Bezüglich Donald Trumps Politik können Menschen in unterschiedlichen Welten leben. Diesen Beweis treten zwei US-Politiker heute Dienstag in Davos an.
Zuerst ihre Funktionen: Da ist auf der einen Seite Scott Bessent, amtierender US-Finanzminister und, selbstredend, glühender Republikaner. Beide Amtszeiten Donald Trumps hat er mit Millionenspenden unterstützt. Er verteidigt und legitimiert die Politik seines Chefs, der ihn für diesen Posten bestimmt hat.
Auf der – ganz – anderen Seite befindet sich Gavin Newsom, seit 2019 Gouverneur des Bundesstaats Kalifornien. Der Demokrat steht für die gleichgeschlechtliche Ehe, für strengere Waffengesetze und für die Bekämpfung der Erderwärmung ein.
Beide sind am World Economic Forum Donald Trump einen Tag voraus. Und sie nutzen die Gelegenheit, das Terrain für den US-Präsidenten zu bereiten.
Wehrt euch nicht.
Donald Trump «brauche» Grönland für sein Verteidigungssystem «Golden Dome». Das sagt Scott Bessent in einem Interview mit Maria Bartiromo, Moderatorin des Trump-freundlichen Senders Fox News. Die Argumentation geht so: Grönland werde immer attraktiver für Eroberungen, und damit die USA in keinen Konflikt hineingezogen würden, müssten sie Teil der USA werden – eine präventive Aktion zum eigenen Schutz sozusagen.
Als die Moderatorin die deutliche Reaktion der EU ins Spiel bringt, lautet Bessents Antwort: «Ich sage, was ich schon nach den Zollankündigungen im April gesagt habe: ‹Lehnt euch zurück, atmet tief durch, und wehrt euch nicht.›» «Wehrt euch nicht» sagt er noch ein zweites Mal, mit erhobenem Zeigefinger. Und: «Seid offen für Neues. Warum diese überstürzte Antwort?» Der Präsident komme morgen und werde Gespräche abhalten. Nebenbei erwähnt er noch die Zolldrohung, die Trump ausgesprochen hatte gegen Länder, die ihn bei seinem Eroberungszug im Weg stehen wollen.
Wacht auf!
Gavin Newsom kritisiert die Europäer ebenfalls, aber aus gänzlich anderer Warte. Er kann es nicht fassen, wie man immer noch versuche, mit Trump zu verhandeln. Trump sei ein «T-Rex»: «Entweder man verbündet sich mit ihm, oder er verschlingt einen», sagt er im Interview mit internationalen Reportern.
Derzeit spiele Trump mit den Europäern, das sei peinlich. «Wacht auf! Und hört auf mit dieser Bullshit-Diplomatie.» Es sei Zeit, sich aufzuraffen und aufzuhören, «sich mitschuldig zu machen.»
Die polarisierten USA, die hier vorgetragen werden, sind schon lange spürbar. Zwei in sich geschlossene Erzählungen sind im Angebot.
Am Mittwoch wird das Team Bessent Verstärkung bekommen: durch Aussenminister Marco Rubio, Handelsminister Howard Lutnick, den Sondergesandten Steve Witkoff, den Mann für Deals aber ohne offizielle Rolle Jared Kushner – und durch Mr. President himself.