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Wolf-Regulierung Schweiz Es lebe der präparierte Wolf

Wegen der Regulierung gibt es viele tote Wölfe in der Schweiz. Die Nachfrage nach Präparaten ist gross, vor allem auch in Museen.

Es gibt viele tote Wölfe in der Schweiz. Seit September 2025, dem Beginn der Regulierungsphase 25/26, wurden bis Ende Januar 2026 etwa 60 Tiere erlegt und gezählt. Weitere Abschüsse und Todesfälle kommen noch dazu. Die Zahl der erlegten Tiere hat durch die Regulierung erheblich zugenommen.

Ein Plakat hängt für die Regulierung von Wölfen an einer Wand.
Legende: Durch die Regulierung der Wolfspopulation gibt es zahlreiche tote Tiere. Etliche werden entsorgt, andere zu Präparaten. KEYSTONE/Peter Klaunzer

In etlichen Kantonen werden Wölfe für Museen oder Unterricht präpariert, der Rest wird entsorgt und verbrannt. Im Kanton Wallis dürfen die Jäger ihre erlegten Wölfe behalten. Der Kanton Graubünden verbietet dies, weil er verhindern will, dass die Tiere zu Trophäen werden. Jeder Kanton geht unterschiedlich mit erlegten Wölfen um.

Präparate sind gefragt

Es gebe mehr tote Wölfe und eine gestiegene Nachfrage nach Präparaten, sagt Tierpräparatorin Sabrina Beutler. Sie bilde das grosse Interesse der Gesellschaft am Wolf ab, sagt Sabrina Beutler. Und dieses Interesse des Menschen am Wolf sei mit der immer grösser werdenden Population gewachsen. Museen würden von den vielen Abschüssen profitieren, indem sie Präparate ersetzen oder anschaffen – als Fell, Schädel oder ganze Wölfe.

Kommt ein toter Wolf zu Sabrina Beutler in die Werkstatt, zieht sie ihm zuerst das Fell, die ganze Haut ab. Diese wird gereinigt, gegerbt, der nackte Kadaver exakt vermessen: Bauchumfang, Knochenlängen, Breite des Brustkorbs oder der Hüfte, alles müsse möglichst genau erfasst sein.

Dabei bleibt der Tierkörper ganz. «Ich hole keine Innereien raus, es fliesst kein Blut.» Nur die Haut des Wolfs ziehe sie ab, sagt die Tierpräparatorin. Allenfalls entnehme sie die Knochen, um das Skelett darzustellen. Der nackte Kadaver werde entsorgt.

Mimik-Kunst und leuchtende Augen

Als Präparatorin habe sie einen systematischen, anatomischen Blick. «Ich baue den Wolf ohne Haut nach.» Sie müsse wissen, wo die Muskeln entlang gingen und welche Funktion sie hätten, wo Blutbahnen lägen und ganz besonders wichtig bei Wolfpräparaten sei die Mimik. Diese diene der komplexen Kommunikation unter den Tieren. Beim Kopf müsse deshalb jeder kleinste Muskel anatomisch korrekt nachgebaut sein.

Eine Präparatorin hält eine Gipsform einer Wolfsnase in der Hand.
Legende: Gipsform einer Wolfsnase. Am Ende wird die gegerbte Haut über den künstlich aufgebauten Körper gezogen. SRF

Für gewöhnliche Präparate wird oft Polyurethan verwendet. Dieser Kunststoff hat den Vorteil, dass ihn die Präparatorin verändern, schleifen, zersägen und den Körper neu zusammensetzen kann.

Die Augen des Wolfes sind auf der Rückseite bemalte Glaskuppeln. Es gibt sogar Augen, die in der Dunkelheit Licht reflektieren. «Schleicht man nachts mit der Taschenlampe durchs Museum, leuchten sie», sagt Sabrina Beutler.

Die Kantone und ihr Umgang mit toten Wölfen

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Wallis: Jeder im Wallis erlegte Wolf wird gemäss Bundesvorgaben obduziert. Falls die kantonale Dienststelle Jagd, Fischerei und Wildtiere es erlaubt, kann der Jäger das Tier behalten. Bisher sei das in allen entsprechenden Fällen passiert, schreibt der Kanton auf Nachfrage von SRF. Sonst wird der Kadaver verbrannt. Die Dienststelle selbst hat mehrere Schädel in ihre eigene Sammlung aufgenommen. Sie dienen zur Ausbildung angehender Jäger.

Graubünden:  Wölfe, die durch Jäger erlegt werden, werden entsorgt und anschliessend verbrannt. Der Kanton will damit verhindern, dass die Tiere zu «Trophäen» werden. Tote Wölfe aus Graubünden gehen an andere Museen in der Schweiz, Teile der Kadaver werden präpariert und gehen an das Naturmuseum Chur.

Bern: Hier lässt die kantonale Jagdverwaltung gelegentlich «Präparate» wie Schädel, Felle oder Pfotenabdrücke anfertigen, die als Lernmaterial in Schulen dienen.

Genf: Das Naturhistorische Museum Genf hat ein Exemplar in seine Sammlung aufgenommen: Es fertigte vom ersten Wolf, der 2022 im Kanton Waadt erlegt wurde, ein Präparat an.

Waadt: Seit den ersten proaktiven Regulierungsabschüssen werden die in der Waadt erlegten Wölfe an das kantonale naturhistorische Museum in Lausanne geschickt. Dort werden sie präpariert oder für Forschungszwecke genutzt. Von jedem Wolf werden wissenschaftliche Daten erhoben. Die Zahl der Tiere übersteige derzeit die Verarbeitungskapazitäten und den Bedarf des Museums, heisst es beim kantonalen Umweltdepartement.

Tessin: Alle erlegten Wölfe werden biometrisch vermessen, Angaben zu Grösse, Geschlecht, Zähnen und Gewicht werden erhoben. Auch im Tessin seien einige Exemplare für Bildungszwecke präpariert worden, teilt der Kanton mit.

Neuenburg: Wolfskadaver, die im Kanton Neuenburg geschossen werden, gelangen grundsätzlich an das Naturhistorische Museum Neuenburg. Dort werden die Präparate in die Sammlung aufgenommen. Sollte künftig kein Interesse mehr bestehen, würden sie einem anderen Museum angeboten oder vernichtet, so das Amt für Fauna, Wald und Natur.

Das Wichtigste am Präparat ist die Haut, das Fell und wie genau es über den Nachbau des Körpers gezogen wird. Ganz besonders beim Kopf des Wolfes. Je nachdem, wie die Haare liegen, ändere sich der Gesichtsausdruck. Am Ende sei ein präparierter Wolf eine Skulptur, ihre eigene Interpretation des Tieres mit einem gegerbten Fell drüber.

Eine Präparatorin hält künstliche Augen eines Wolfes in den Händen.
Legende: Glasaugen für das Präparat. Es gibt künstliche Augen, die reflektieren sogar das Licht bei Dunkelheit. SRF

Sabrina Beutler wird einen Wolf nachbauen, der im Kanton Graubünden erlegt worden ist. Das Tier geht an ein Museum in der Schweiz. Dort wird es ein altes Präparat ersetzen, welches jetzt in der Ausstellung steht.

Dieser Wolf werde ruhig dastehen, den Kopf leicht geneigt. Der Wolf soll sich selbst darstellen, ist die Präparatorin der Überzeugung. Er dürfe keine politische Botschaft haben. «Ich würde mich weigern, einen Wolf zu präparieren, der zähnefletschend ein Schaf anschleicht.» Zähnefletschen sei soziale Kommunikation und kein Jagdverhalten.

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Rendezvous, 30.1.2026, 12.30 Uhr; herb

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