Fast 200 Millionen Franken Umsatz machten die Jungfraubahnen 2025 mit dem Jungfraujoch – und es läge noch mehr drin, findet das Bahnunternehmen. Da die Kapazitäten im obersten Streckenabschnitt begrenzt sind, möchte es bei der Station «Eigergletscher» ein asiatisches Restaurant mit 200 Plätzen sowie ein Erlebnismuseum zur Eigernordwand bauen. Doch Einheimische aus dem Tal und Naturschutzorganisationen wehren sich nun dagegen.
Einfach die Eigernordwand hochzusehen, reiche dem Gast heute nicht mehr, ist Jungfrau-CEO Oliver Hammel überzeugt. Der Gast wolle selbst «kraxeln» und die herausforderndsten Passagen der Steilwand erleben – dafür sei ein Erlebnismuseum notwendig.
Wir möchten bestehende und geschützte Gebäude beim Eigergletscher wieder nutzen.
Ziel sei es nicht, mehr Gäste anzulocken, sondern die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Gemäss Masterplan sind am Eigergletscher zudem Shops, Sportvermietungen und neue Übernachtungsmöglichkeiten vorgesehen – in Bauten aus der Zeit des Eisenbahnbaus, die derzeit ungenutzt sind.
Naturschutzorganisationen kündigen Widerstand an
In einem Mitwirkungsbericht, der SRF vorliegt, werfen Natur- und Landschaftsschutzorganisationen den Jungfraubahnen «Salamitaktik» vor. Die Inbetriebnahme der neuen Gondel «Eiger Express» 2019 habe die Kapazitäten bereits massiv erweitert; von einem weiteren Ausbau sei damals nie die Rede gewesen, kritisiert Franziska Grossenbacher, Co-Leiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.
Wenn dort oben ein Museum entsteht, wird dies mehr Menschen anziehen.
Das Argument der Aufenthaltsqualität sei vorgeschoben. Sollten nun zusätzliche touristische Angebote geschaffen werden, zögen diese unweigerlich noch mehr Touristinnen und Touristen an.
Gemeindeversammlung stellt Bedingungen
Für den Bau des Museums ist ein Gebietsabtausch zwischen den Gemeinden Lauterbrunnen und Grindelwald erforderlich. Vergangenen Dezember lehnte die Gemeindeversammlung Grindelwald diesen jedoch ab. Der Tenor war klar: Vor dem nächsten Kapazitätsausbau müssten die Jungfraubahnen erst finanzielle Mittel zur Lösung der Verkehrsprobleme im Dorf bereitstellen. Die Verhandlungen laufen.
Die Weigerung Grindelwalds ist ein Warnschuss für die Jungfraubahnen. Eine aktuelle Studie der Tourismusorganisation Jungfrau Region zeigt: Fast 90 Prozent der Einwohnenden im östlichen Berner Oberland sind der Meinung, der Tourismus würde den Verkehr und die Infrastruktur zu stark belasten.
Kanton soll regionale Verkehrsprobleme lösen
Für Grossrätin Stephanie Gartenmann (SVP) ist beim Verkehr in der Bevölkerung ein Kipppunkt erreicht. Zusammen mit Grossratskolleginnen aus dem Berner Oberland fordert sie den Kanton Bern in einer Motion auf, in einem Gesamtkonzept aufzuzeigen, wo entsprechende Verkehrsinfrastrukturen ausgebaut werden können und wo nicht.