Guido Zäch war charismatischer Gründer der Paraplegiker-Stiftung. Jetzt ist er 90-jährig gestorben. Der Präsident der Institution, Josef Hofstetter, erinnert sich an Guido Zäch, der auch sein Freund war.
SRF News: Wie haben Sie Guido Zäch erlebt?
Josef Hofstetter: Ich habe ihn als Visionär, als Pionier erlebt. Er hatte eine Idee – und diese hat er durchgezogen. Das hat mich immer beeindruckt. Wenn Guido Zäch auf Widerstand gestossen ist, sagte er jeweils: «Gegenwind gibt Auftrieb, also nutzen wir diesen.» Er hat aus der Not eine Tugend gemacht und sein Ziel nie aus den Augen verloren.
Wie hat Guido Zäch die Rehabilitation von querschnittgelähmten Menschen verändert?
Wenn man vergleicht, wie Querschnittgelähmte vor 50 Jahren versorgt wurden und wie das heute ist, dann sind das riesige Unterschiede. Es wurden immense Fortschritte gemacht, nicht nur medizinisch, sondern auch in der lebenslangen Begleitung.
Die ganzheitliche Betrachtung der Rehabilitation ist Guido Zächs bleibendes Verdienst.
Dabei geht es um Beratung, Angebote im Sport oder in der beruflichen Wiedereingliederung. Diese ganzheitliche Betrachtung ist, was Guido Zäch in der Rehabilitation von Querschnittgelähmten eingebracht hat. Es ist sein bleibendes Verdienst.
Welche Fortschritte sind das konkret?
Besonders beeindruckend ist die die Wiedereingliederung ins Berufsleben. Vor 50 Jahren blieb man nach einem Unfall, die eine Querschnittlähmung zur Folge hatte, sehr lange in der Klinik. Es gab damals im Grunde nur eine medizinische Institution in Basel – dorthin wurde man gebracht. Ohne Perspektiven, ohne Chancen. Diese Situation hat Guido Zäch wohl dazu angetrieben, die Situation der Betroffenen zu verbessern.
Die Betroffenen haben wieder eine Aufgabe und eine wichtige Rolle in der Gesellschaft.
Inzwischen haben wir in der Schweiz mit etwa 60 Prozent Wiedereingliederung in den Beruf eine der höchsten Quoten weltweit. Das ist nicht nur finanziell wichtig für die Betroffenen und das Gemeinwesen, sondern es ist auch essenziell für die Lebensqualität der Betroffenen. Sie haben so wieder eine Aufgabe und eine wichtige Rolle in der Gesellschaft.
In den Nullerjahren wurde Zäch wegen mehrfacher Veruntreuung verurteilt, es ging auch um Fehlinvestitionen. Warum blieb er trotzdem Ehrenpräsident der Paraplegiker-Stiftung?
Alles, was wir heute in der Schweiz an Institutionen zur Rehabilitation von Querschnittgelähmten haben, geht auf Guido Zäch zurück. Entsprechend sind wir ihm sehr dankbar für das, was er getan hat, und deshalb bleibt er wertvoll für uns. Wir werden ihn immer schätzen.
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Wie ist Guido Zäch mit der damaligen Situation und der Kritik an ihm umgegangen?
Er hat sehr darunter gelitten, die Kritik traf ihn hart. Er empfand sie auch als ungerecht. Wer ihn kannte, weiss, dass es nie seine Absicht war, etwas zu tun, das nicht korrekt ist. Es war für ihn sehr schwierig zu begreifen, warum man das Ganze so ausgelegt hat, dass es zum Prozess kam. Er hat stark darunter gelitten – bis zu seinem Tod.
Für die Menschen mit einer Querschnittslähmung war er stets eine Art Leuchtturm – jetzt leuchtet er nicht mehr.
Was bedeutet der Tod von Guido Zäch für sein Lebenswerk, die Paraplegiker-Stiftung und das Rehabilitationszentrum?
Guido Zäch hatte ja schon längere Zeit keine operative oder strategische Funktion mehr. Er war aber immer ein wichtiger Gesprächspartner. Entsprechend wird er uns fehlen – auch als Mensch. Für die Menschen mit einer Querschnittslähmung war er stets eine Art Leuchtturm. Jetzt leuchtet er nicht mehr. Die Institution ist allerdings sehr gefestigt, die Aufgaben sind auf viele Köpfe verteilt. Die Paraplegiker-Stiftung hat rund zwei Millionen Mitglieder und ist entsprechend solide aufgestellt. Ich fürchte also nicht um die Institution.
Das Gespräch führte Salvador Atasoy.