In der Schweiz gibt es nach wie vor zu wenige Halteplätze für inländische und ausländische Fahrende – aber: In den letzten fünf Jahren gab es eine leichte Verbesserung der Lage.
Das zeigt der neu veröffentlichte Standbericht der Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende». Insgesamt ist der Handlungsbedarf nach wie vor gross.
Fahrende Lebensweise ist Pfeiler der Identität
Von Frühling bis Herbst mit dem Wohnwagen von Ort zu Ort ziehen, um Handwerksarbeiten anzubieten, Geräte zu reparieren oder mit Haushaltsgegenständen und Textilien zu handeln. Diese fahrende Lebensweise ist ein zentraler Pfeiler der Identität von Jenischen, Sinti und Roma. Und ein paar 1000 von ihnen sind jedes Jahr in der Schweiz unterwegs.
Doch damit diese Lebensweise möglich ist, braucht es Durchgangsplätze für die Reisen und Standplätze, auf denen die Schweizer Jenischen und Sinti die Wintermonate verbringen können.
In der Westschweiz fehlt es sehr stark an Standplätzen und Durchgangsplätzen.
Doch diese sind nicht überall zu finden, wie Simon Röthlisberger erklärt, der Geschäftsführer der vom Bund unterstützten Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende».
«In der Westschweiz fehlt es sehr stark an Standplätzen und Durchgangsplätzen für Schweizer Jenische und Sinti», sagt Röthlisberger. Im Kanton Bern sehe es ein bisschen besser aus. Beispielsweise gebe es da einige Plätze, aber auch da sei die Kapazität der Winterstandplätze knapp.
Mehr Standplätze als noch vor fünf Jahren
Der Kanton St. Gallen verfügt zwar über vier Standplätze, aber keinen Durchgangsplatz. Und auch im Kanton Zürich bräuchte es zusätzliche Durchgangsplätze.
Insgesamt gibt es in der Schweiz 24 Standplätze. Das sind immerhin vier mehr als noch vor fünf Jahren. Und es gibt 28 Durchgangsplätze, also sechs mehr als beim letzten Bericht.
Das sei zwar ein Fortschritt, anerkennt Uschi Waser von der Stiftung «Naschet Jenische», aber es gehe zu langsam. Viele Politiker seien nach wie vor nicht bereit, sich für einen Standplatz auf ihrem Gemeinde- oder Kantonsgebiet einzusetzen.
Und hier fehle, so Uschi Waser, manchen vielleicht auch der Mut, obwohl man ja auch sehe, dass es Kantone gebe, in denen es funktioniere. «Ich finde, manchmal sollte man sich ein wenig an diesen orientieren», sagt Waser.
Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Schaffhausen sei hier ein positives Beispiel. Es geht auch um historische Gerechtigkeit. Der Nationalrat hat dieses Jahr anerkannt, dass es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war, dass die Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten Jenische und Sinti verfolgt und ihnen die Kinder weggenommen hat.
Uschi Wasser ist selbst eine Betroffene und findet, es wäre jetzt auch eine Anerkennung des damaligen Leides, den Fahrenden von heute genügend Plätze zur Verfügung zu stellen.