In diesem Schuljahr gehen die Primarschüler und Primarschülerinnen aus dem Melchtal im Kanton Obwalden noch im gleichnamigen Ort Melchtal, das zur Gemeinde Kerns gehört, zur Schule. Ab dem kommenden Schuljahr müssen sie aber voraussichtlich für den Unterricht den Weg in die Dorfschule von Kerns OW auf sich nehmen.
«Auch hier macht der Trend nicht halt. Wir haben einen Rückgang in den letzten zehn Jahren von 75 auf 50 Geburten und resultierend daraus kleinere Klassengrössen», erklärt der Gemeindepräsident von Kerns, Beat von Deschwanden. Darum erwäge man, die Schule im Ort Melchtal zu schliessen, um das ganze Gemeindegebiet zu stärken. Einen definitiven Entscheid will die Gemeinde im Frühjahr fällen.
Sinkende Geburtenrate
Was sich in Obwalden abzeichnet, ist ein Trend in der ganzen Schweiz: In mehreren Kantonen schliessen Kindergärten und Schulen, Klassen werden aufgehoben oder zusammengelegt. Der Hauptgrund sind sinkende Geburtenzahlen und damit weniger Schulkinder.
Gemäss Prognosen des Bundesamts für Statistik (BFS) soll die Zahl der Primarschülerinnen und -schüler bis 2034 um rund sieben Prozent zurückgehen. Entsprechend sinkt damit auch der jährliche Bedarf an neuen Lehrpersonen.
Das ist eine Trendwende, denn noch vor vier Jahren herrschte ein akuter Mangel an Lehrerinnen und Lehrern. Hunderte Stellen blieben unbesetzt, die Behörden mussten Notfallpläne entwickeln und kurzfristig Quereinsteiger ausbilden.
Auch der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) schlug damals Alarm. Nun aber sei ein Ende absehbar und das bringe neue Chancen, sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des LCH: «Man hat stets kommuniziert, dass dies eine Notsituation ist, eine Mangellage. Und dass es, wenn es wieder genügend Lehrpersonen hat, dieser Zustand zu Ende geht.»
«Vermehrt auf Bildungsqualität konzentrieren»
Rösler begrüsst vor allem, dass künftig keine Lehrpersonen mehr ohne pädagogische Ausbildung eingesetzt werden müssen. «Wenn genügend qualifiziertes Lehrpersonal vorhanden ist, kann man sich wieder vermehrt auf die Bildungsqualität konzentrieren.»
Diese Trendwende hat nicht nur Auswirkungen auf den Lehrermangel, sondern auch auf den Schulraum. Beispielsweise in der Stadt Zürich, die in den letzten Jahren Hunderte Millionen Franken in Schulneubauten investieren musste.
Mit Vorsicht zu geniessen
Nun hat der Wind gedreht, die Stadt passt sich an. «Die Stadt Zürich hat im vergangenen Jahr verschiedene Projekte verschoben, redimensioniert und auch sistiert», sagt Benjamin Leimgruber, Leiter Schulportfolio Immobilien der Stadt Zürich. Zusammenfassend könne man sagen, dass die Schulraumoffensive in zwei bis drei Jahren zum Abschluss komme.
Diese Entwicklung ist aber auch nur ein Trend. Selbst das Bundesamt für Statistik betont, die Prognosen seien mit zahlreichen Unsicherheiten verbunden und darum mit Vorsicht zu geniessen.