Vermehrt wird in der Schweiz versucht, den Gewässerschutz aufzuweichen. In der Frühjahrssession wurden gleich mehrere Vorstösse dazu eingereicht – beispielsweise jener von Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy.
Er fordert, dass die Schweiz Pflanzenschutzmittel, die von den Nachbarländern sowie den Niederlanden und Belgien bereits eingesetzt werden, hierzulande vereinfacht zugelassen werden. Zudem sollen die Behörden noch maximal ein Jahr Zeit für die Zulassung haben. Ist damit das Trinkwasser stärker bedroht?
Wasserversorger mahnt vor Rückschritten
Schon heute sei das Grundwasser an vielen Orten im Mittelland wegen Pestiziden belastet, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sagt Roman Wiget, Geschäftsführer Seeländische Wasserversorgung Worben BE.
Es gibt laut Wiget hauptsächlich zwei Sorgenkinder: Ewigkeitschemikalien wie PFAS, TFA, Chlorothanonyl-Metaboliten und Nährstoffüberschüsse, die beispielsweise zu Nitrat im Trinkwasser führten.
Seit der Pestizid- und Trinkwasserinitiative, über die das Stimmvolk vor fünf Jahren abgestimmt hatte, konnten laut Wiget Verbesserungen erreicht werden. Aktuell würden diese aber wieder aufgeweicht oder rückgängig gemacht, klagt der Wasserversorger.
Landwirte fühlen sich alleingelassen
Auf der andere Seite der Diskussion stehen Landwirte, die immer mehr Mühe haben mit dem steigenden Schädlingsdruck. Auch auf dem Rapsfeld von David Brugger vom Bauernverband fliegen schon jetzt Stängelrüssler und Glanzkäfer. Für diese Schädlinge habe es nur je ein einziges Insektizid zur Verfügung, sagt er. «Das führt zu Resistenzen, zu höheren Dosierungen.»
Man müsse die Insektizide in kurzen Abständen ausbringen, weil sie nicht mehr richtig funktionierten. Mit neuen Produkten hätten die Landwirtinnen und -wirte eine Win-win-Situation: für die Umwelt und die Landwirtschaft. «Wir müssen schlussendlich weniger einsetzen.
Daniel Stüdi befindet sich zwischen den beiden Lagern. Er ist Landwirt und versuchte in einem mehrjährigen Projekt von Bund und Kantonen, weniger Pestizide einzusetzen.
Zwar sei die Auswahl an Pestiziden im Moment klein. Aber die Bäuerinnen könnten durchaus mit mengenmässig weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen, schätzt er – über alle Kulturen hinweg. «Rund 50 Prozent kann man in der Praxis reduzieren.»
Zwar müsse man mit gewissen Ertragseinbussen rechnen. Bis zu zehn Prozent fände er akzeptabel. Doch er räumt ein: beim Weizen sei das gut machbar, beim Raps weniger.
Laut David Brugger vom Bauernverband ist eine Reduktion von Pflanzenschutzmitteln möglich. «Wenn wir gut abbaubare Pflanzenschutzmittel mit einem guten Umweltprofil haben und gleichzeitig einen hohen Know-how-Transfer in der Landwirtschaft, dann würde das auf jeden Fall helfen, Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.»
Neue Filteranlage löst nicht alle Probleme
Dass nicht noch mehr Pflanzenschutzmittel ins Trinkwasser gelangen, hat Roman Wiget in Worben eine neuartige Aktivkohle-Filteranlage eingebaut – ein Vorzeigeprojekt. Dank moderner Filtertechnik kann Wiget viele Ewigkeitschemikalien aus dem Wasser entfernen.
Doch die Anlage habe ihre Grenzen. «Jedes Filterverfahren kostet, braucht viel Energie und meistens sind die Probleme um Abwässer oder um die Abfälle nicht wirklich gelöst.» Der einzige Weg, das Problem der Pflanzenschutzmittel-Rückstände zu lösen, sei, bei der Landwirtschaft anzusetzen.