Davos wird während des WEF jedes Jahr wieder von Neuem umgestaltet: Futuristische Bauten prägen nun das Dorfbild, und riesige Werbebildschirme illuminieren die Strassen. Entlang der Promenade, der Flaniermeile von Davos, installieren sich jeweils internationale Grosskonzerne und einzelne Länder. Zu diesem Zweck mieten sie sich in Geschäftslokale ein oder erstellen gleich temporäre Gebäude. Diese Veranstaltungen rund ums WEF nehmen von Jahr zu Jahr ein grösseres Ausmass an und stossen deshalb auch auf Kritik.
Insgesamt werden während des WEF in Davos über 160 Gebäude komplett umgenutzt oder gleich von Grund auf neu erstellt. In der Tendenz werden es von Jahr zu Jahr mehr. Diese Entwicklung führt jeweils im Vorfeld des Anlasses zu viel Betrieb und einem Verkehrschaos im Dorf. Deshalb hat die Gemeinde vor zwei Jahren die Bauzeiten eingeschränkt auf die zwei Wochen vor dem WEF.
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Bild 1 von 3. Die Ukraine ist bereits seit vielen Jahren mit einem eigenen Pavillon vertreten. Seit dem russischen Angriff drehen sich viele der Inhalte um ein Land im Krieg. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.
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Bild 2 von 3. In den vergangenen zwei Jahren hat jeweils der britische Bildhauer und Maler Damien Hirst eines oder mehrere Kunstwerke geschaffen. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.
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Bild 3 von 3. Im Haus der Ukraine finden auch zahlreiche Podiumsdiskussionen mit hochrangigen Gästen statt. So beispielsweise am Dienstag mit der finnischen Aussenministerin und dem norwegischen Aussenminister. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.
Vereinfacht gesagt gibt es zwei Typen von Pavillons: solche, die eher einen Ausstellungscharakter haben und zumindest temporär für die Öffentlichkeit zugänglich sind. In denen finden beispielsweise auch Diskussionsrunden statt. Die Mehrheit der Bauten ist allerdings privat und dient vor allem als abgeschotteter Ort für bilaterale Treffen.
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Bild 1 von 2. Dieses Jahr sind die USA erstmals mit einem eigenen Pavillon vertreten. Dazu nutzen sie eine Kirche. In früheren Jahren hatten darin auch schon Medienhäuser und Kryptowährungen ihren Standort. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.
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Bild 2 von 2. Blick in das Innere der Kirche: Der Handelsbeauftragte Jamieson Greer referiert am Dienstag über die aktuelle Geopolitik der USA. Bildquelle: SRF / Isabel Pfaff.
Durch die Umgestaltung von Davos entsteht so etwas wie ein zweites WEF rund um das offizielle Programm, das im Davoser Kongresszentrum stattfindet. Diese Entwicklung ist allerdings vielen auch ein Dorn im Auge. Kritikerinnen und Kritiker – sowohl Einheimische als auch WEF-Teilnehmende – sprechen deshalb auch von einem «Zirkus» oder einem «Jahrmarkt», der alljährlich in Davos stattfinde.
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Bild 1 von 3. In der Nacht verwandelt sich Davos in eine leuchtende und blinkende Stadt. Allgegenwärtig sind auch die schwarzen Limousinen, die den Verkehr regelmässig zum Erliegen bringen. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.
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Bild 2 von 3. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit einigen Jahren ganz prominent an der Hauptflaniermeile von Davos vertreten. Dieser Bau wird jedes Jahr von Neuem erstellt. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.
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Bild 3 von 3. Zu den auffälligeren Bauten, gerade in der Nacht, gehört ein grosses Zelt, in dem während des WEF Podiumsdiskussionen und Privatanlässe stattfinden. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.
Das WEF selbst bezeichnet die Aktivitäten und Bauten rund um das offizielle WEF seit Jahren als «Trittbrettfahrer». Allerdings hätte es das Forum selbst in der Hand, diese Entwicklung zu bremsen: Das neue Davoser Baureglement schreibt nämlich vor, dass alle Firmen oder Länder, die solche Bauten planen, eine offizielle Bestätigung des WEF benötigen, damit das entsprechende Baugesuch überhaupt geprüft wird. Bislang ist das WEF offensichtlich nicht gewillt, weniger Bestätigungen auszustellen.
Die Gemeinde Davos betont, dass alle Bauten mit physischen Kontrollrundgängen überprüft würden. Gemäss der Gemeinde büsst sie jedes Jahr zwischen 15 und 30 Betreiber und teilt auch Bussen von bis zu 40'000 Franken aus. Bei schwerwiegenden Verstössen kann die Gemeinde auch ein sofortiges Nutzungsverbot aussprechen, was allerdings noch nie vorgekommen sei.