- Zwei Kameras am Bahnübergang beim Bahnhof Uster brachten der Stadt 2025 rund 1.1 Millionen Franken ein.
- Später stellte die Stadt die Geräte wieder ab.
- Grund dafür waren unterschiedliche Einschätzungen zur rechtlichen Einordnung des Systems.
Die Stadt Uster untersucht derzeit finanzielle Unregelmässigkeiten bei ihrer Stadtpolizei. Im Zentrum steht unter anderem die automatische Überwachung eines Bahnübergangs, die innerhalb von neun Monaten rund 4400 Ordnungsbussen ausstellte. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtete, hatte die Stadt die Anlage ohne vorgängige Bewilligung des Bundes installiert.
Kameras überwachten Bahnübergang
Die Stadtpolizei nahm die Kameras im Februar 2025 am Bahnübergang beim Bahnhof Uster in Betrieb. Hintergrund waren wiederholt gefährliche Situationen: Autofahrende überquerten die Gleise trotz eingeschaltetem Wechselblinklicht oder blieben zwischen den Schranken stecken.
Die Anlage erfasste Fahrzeuge, die nach Beginn des Blinksignals den Bahnübergang befuhren. Laut Angaben der Stadt wurde die Überwachung jeweils erst sechs Sekunden nach dem Einschalten des Wechselblinklichts aktiviert. Zwischen Februar und Oktober 2025 stellte das System rund 4400 Ordnungsbussen in der Höhe von jeweils 250 Franken aus. Insgesamt nahm die Stadt damit rund 1.1 Millionen Franken ein. Die gesamten Busseneinnahmen der Stadtpolizei beliefen sich 2025 auf 3.2 Millionen Franken – ein Rekordwert.
Streit um Zulassung der Anlage
Im Herbst wurden die Kameras ausser Betrieb genommen. Grund waren unterschiedliche Auffassungen zwischen der Stadtpolizei Uster und dem Eidgenössischen Institut für Metrologie (Metas). Umstritten war, ob das System lediglich Verkehrsverstösse dokumentiert oder ob es als Messanlage gilt und deshalb eine Zulassung benötigt.
Das Metas hatte die Anlage nicht geprüft. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hält fest, dass Systeme für automatisierte Ordnungsbussen bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Gegenüber SRF sagt Jérôme Jacky, Mediensprecher ASTRA: «Zentral ist, dass Anlagen wirklich zuverlässig einen Missstand detektieren können. Entsprechend brauchen die eine Zulassung. Das ist relevant, dass Bussen ausgestellt werden können.»
Die Stadt Uster verteidigt ihr Vorgehen. Barbara Thalmann, Stadtpräsidentin Stadt Uster (SP) sagt: «Es wurde im Vorfeld sehr viel abgeklärt, auch juristisch, und aus Sicht der Stadt Uster ist die Kamera rechtmässig.»
Bereits bezahlte Bussen bleiben rechtskräftig. Wenige Einsprachen sind noch hängig.