Neue Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen: Vielen Menschen aus der Mittelschicht reicht das Geld kaum bis Ende Monat. Jede vierte Person der unteren Mittelschicht kann eine unerwartete Rechnung über 2500 Franken nicht bezahlen, auch in der oberen Mitte fehlen oft finanzielle Rücklagen.
Wer sparen will, merkt schnell: Viel Spielraum bleibt nicht. Die Miete bleibt hoch, die Krankenkasse wird teurer, der Alltag kostet mehr. Sara Koller, Sozialarbeiterin und Schuldenberaterin bei Caritas Zürich, erklärt, wo Haushalte trotzdem sparen können.
1. Ein Budget erstellen und versteckte Kosten einplanen
Wer sparen will, braucht einen Überblick, wie viel Geld hereinkommt und wofür es ausgegeben wird. «So werden Kosten ersichtlich, die nur einmal im Jahr auftauchen und darum oft vergessen werden», sagt Koller.
Dazu gehören jährliche Rechnungen, wie Gesundheits- oder Heiznebenkosten. Koller empfiehlt, jeden Monat Geld dafür zurückzulegen. So geraten Haushalte seltener unter Druck, wenn eine grössere Rechnung kommt.
2. Versicherungen und Abos regelmässig überprüfen
Das grösste Sparpotenzial steckt laut Koller in den Fixkosten. Viele behalten jahrelang dieselben Versicherungen oder Handyabos – meist aus Gewohnheit. Dabei gebe es häufig günstigere Angebote. «Ein Handyabo für 70 Franken pro Monat findet man heute oft deutlich günstiger», sagt Koller.
Auch bei der Krankenkasse lohne es sich, im Herbst Prämien und Modelle zu prüfen. Und: Wer über den Arbeitgeber unfallversichert ist, kann die Unfallversicherung aus der Grundversicherung streichen lassen.
3. Fixkosten sofort bezahlen
Wenn der Lohn kommt, sollten zuerst die wichtigsten Rechnungen bezahlt werden, sagt Koller. «Wir empfehlen, Miete, Krankenkasse, Strom und Handy immer als Erstes zu bezahlen.»
Daueraufträge oder Lastschriftverfahren gleich nach Lohneingang helfen, das Risiko für Mahnungen und zusätzliche Gebühren zu senken.
4. Steuern und Jahresrechnungen monatlich aufteilen
Viele würden auf den 13. Monatslohn warten und die Steuern erst Ende Jahr bezahlen. Laut Koller führt das oft zu Engpässen. «Jeden Monat einen kleineren Betrag auf die Seite legen, um die Belastung übers Jahr zu verteilen.» Koller sagt: «Auch die Serafe-Rechnung lässt sich quartalsweise bezahlen.»
5. Kredite und Leasing vermeiden
Grosse Kostenfallen sieht Koller bei Konsumkrediten und Leasingverträgen. Sie belasten das Budget langfristig mit fixen Raten und kosten durch Zinsen und Gebühren meist mehr als ein direkter Kauf.
6. Ansprüche prüfen
Viele Haushalte der Mittelschicht lägen knapp über den Grenzen für staatliche Unterstützung. Trotzdem lohne es sich, Ansprüche zu prüfen, etwa auf Prämienverbilligungen oder Stipendien – auch für Lernende, sagt Koller. «Viele wissen gar nicht, dass sie Anspruch darauf hätten.»
7. Früh reagieren und Hilfe holen
Hinschauen und Unterstützung suchen, bevor die Rechnungen liegen bleiben. «Es lohnt sich schon dann, das Budget anzuschauen, wenn es zwar knapp aufgeht, aber keine unerwartete Rechnung verträgt.»
Komme dann noch eine zusätzliche Belastung dazu – etwa Krankheit oder Arbeitslosigkeit –, reiche das Geld oft nicht mehr aus. Schulden liessen sich in solchen Situationen nur schwer abbauen.
«Je früher man reagiert, desto besser», sagt Koller. Sie rät, mit dem Umfeld darüber zu sprechen oder eine Budgetberatung aufzusuchen.