In Zürich gibt es das «Mannebüro» seit 37 Jahren. Es richtet sich an Männer, die befürchten, in Partnerschaften gewalttätig zu werden, oder die gewalttätig sind. Beraten werden die Männer auch in persönlichen Krisensituationen, zum Beispiel bei einer Scheidung.
Der grösste Teil der Männer sucht freiwillig Hilfe beim «Mannebüro». 2025 wurden rund 800 Männer beraten. Insgesamt waren es 2100 persönliche Beratungen. Dazu kamen rund 2000 Telefon- oder Mailberatungen, wie das «Mannebüro» in seinem Jahresbericht schreibt. In den letzten dreizehn Jahren hat sich die Zahl der persönlichen Beratungen mehr als verdoppelt.
Vor knapp einem Jahr wurde bekannt, dass das «Mannebüro» nach Winterthur expandieren möchte. Das Bedürfnis dafür wäre da, hiess es damals. Denn auch Winterthur habe ein Problem mit häuslicher Gewalt. Mehr als 17-mal pro Woche musste die Stadtpolizei 2024 deswegen ausrücken, wie es im Sicherheitsbericht der Stadt Winterthur heisst. Und das ist so viel wie noch nie.
Wir haben gemerkt, dass wir die Organisation auf das riesige Wachstum ausrichten müssen. Wir waren einen Schritt zu früh.
Dass das «Mannebüro» in Winterthur nun trotzdem nicht eröffnet wird, sei eine grosse Enttäuschung, sagt Vorstandsmitglied Andreas Zurbuchen auf Anfrage von SRF. Mit der Ankündigung für Winterthur seien sie einen Schritt zu früh gewesen.
Sie hätten realisiert, dass sie zuerst redimensionieren müssten. Die Organisation müsse zuerst auf das Wachstum ausgerichtet werden. Gut sei, dass man bei häuslicher Gewalt besser hinschaue. Grundsätzlich wolle das «Mannebüro» schon noch expandieren, denn das Thema sei wichtig und man schaue heute besser hin.
Grosser Teil sucht freiwillig Hilfe
Dank des Gewaltschutzgesetzes haben Männer die Möglichkeit, sich im «Mannebüro» beraten zu lassen. Viele suchen freiwillig Hilfe bei der Beratungsstelle, andere werden über die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) oder über eine Strafmassnahme zugewiesen.
In einer Beratung werden Verhaltensmuster hinterfragt und eine Beratung umfasst in der Regel etwa zehn Gespräche. Ein wichtiges Angebot richtet sich an Männer in Trennung, die häufig sehr konfliktbeladen sein können.
Die Beratungen können vor Ort in Zürich oder online stattfinden. Das sei natürlich nicht dasselbe, sagt Andreas Zurbuchen vom «Mannebüro». Der Standort Winterthur hätte die Anreise für diejenigen Menschen verkürzt, die an den Rändern des Kantons Zürich wohnen. Und dies hätte vermutlich die Schwelle für eine Beratung gesenkt.
Das Stadtparlament hat einen Betrag gesprochen
In Winterthur wurde bereits ein Betrag für das «Mannebüro» bewilligt. Der zuständige Stadtrat Nicolas Galladé (SP) bedauert auf Anfrage von SRF den Entscheid des «Mannebüros». Für drei Jahre wäre ein Versuch in Winterthur sinnvoll gewesen. Er hofft aber, dass der Entscheid nicht definitiv ist. Hier sind also die Ziele der Stadt Winterthur und des «Mannebüros» dieselben: Vielleicht gibt es in einigen Jahren einen Standort Winterthur.