die Stillfreundlichkeit der Schweiz ermittelt. Mit einem Indexwert von 1.1 wird das Umfeld als moderat eingestuft. «Im internationalen Vergleich ist die Schweiz damit fast Schlusslicht», so Grylka. So liegen Deutschland und Österreich vor der Schweiz. Ein Grund dafür sei, dass es in der Schweiz keine organisierte Stillstrategie gebe. Zudem ist der Mutterschaftsurlaub in der Schweiz deutlich kürzer als beispielsweise in Deutschland.
Forderung an die Politik: Die Untersuchung der Forschenden der ZHAW kommt zum Schluss, dass es eine nationale Stillstrategie braucht. Zudem fordert der Bericht die Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs. Die Untersuchung des Bundes zeigt nämlich, dass berufstätige Mütter im Schnitt etwas kürzer stillen als Nichterwerbstätige. Weiter fordert der Bericht, dass die nationale Stiftung Stillförderung vom Bund ein verbindliches Mandat erhält.
Bildung und Forschung: Die Untersuchung kommt auch zum Schluss, dass in die Ausbildung investiert werden müsse. So sagt Susanne Grylka: «Diverse Berufsgruppen, die viel Kontakt mit stillenden Frauen haben, wie etwa die Ärzteschaft oder Apothekerinnen, haben sehr wenig bis gar keine Ausbildung, was das Stillen angeht. Fachwissen zum Stillen soll verpflichtend in die Aus- und Weiterbildung aller relevanten Gesundheitsberufe aufgenommen werden.» Auch bei Berufen, die ausserklinisch mit Familien arbeiten, sowie bei Freiwilligendiensten wurden erhebliche Wissenslücken festgestellt.