In den letzten Wochen gingen in Siebnen SZ die Wogen hoch. Eine geplante Moschee sorgte im konservativen Schwyzer Dorf für Diskussionen – nun zieht sich die Albanische Gemeinschaft vorerst zurück: «Wir wollen die Bevölkerung nicht spalten», sagt Präsident Sinan Sadriu zur SRF-«Rundschau». «Und ich will nicht beschimpft werden.» Die Muslime suchen nun das Gespräch mit der Gemeinde für einen anderen Standort.
Mitten im Dorfkern von Siebnen wollte die albanische Gemeinschaft das traditionsreiche Läufferhaus in ein islamisches Kulturzentrum umbauen. 5000 Unterschriften hat die lokale SVP gegen das Projekt gesammelt. «Wir sind Eidgenossen und stolz darauf», heisst es in der Dorfbeiz. Der Widerstand ist gross. «Wir sind eine eingeschworene Ladengemeinschaft», sagt Rita Rutz. Ihr Strickerladen liegt gegenüber des Läufferhauses. Sie und ihre Kundinnen sind froh, wenn die Moschee vorerst nicht kommt. «Sie passt nicht mitten ins Dorf», sagt Rutz.
Angst vor dem Fremden
An mehreren Orten in der Schweiz stossen geplante Moscheen auf grossen Widerstand. In St. Gallen war die Aufregung gross, als kürzlich Pläne für eine millionenteure Grossmoschee publik wurden. Auch im Berner Aussenquartier Wittigkofen wehren sich Anwohnerinnen und Anwohner gegen einen geplanten Gebetsraum im kirchlichen Quartierzentrum: «Es sind nicht unsere Freunde», sagt ein älterer Herr am Flohmarkt. «Ihre Kultur ist uns fremd», ergänzt eine Frau. Der Widerstand war so heftig, dass Sozialarbeiterinnen der Kirche massiv bedroht und beleidigt wurden.
Ali Osman, Präsident des Islamischen Zentrums Bern, kann die Skepsis durchaus nachvollziehen. «Man hat Angst vor dem, was man nicht kennt.» Der Berner hat die Moschee-Pläne in Wittigkofen vorangetrieben. «Wir wollen niemandem etwas wegnehmen», sagt seine Schwester Sabira Osman. Die Geschwister sind in der Schweiz aufgewachsen und sammeln an einem Fastenbrechen im Ramadan Spenden für das Projekt.
Kampf um Akzeptanz
Bis Ende März hatten sie Zeit, um 1.8 Millionen Franken zu sammeln. So viel verlangt die reformierte Kirche für den Verkauf des Quartierzentrums. Doch die Frist verstrich, es kam zu wenig Geld zusammen. «Wir bleiben mit der Kirche im Gespräch», sagt Ali Osman. Weil die Finanzierung nicht gesichert ist, verfällt die gemeinsame Absichtserklärung. Neue Interessenten können sich melden. «Wir müssen den Prozess neu starten», sagt Rudolf Beyeler, Präsident des Kleinen Kirchenrats.
Sowohl in Wittigkofen wie auch in Siebnen sind die Moschee-Pläne also vorerst vom Tisch. «Es kann nicht sein, dass wir, die schon seit vielen Jahren ortsansässig sind, auf die Muslime zugehen müssen», sagt Strickerin Rita Rutz. Doch Sinan Sadriu kann den Widerstand gegen sein Herzensprojekt nicht verstehen. Er ist Juniorentrainer im Fussballklub des Nachbardorfs und arbeitet als Handwerker in der Region: «Meine Familie lebt hier in der dritten Generation. Wir leisten unseren Beitrag für die Gesellschaft.» Er wünscht sich deshalb, dass die Bevölkerung sein Wunsch nach einer Moschee im Dorf ernst nimmt.