Ein ehemaliges Hotel in Ried-Brig im Oberwallis, in der grossen Wohnstube steht ein Cheminée, daneben ein Katzenturm. Am Esstisch bereiten Bewohnerinnen das Mittagessen zu. Hier, in diesem familiären Umfeld, leben unheilbar kranke Menschen – die meisten sind in der letzten Phase ihres Lebens.
Über zehn Jahre dauerte der Aufbau des Hospizes «Hope». 2024 hat es eröffnet. Es habe einen langen Schnauf gebraucht, sagt Hospizleiterin Caroline Walker Miano. Aber: «Ich bin nicht eine Kurzstreckenläuferin und man hat mir einen harten Kopf in die Wiege gelegt.» Und der Effort habe sich gelohnt.
Kanton zahlt Tagespauschale
Heute nimmt das Hospiz Oberwallis in der Schweiz eine Vorreiterrolle ein. Als bisher einziger Kanton in der Schweiz hat das Wallis eine Tagespauschale für Hospize von 635 Franken pro Patientin oder Patient eingeführt. Hinzu kommen die Beiträge der Krankenkasse. So kommt das Hospiz gut über die Runden. «Dies reicht aber nicht vollständig aus», sagt Caroline Walker Miano. «Eine indirekte Finanzierung ist die Arbeit der Ehrenamtlichen, die das Budget sehr entlasten.»
Wir haben wenig finanzielle Sorgen im Vergleich zu anderen Hospizen.
Trotzdem: Man sei in einer sehr komfortablen Situation. «Wir haben wenig finanzielle Sorgen im Vergleich zu anderen Hospizen», sagt Walker Miano. Das Walliser Modell werde für andere Kantone adaptiert, um eine gute Finanzierung zu erreichen, so die Leiterin.
Hospize gelten als Pflegheime
In anderen Kantonen kämpfen Hospize mit grösseren finanziellen Lücken. Das Problem: Hospize gelten bis anhin als Pflegeheime und erhalten deswegen von der öffentlichen Hand und den Krankenkassen dieselben Beiträge pro Patientin und Patient. Doch dieser Betrag ist laut Dachverband Hospize Schweiz zu tief und deckt die Kosten nicht. Die Arbeit im Hospiz sei aufwendiger als im Pflegeheim.
In Spitälern sei nur eine kurzfristige Stabilisierung möglich. In Hospizen hingegen könnten Patientinnen und Patienten zeitlich unbegrenzt bleiben. Hospize seien auf die Versorgung von Menschen mit hochkomplexen Symptomen spezialisiert und böten medizinische, psychosoziale und spirituelle Begleitung an.
Eine Bewohnerin im Hospiz Oberwallis schätzt genau dieses Ganzheitliche: «Hier ist es viel familiärer als in einem Pflegeheim und man hat seinen Rückzugsort.»
Der Dachverband Hospize Schweiz arbeite an einheitlichen Regeln, sagt Caroline Walker Miano. Aber dies werde wohl noch einen Moment dauern.