Er ist gekommen, er hat gepoltert, gedroht und sich selbst gelobt. US-Präsident Donald Trump hielt in Davos eine Rede, die genau so zu erwarten war und von seinen angeblich grossen politischen und wirtschaftlichen Erfolgen handelte. Trump sprach von «wunderbaren» Wirtschaftszahlen, die so nur unter seiner Führung überhaupt möglich seien. Und: Die Zustimmung der heimischen Bevölkerung für ihn, für seine Politik würde stetig steigen.
Trump redet Zahlen schön
Er habe die Inflation unter Kontrolle gebracht, Jobs geschaffen und die Energiepreise gesenkt. Er allein habe das «Wunder» vollbracht, dass die US-Wirtschaft endlich wieder «boome». Dabei redet der US-Präsident nicht zum ersten Mal die Zahlen schön. Die Inflation liegt zwar unter den Erwartungen, bewegt sich aber mit 2.7 Prozent immer noch über dem Ziel von 2 Prozent.
Die Zustimmung für seine Politik steigt nicht, sie sinkt. Der Arbeitsmarkt zeigt sich zwar robust, doch Tausende Staatsangestellte haben ihren Job verloren, und für Unternehmen wird es immer schwieriger, gut qualifiziertes Personal zu finden. Hinzu kommt die weiter steigende Staatsverschuldung der USA. Und eine Migrationspolitik, die in der heimischen Bevölkerung mehr und mehr auf Widerstand stösst.
US-Präsident lebt in eigener Fiktion
Es wurde einmal mehr klar, dass der US-Präsident in seiner eigenen Fiktion lebt. Eine Fiktion, die für den Rest der Welt zunehmend zu einem gefährlichen Ritt wird. Zwar droht Trump nicht offen mit einer militärischen Intervention in Grönland, machte aber klar, dass die USA weiterhin die Kontrolle über die Arktis-Insel gewinnen wollen – mit welchen Mitteln auch immer. Damit stellt Trump das transatlantische Bündnis vor eine unnötige Zerreisprobe.
Für Europa hatte Trump ein müdes Lächeln übrig. Die EU sei auf Abwegen – sei es in der Energiefrage, bei der sogenannten «Massenmigration», der Staatsverschuldung und vielem mehr. Ohne die USA, so glaubt der 47. US-Präsident in vollem Ernst, gebe es keine Prosperität in der Welt – und schon gar keine florierende Wirtschaft in Europa. Das sind Aussagen eines Mannes, der die Realität verkennt.
Widerstand regt sich
Donald Trump macht heute einmal mehr klar: Die USA diktieren die Bedingungen – und die Welt hat zu folgen. Doch in Europa scheint sich hier in Davos Widerstand zu regen. Die klarsten Worte kamen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Beide machten klar: Die Souveränität Grönlands sei nicht verhandelbar – und man wolle nicht in einer «brutalisierten» Welt ohne Regeln leben. Gemeint war Trumps Gebaren in vielerlei Hinsicht.
Inwiefern sich Europa dem Druck der USA entziehen kann, wird sich weisen. Ein Gratis-Tipp kam vom demokratischen Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, in Davos: Die Welt müsse mit mehr Rückgrat reagieren als bisher. Vielleicht die einzige Möglichkeit, Trump in Schach zu halten. Man muss es nur wagen.