In den Bergen haben Seilbahnen aktuell Hochbetrieb. Doch ausserhalb von Ski- und Wandergebieten findet man in der Schweiz kaum Seilbahnen. Anders in Südamerika. Dort sind Gondelbahnen Teil des öffentlichen Verkehrs in Grossstädten.
In Mexiko-Stadt etwa gibt es drei Linien, zwei weitere sind in nächster Zeit geplant. Nach dem Ausbau wird das Netz im Grossraum Mexiko über 60 Kilometer lang sein. Der weitere Ausbau ist ein Thema.
Eine der neuen Linien wird rund 15 Kilometer lang sein – die längste «urbane Seilbahn» der Welt laut Hersteller Doppelmayr. Für diese Linie liefert dessen Schweizer Tochterfirma die Kabinen: die CWA in Olten. Über 460 Gondeln werden im Kanton Solothurn hergestellt und nach Mexiko geliefert. 2028 soll die neue Linie in Betrieb gehen.
Es ist einer von vielen internationalen Aufträgen der CWA. Seit Jahrzehnten liefert die Firma ihre Kabinen in die ganze Welt, etwa nach Vietnam, Neuseeland, Bolivien oder die Türkei. Jährlich stellt das Unternehmen mit 150 Mitarbeitenden rund 2000 Kabinen her.
Anders als in Skigebieten haben die Gondeln in den Städten keine Halterungen für Ski und Snowboards an den Türen. Stattdessen gibt es klappbare Sitze für Rollstühle und Kinderwagen oder Haltestellenanzeigen wie in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln.
«Im Innern erinnern sie eher an ein Tram oder einen Bus», sagt CWA-Geschäftsführer Thomas Hunziker. Die Kabinen seien für Pendlerinnen und Pendler gedacht. «Grundsätzlich sind es aber Serienkabinen, wie sie auch in Wintersportgebieten eingesetzt werden.»
«Städtische Seilbahnen haben wir in den letzten Jahren vermehrt in Lateinamerika gebaut, in La Paz etwa ein ganzes Netzwerk mit zehn Linien.» 1500 Kabinen lieferte CWA hierfür nach Bolivien. Mit Seilbahnen werde in den verkehrstechnisch überlasteten Grossstädten eine neue Ebene erschlossen, so Hunziker. Und die Bevölkerung nutze diese Bahnen stark.
Im Grossraum Mexiko-Stadt wohnen rund 20 Millionen Personen. Der öffentliche Verkehr ist am Anschlag, die Strassen oft verstopft und die Luft wegen der vielen Abgase schlecht. Mit Seilbahnen gebe es rasch eine Entlastung, sagt Andreas Fischbacher, der Chef von Doppelmayr Lateinamerika. Eine neue Metrolinie benötige etwa zehn Jahre, eine Seilbahn zwei bis drei Jahre.
Neue urbane Gondelbahnen bedeuten Arbeit für die CWA in Olten. «Ein Auftrag in einem Skigebiet sind 50 bis 70 Kabinen, ein städtischer Auftrag 400 bis 500», sagt Geschäftsführer Thomas Hunziker. Dazu brauche es oft temporäre Mitarbeitende oder zusätzliche Produktionsflächen. «Wir kommen aus dem Wintergeschäft und der Bergtourismus ist nach wie vor unser wichtigstes Marktsegment. Bei städtischen Seilbahnen gibt es aber weltweit noch viel Potenzial.»