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Zufallsfund in der Aare Taucher finden 1700-jährige Römerbrücke in Solothurn

Lange wurde vermutet, dass es in Solothurn zur Römerzeit eine Brücke über die Aare gab. Nun wurden Überreste gefunden.

Über die Aare in der Stadt Solothurn muss es bereits zur Römerzeit eine Brücke gegeben haben. Davon ging man seit Langem aus. Nun ist der Beweis da: Bei archäologischen Tauchuntersuchungen wurden 1700 Jahre alte Überreste von Brückenpfählen entdeckt. Von einem «Glücksfall» schreibt die Solothurner Kantonsarchäologie in einer Mitteilung. Endlich sei die Vermutung durch den Fund belegt.

Neben den Überresten der spätantiken Brücke aus dem 4. Jahrhundert befinden sich heute noch Aare-Übergänge: die Wengibrücke und eine Eisenbahnbrücke. Weil die Bahnbrücke neu gebaut wird, suchten Taucher vor dem Baustart wiederholt den Flussboden ab. Zur Sicherheit, damit bei den Arbeiten keine allfälligen Funde zerstört würden, sagt Andrea Nold von der Kantonsarchäologie gegenüber SRF. Fündig wurden die Taucher einige Meter flussabwärts, bei der Wengibrücke. Diese Stelle untersuchte sie anschliessend genauer.

Unterwasserszene mit Pfosten und bewachsenen Strukturen.
Legende: Die grössten Überreste der Brücke. Die beiden Holzpfähle ragen rund einen Meter aus dem Flussgrund, mit einem Durchmesser von rund 20 Zentimetern. Kantonsarchäologie Solothurn, Carlos Pinto

Dass es sich bei den noch maximal ein Meter langen Pfosten mit rund 20 Zentimetern Durchmesser um Teile eines Brückenpfeilers handelt, zeigte die Datierung von Holzproben.

Der Flusskorrektion entgangen

Die Stadt Solothurn wurde um das Jahr 20 n. Chr. von den Römern als Siedlung gegründet. Der Standort wurde wahrscheinlich gewählt, weil die Aare hier weniger breit ist – ideal für eine Brücke. Der lateinische Ortsname Salodurum bedeutet «Flussenge».

Nach dem Jahr 300 wurde die jetzt kleine Stadt zu einer Festung (Castrum) ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen die aktuellen Funde im Fluss. Laut der Kantonsarchäologie war die Brücke Teil der antiken Fernstrasse von Italien über den Grossen St. Bernhard an den Rhein. Überreste dieser Strasse wurden in der Nähe von Solothurn gefunden. Und ein Castrum sei jeweils errichtet worden, um eine Brücke zu beschützen, so Andrea Nold.

Sie habe aber kaum zu hoffen gewagt, dass es sich bei den nun entdeckten Funden um Pfähle der römischen Brücke handelt, lacht Nold. Sie spricht auch deshalb von grossem Glück, weil die Überreste bereits verschwunden sein könnten. Bei der Juragewässerkorrektion 1969 wurde das Flussbett ausgebaggert. Im Schutz der Wengibrücke blieben die Pfeiler aber stehen.

Historisches Gebäude mit gemusterten Fensterläden am Flussufer, mehrere Personen auf dem Gehweg.
Legende: Die römischen Brückenpfeiler befinden sich rund zehn Meter vom Flussufer entfernt, in der Nähe der Wengibrücke (links). Rechts am Rand ist die Eisenbahnbrücke erkennbar. Kantonsarchäologie Solothurn/Pierre Harb

Im Wasser sei das Holz erhalten geblieben. Dort bleibt der Zufallsfund auch. Eine Bergung wäre laut Andrea Nold unverhältnismässig und teuer.

«Archäologie ist immer Glückssache»

Warum wurden die Pfeiler aber nicht bereits früher entdeckt? Die Aare ist in Solothurn nur wenige Meter tief. Einige der Überreste seien bereits 1990 entdeckt und beschrieben worden, sagt Archäologin Andrea Nold. Pläne gebe es aber nicht und aus finanziellen und personellen Gründen sei nicht weitergesucht worden.

Wiederentdeckt wurden die Pfeiler jetzt durch die privaten Taucher. «Archäologie ist eigentlich immer Glückssache. Wir wissen immer erst danach, wie erfolgreich wir waren – auch bei Ausgrabungen.»

Angst, dass die römischen Überreste beschädigt oder mitgenommen werden könnten, hat Andrea Nold nicht. Die Pfeiler seien nicht einfach zu finden. «Auch die Taucher mussten zweimal suchen. Und sie sind doch einige Meter unter Wasser.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 03.06.2026, 12:03 Uhr ; 

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