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VR statt echtes Eis Keine Eisgrotte mehr: Saas-Fee setzt auf virtuelle Realität

Gletscher anschauen, auch wenn sie schon geschmolzen sind. Das macht Saas-Fee mit virtuellen Brillen. Wie geht das?

Mehrere Dutzend Leute reisen an diesem Morgen zur Bergstation Mittelallalin bei Saas-Fee VS auf 3500 Meter über Meer. Alle möchten in irgendeiner Form die Gletscher besuchen. Helm oder Steigeisen haben sie nicht dabei, nicht einmal Wanderschuhe tragen sie. Viele wollen die Gletscher aus der Ferne betrachten oder wollen virtuell hineintauchen.

Berglandschaft mit Wolken und Gletschern.
Legende: Der echte Feegletscher bei Saas-Fee geht immer mehr zurück – auch aus der Gondelbahn kann man immer weniger davon sehen. SRF/Ruth Seeholzer

VirtuAllalin heisst das neue Angebot der Bergbahnen Saas-Fee und Saas-Fee Tourismus. Mithilfe von Virtual Reality-Brillen kann man den Gletscher erleben, auch ohne Ausrüstung und Bergführerin oder Bergführer.

Man habe etwas machen müssen, sagt Susanne Voide von den Bergbahnen. «Der Gletscher ist unsere Grundlage.» Vor zwei Jahren musste die Eisgrotte Allalin geschlossen werden. Das Eis ist weggeschmolzen. «Dass man den Gletscher weiterhin erleben und sehen kann, ist für uns grundlegend.»

Blick durch ein Eisloch auf einen blauen Himmel und Gletscher.
Legende: 40'000 Besuchende aus aller Welt besuchten die weltweit grösste Eisgrotte unterhalb des Feegletschers. Im Sommer 2024 musste sie geschlossen werden. Keystone/Olivier Maire

Wenn das in der Realität immer schwieriger wird, soll es in der virtuellen Welt noch lange möglich sein – so die Idee.

Mit dem Vogel über die Gletscher fliegen

Dazu können die Besuchenden in einem neuen Raum eine VR-Brille aufsetzen. Als Bergführerin dient eine Alpendohle, auf deren Rücken die Besuchenden über den Feegletscher fliegen.

«Saas-Fee ist von 18 Viertausendern umgeben», erklärt der Vogel, während er über eine weisse Winterlandschaft fliegt. «Das ist echt toll», sagt ein zehnjähriger Besucher aus Frankreich.

Der Vogel lässt die Besuchenden in eine Gletscherspalte hinabgleiten: «Das hat mir ein bisschen Angst gemacht», sagt eine ältere Frau. Immer wieder ist erstauntes Geflüster in ganz unterschiedlichen Sprachen zu hören: «Uiuiui!»

Es wird immer wichtiger, künftig virtuell sehen zu können, wie es früher ausgesehen hat.
Autor: Morgan Touristin aus England.

Dreht man den Kopf, sieht man die Gletscherwände. «So tief habe ich noch nie in eine Gletscherspalte gesehen», sagt Morgan aus England. Sie ist selbst Bergsteigerin, hat Saas-Fee im Winter jedoch noch nie in Wirklichkeit gesehen.

Person mit VR-Headset geht durch Raum mit abstrakter Dekoration.
Legende: Wer selbst nicht auf die echten Gletscher kann oder möchte, kann virtuell darüber laufen. SRF/Ruth Seeholzer

Was sie in den letzten Sommern beobachtet hat, sei erschreckend: «Die Gletscherschmelze ist massiv, der Unterschied ist schrecklich.» Umso wichtiger werde es, künftig virtuell sehen zu können, wie die Gletscherwelt früher ausgesehen hat.

Das Angebot sei zudem hilfreich für Leute, die nicht gut zu Fuss sind und die Gletscher selbst gar nicht anschauen können, sagt die Bernerin Lis Bieri.

Gletscherschmelze als Tourismusattraktion

Wer den Gletscher selbst besuchen kann, für den gewinnt das echte Erlebnis, erzählt der elfjährige Malik aus dem Kanton Solothurn. Er hat erst den Gletscher virtuell besucht und am nächsten Tag eine Gletschertour gemacht: «Man merkt schon, dass der virtuelle Gletscher nicht echt ist.»

Drei Personen in Wanderkleidung vor einem schneebedeckten Berg.
Legende: Der 11-jährige Malik aus Solothurn war gemeinsam mit seiner Mutter und Bergführer Nikita Uboldi auf dem Gletscher. SRF/Ruth Seeholzer

Mit VirtuAllalin wird die negative Gletscherschmelze positiv erlebbar gemacht. Ist das legitim? Es sei ein Spagat, gesteht Iwan Bitschin von Saas-Fee Tourismus ein: «Die Entwicklung ist tragisch, touristisch müssen wir aber mit dem arbeiten, was wir haben.» Die Bergbahnen seien da. «Die Gäste wollen trotzdem etwas sehen.»

Deshalb müsse man überlegen, was man mache, wenn Skifahren im Sommer nicht mehr gehe und die Gletscher nicht mehr da sein werden.

So haben wir eine Light-Version, die sich auch in die Zeit nach den Gletschern übertragen lässt.
Autor: Iwan Bitschin Saas-Fee Tourismus

Besuchende reisen jedoch von weit her an und schaden damit dem Klima zusätzlich. Die Anreise sei für das Saastal allgemein die grösste CO₂-Schleuder, sagt Bitschin. «Dass keiner kommt, ist jedoch auch keine Option.» Man versuche, die Reise möglichst nachhaltig zu gestalten. Damit die Gäste trotzdem auf 3500 Meter reisen, um die Gletscher noch einmal erleben zu können – in Wirklichkeit, oder virtuell.

Regionalredaktion Bern Freiburg Wallis, 22.7.2026, 17:30 Uhr ; 

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