An Vision und Motivation fehlte es den Initiantinnen und Initianten der Service-citoyen-Initiative nicht. Allen voran dem Gesicht der Kampagne, Noémie Roten. Sie verkörperte exemplarisch das Anliegen der Initiative. Engagiert in Beruf und Privatleben, als Ökonomin, Kampagnenleiterin und Milizsoldatin.
Rothen und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter setzten ein Thema auf die Traktandenliste, das die etablierte Politik schon verworfen hatte: Jede und jeder leistet in jungen Jahren einen Dienst an der Gesellschaft. Im Militär, im Zivilschutz – aber auch in der Pflege und Betreuung, beim Umweltschutz oder in sozialen Projekten. Sicherheit solle umfassender verstanden werden, sagten die Initiantinnen und Initianten.
Die Idee überzeugte viele – bekam aber ein Preisschild
Das Anliegen klingt sympathisch. Anfang Jahr gaben in der Meinungsumfrage der Militärakademie «Sicherheit 2025» zwei Drittel der Befragten an, einen allgemeinen Bürgerdienst zu unterstützen. Auch die ersten Abstimmungsumfragen sahen gar nicht so schlecht aus für die Initiative. Doch plötzlich machte sich Skepsis breit.
Wäre die Initiative angenommen worden, hätten rund 70'000 junge Frauen und Männer jährlich antreten müssen, um diesen Dienst zu absolvieren. Eine Bürokratie hätte aufgebaut werden müssen, die nicht nur die Einsätze in der Armee und im Zivilschutz hätte organisieren müssen, sondern in einem ähnlichen Umfang auch die Einsätze in Sozial- und Umweltprojekten. Bundesrat Martin Pfister warnte vor einer Verdoppelung der heutigen Kosten. Die Idee des Bürgerdienstes bekam ein Preisschild.
Der zusätzliche Sicherheitsgewinn als Gegenleistung blieb vage. Wie genau soll das Milizsystem die Antwort sein auf die Herausforderungen und Bedrohungen der Zukunft? Klimakatastrophe, Pandemie, Fachkräftemangel in der Pflege, Cyberangriffe, Spionage und hybride Bedrohungen – das verlangt eher nach mehr Profis und nicht nach der Miliz.
Die Menschen engagieren sich ohne Zwang
Auch, dass die Schweiz in ihren Grundfesten bedroht sei, weil Kohäsion und gesellschaftliches Engagement schwinden, nimmt die Bevölkerung in ihrem Alltag wohl anders wahr. Der jüngst publizierte Freiwilligenmonitor 2025 zeigt: Das freiwillige Engagement der Schweizer Bevölkerung bleibt auf hohem Niveau stabil.
Gerade Frauen, die mehr Betreuungsaufgaben im Privaten übernehmen als Männer, sahen im Bürgerinnendienst eine ungerechtfertigte Zusatzbelastung.
Dienstpflicht für Frauen vom Tisch
Die Initiantinnen und Initiative wollten alte Rollenbilder und -Klischees bekämpfen. Auch Frauen könnten das Land gegen innere und äussere Feinde und Bedrohungen verteidigen. Die Schlappe an der Urne hat nun aber zur Folge, dass eine Wehrpflicht für Frauen in weite Ferne rückt. Die Bevölkerung nimmt einen obligatorischen Dienst für die Frauen – ob im Militär oder im Zivilen – nicht als Sicherheitsgewinn an.