Es gibt viele tote Wölfe in der Schweiz. Seit September 2025, dem Beginn der Regulierungsphase 25/26, wurden bis Ende Januar 2026 etwa 60 Tiere erlegt und gezählt. Weitere Abschüsse und Todesfälle kommen noch dazu. Die Zahl der erlegten Tiere hat durch die Regulierung erheblich zugenommen.
In etlichen Kantonen werden Wölfe für Museen oder Unterricht präpariert, der Rest wird entsorgt und verbrannt. Im Kanton Wallis dürfen die Jäger ihre erlegten Wölfe behalten. Der Kanton Graubünden verbietet dies, weil er verhindern will, dass die Tiere zu Trophäen werden. Jeder Kanton geht unterschiedlich mit erlegten Wölfen um.
Präparate sind gefragt
Es gebe mehr tote Wölfe und eine gestiegene Nachfrage nach Präparaten, sagt Tierpräparatorin Sabrina Beutler. Sie bilde das grosse Interesse der Gesellschaft am Wolf ab, sagt Sabrina Beutler. Und dieses Interesse des Menschen am Wolf sei mit der immer grösser werdenden Population gewachsen. Museen würden von den vielen Abschüssen profitieren, indem sie Präparate ersetzen oder anschaffen – als Fell, Schädel oder ganze Wölfe.
Kommt ein toter Wolf zu Sabrina Beutler in die Werkstatt, zieht sie ihm zuerst das Fell, die ganze Haut ab. Diese wird gereinigt, gegerbt, der nackte Kadaver exakt vermessen: Bauchumfang, Knochenlängen, Breite des Brustkorbs oder der Hüfte, alles müsse möglichst genau erfasst sein.
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Bild 1 von 3. Sabrina Beutler – Tierpräparatorin: Sie baut den Wolf nach. Ohne eine politische Botschaft im Präparat zu verpacken. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Das Präparat wird sorgfältig vermessen: Längen von Knochen, Umfang des Bauches, Dicke der Muskulatur. Das Fell muss schliesslich exakt über die Form und die Haltung des Tieres passen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Gips-Modell eines Wolfskopfs. Gewöhnliche Präparate werden meist aus Kunststoff gefertigt und dann mit der Haut überzogen. Bildquelle: SRF.
Dabei bleibt der Tierkörper ganz. «Ich hole keine Innereien raus, es fliesst kein Blut.» Nur die Haut des Wolfs ziehe sie ab, sagt die Tierpräparatorin. Allenfalls entnehme sie die Knochen, um das Skelett darzustellen. Der nackte Kadaver werde entsorgt.
Mimik-Kunst und leuchtende Augen
Als Präparatorin habe sie einen systematischen, anatomischen Blick. «Ich baue den Wolf ohne Haut nach.» Sie müsse wissen, wo die Muskeln entlang gingen und welche Funktion sie hätten, wo Blutbahnen lägen und ganz besonders wichtig bei Wolfpräparaten sei die Mimik. Diese diene der komplexen Kommunikation unter den Tieren. Beim Kopf müsse deshalb jeder kleinste Muskel anatomisch korrekt nachgebaut sein.
Für gewöhnliche Präparate wird oft Polyurethan verwendet. Dieser Kunststoff hat den Vorteil, dass ihn die Präparatorin verändern, schleifen, zersägen und den Körper neu zusammensetzen kann.
Die Augen des Wolfes sind auf der Rückseite bemalte Glaskuppeln. Es gibt sogar Augen, die in der Dunkelheit Licht reflektieren. «Schleicht man nachts mit der Taschenlampe durchs Museum, leuchten sie», sagt Sabrina Beutler.
Das Wichtigste am Präparat ist die Haut, das Fell und wie genau es über den Nachbau des Körpers gezogen wird. Ganz besonders beim Kopf des Wolfes. Je nachdem, wie die Haare liegen, ändere sich der Gesichtsausdruck. Am Ende sei ein präparierter Wolf eine Skulptur, ihre eigene Interpretation des Tieres mit einem gegerbten Fell drüber.
Sabrina Beutler wird einen Wolf nachbauen, der im Kanton Graubünden erlegt worden ist. Das Tier geht an ein Museum in der Schweiz. Dort wird es ein altes Präparat ersetzen, welches jetzt in der Ausstellung steht.
Dieser Wolf werde ruhig dastehen, den Kopf leicht geneigt. Der Wolf soll sich selbst darstellen, ist die Präparatorin der Überzeugung. Er dürfe keine politische Botschaft haben. «Ich würde mich weigern, einen Wolf zu präparieren, der zähnefletschend ein Schaf anschleicht.» Zähnefletschen sei soziale Kommunikation und kein Jagdverhalten.