Über die Aare in der Stadt Solothurn muss es bereits zur Römerzeit eine Brücke gegeben haben. Davon ging man seit Langem aus. Nun ist der Beweis da: Bei archäologischen Tauchuntersuchungen wurden 1700 Jahre alte Überreste von Brückenpfählen entdeckt. Von einem «Glücksfall» schreibt die Solothurner Kantonsarchäologie in einer Mitteilung. Endlich sei die Vermutung durch den Fund belegt.
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Bild 1 von 3. Ein Taucher fotografiert die 1700 Jahre alten Überreste der römischen Brücke. Bildquelle: Kantonsarchäologie Solothurn/Roman Sollberger.
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Bild 2 von 3. Die Fotografie von der Kamera des Tauchers. Dieser Teil eines Pfeilers ragt rund 20 Zentimeter aus dem Boden. Bildquelle: Kantonsarchäologie Solothurn/Carlos Pinto.
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Bild 3 von 3. Die Taucher nahmen Holzproben aus den Pfeilern. Die Proben wurden auf das vierte Jahrhundert datiert. Bildquelle: Kantonsarchäologie Solothurn/Roman Sollberger.
Neben den Überresten der spätantiken Brücke aus dem 4. Jahrhundert befinden sich heute noch Aare-Übergänge: die Wengibrücke und eine Eisenbahnbrücke. Weil die Bahnbrücke neu gebaut wird, suchten Taucher vor dem Baustart wiederholt den Flussboden ab. Zur Sicherheit, damit bei den Arbeiten keine allfälligen Funde zerstört würden, sagt Andrea Nold von der Kantonsarchäologie gegenüber SRF. Fündig wurden die Taucher einige Meter flussabwärts, bei der Wengibrücke. Diese Stelle untersuchte sie anschliessend genauer.
Dass es sich bei den noch maximal ein Meter langen Pfosten mit rund 20 Zentimetern Durchmesser um Teile eines Brückenpfeilers handelt, zeigte die Datierung von Holzproben.
Der Flusskorrektion entgangen
Die Stadt Solothurn wurde um das Jahr 20 n. Chr. von den Römern als Siedlung gegründet. Der Standort wurde wahrscheinlich gewählt, weil die Aare hier weniger breit ist – ideal für eine Brücke. Der lateinische Ortsname Salodurum bedeutet «Flussenge».
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Bild 1 von 2. Illustration der römischen Siedlung Salodurum um das Jahr 200 …. Bildquelle: Kantonsarchäologie Solothurn/Monika Krucker.
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Bild 2 von 2. …und wie das Castrum von Solothurn um das Jahr 400 ausgesehen haben könnte. Bildquelle: Kantonsarchäologie Solothurn/Monika Krucker.
Nach dem Jahr 300 wurde die jetzt kleine Stadt zu einer Festung (Castrum) ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen die aktuellen Funde im Fluss. Laut der Kantonsarchäologie war die Brücke Teil der antiken Fernstrasse von Italien über den Grossen St. Bernhard an den Rhein. Überreste dieser Strasse wurden in der Nähe von Solothurn gefunden. Und ein Castrum sei jeweils errichtet worden, um eine Brücke zu beschützen, so Andrea Nold.
Sie habe aber kaum zu hoffen gewagt, dass es sich bei den nun entdeckten Funden um Pfähle der römischen Brücke handelt, lacht Nold. Sie spricht auch deshalb von grossem Glück, weil die Überreste bereits verschwunden sein könnten. Bei der Juragewässerkorrektion 1969 wurde das Flussbett ausgebaggert. Im Schutz der Wengibrücke blieben die Pfeiler aber stehen.
Im Wasser sei das Holz erhalten geblieben. Dort bleibt der Zufallsfund auch. Eine Bergung wäre laut Andrea Nold unverhältnismässig und teuer.
«Archäologie ist immer Glückssache»
Warum wurden die Pfeiler aber nicht bereits früher entdeckt? Die Aare ist in Solothurn nur wenige Meter tief. Einige der Überreste seien bereits 1990 entdeckt und beschrieben worden, sagt Archäologin Andrea Nold. Pläne gebe es aber nicht und aus finanziellen und personellen Gründen sei nicht weitergesucht worden.
Wiederentdeckt wurden die Pfeiler jetzt durch die privaten Taucher. «Archäologie ist eigentlich immer Glückssache. Wir wissen immer erst danach, wie erfolgreich wir waren – auch bei Ausgrabungen.»
Angst, dass die römischen Überreste beschädigt oder mitgenommen werden könnten, hat Andrea Nold nicht. Die Pfeiler seien nicht einfach zu finden. «Auch die Taucher mussten zweimal suchen. Und sie sind doch einige Meter unter Wasser.»