- In Genf haben mehrere Tausend Menschen gegen den G7-Gipfel demonstriert, der am Montag im französischen Evian beginnt.
- Im Bereich des Bahnhofs lieferten sich Demonstrierende und die Polizei Auseinandersetzungen.
- Zudem wurde ein Auto in Brand gesetzt und es kam zu Sachbeschädigungen.
- Gegen 19 Uhr löste die Polizei die Kundgebung auf.
Ziel von Sachbeschädigungen wurden unter anderem Banken sowie weitere Gebäude, darunter jenes der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) und des Beratungsunternehmens PwC. Auf der Avenue de France wurde Mobiliar auf die Bahngeleise geworfen.
«No G7»-Koalition rief zur Kundgebung auf
Die Lage spitzte sich zunächst im Bereich des Bahnhofs zu, wo Demonstrierende Gegenstände auf die Einsatzkräfte warfen, wie Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA feststellten.
Später kam es auch im Nations-Quartier zu Zusammenstössen. Dort bewarfen Demonstrierende die Polizei mit Pflastersteinen und Feuerwerkskörpern. Die Einsatzkräfte reagierten mit Tränengas. Gegen 19 Uhr löste die Polizei die Kundgebung nach mehreren Stunden zunehmender Spannungen auf.
Verschiedene Blöcke beteiligt
Zur Kundgebung aufgerufen hatte die No-G7-Koalition, ein Zusammenschluss von rund 60 Organisationen. An der Spitze des Zuges wurde ein Transparent mit der Aufschrift «Antifaschistische, antiimperialistische Antwort – No G7» getragen. Dahinter reihten sich verschiedene Blöcke ein, darunter feministische, pro-palästinensische, revolutionäre, kurdische und gewerkschaftliche Gruppen.
Die Demonstrierenden zogen lautstark und farbenfroh durch die Stadt. Sprechchöre begleiteten den Umzug, zahlreiche Transparente richteten sich gegen den G7-Gipfel und riefen zu einer «Antwort auf Faschismus, Imperialismus und Kapitalismus» auf.
Breite Kritik
Die «No G7»-Koalition protestierte laut einem Manifest gegen US-Militärbasen in Europa, für höhere Mindestlöhne, kostenlose Verhütungsmittel, grenzenlose Freizügigkeit für Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Angabe des Geschlechts aus allen Ausweisdokumenten.
Die G7 erwähnten sie auch. Das sei eine «illegitime und überholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht». Dort fällten «Grossmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung.»
Die Genfer Polizei hat nach eigenen Angaben im Vorfeld zahlreiche gefährliche Gegenstände sichergestellt, die als potenzielle Waffen hätten genutzt werden können. Die Funde wurden entlang der Route und im Bereich des Parks Mon Repos gemacht.
Zu den konfiszierten Objekten zählten Messer, Gaskartuschen, Teleskopschlagstöcke, Boulekugeln und Feuerwerkskörper. Ausserdem wurden Schutzmasken, Sturmhauben, Wechselkleidung und verstärkte Planen beschlagnahmt.
Innenstadt verbarrikadiert
Die G7-Gegner protestierten in Genf rund 50 Kilometer vom Gipfelort Evian entfernt, weil Frankreich zu dem Anlass keine Demonstration dulden wollte, wie die Genfer Regierung kritisierte.
In der Genfer Innenstadt hatten Luxusgeschäfte und Banken, aber auch Hotels und Supermärkte ihre Fassaden und Schaufenster schon Tage vor der Demonstration mit Sperrholzplatten verbarrikadiert.
Dies geht auf Erinnerungen an das Jahr 2003 zurück, als Chaoten bei einer Demonstration Schaden in Millionenhöhe anrichteten.