Ein hoher Raum, dutzende Arbeitsplätze und noch mehr flimmernde Bildschirme. Durch die Fensterfront reicht der Blick bis auf die Piste 28. Flugzeuge starten und landen im Minutentakt. Oliver Buchhofer steht im Operations Center in Kloten, der Schaltzentrale der Airline. Es ist das Herz und das Hirn der Swiss.
«Hier laufen alle Fäden zusammen. Hier entscheiden wir, ob wir ein Flugzeug umleiten, zurückholen oder ein ausgefallenes ersetzen», erklärt Buchhofer. Die Spezialisten überwachen die gesamte Welt und jede Flugbewegung. Allein die Swiss verzeichnet jeden Tag durchschnittlich 420 Starts und Landungen.
Kürzlich steuerte Buchhofer selbst einen der ersten Zusatzflüge, welche die Swiss als Reaktion auf die Schliessung der Golf-Flughäfen ins Programm aufgenommen hatte, nach Delhi und zurück, eine Route zwischen Krisenherden. Der Luftraum wird immer enger.
«Die Korridore nach Osten sind extrem schmal», sagt Buchhofer. «Im Süden tobt der Iran-Krieg, im Norden der Krieg in der Ukraine, und dazwischen liegt Afghanistan mit unkontrolliertem Luftraum. Das erfordert gründliche Vorbereitung.»
Bodencrew und Piloten planen solche Routen bis ins Detail: Wo können Flugzeuge ausweichen? Welche Flughäfen können im Notfall angeflogen werden? Wo funktioniert GPS, wo nicht? Und wo ist bei Druckabfall ein Sinkflug möglich? Klar ist: Die Ausweichrouten werden immer knapper.
«Wir überwachen den Luftraum ständig», sagt Buchhofer. «Das heisst, wir koordinieren Flugrouten neu, passen Flugzeiten an. Am Ende muss alles reibungslos ineinandergreifen. Es geht nicht nur um einen Flug – viele Passagiere steigen um und wollen ihren Anschluss erreichen. Ausserdem können wir nicht jeden Luftraum einfach durchqueren. Dafür brauchen wir Genehmigungen. »
Wir nutzen öffentliche Quellen, etwa Nachrichtenagenturen, aber auch Informationen von Behörden und Nachrichtendiensten.
Planung ist alles. Doch Drohnen und Raketen stören die Abläufe. Der Iran-Krieg zeigt eindrücklich, wie Krisen die Pläne der Airlines durchkreuzen. Neue Routen entstehen, Lufträume schliessen, Korridore verengen sich, Kerosin wird teurer. Die Fluggesellschaften stehen unter Dauerstress. «Allein 2024, zwei Jahre nach Ausbruch der Krisen im Nahen Osten, richteten wir 55 Krisenstäbe ein – mehr als einen pro Woche», sagt Buchhofer. Und das dürfte so bleiben.
Um die Sicherheit der Crews und Passagiere zu gewährleisten, sammeln Spezialisten rund um die Uhr sicherheitsrelevante Informationen. «Unsere Spezialisten prüfen die Lage weltweit – gemeinsam mit der Lufthansa-Gruppe und innerhalb der Schweiz», erklärt Buchhofer.
Aber: Wer warnt Airlines eigentlich vor Gefahren? «Wir nutzen öffentliche Quellen, etwa Nachrichtenagenturen, aber auch Informationen von Behörden und Nachrichtendiensten.» So reagierte die Swiss offenbar auf Hinweise des israelischen Geheimdienstes, als sie ihre Flüge nach Tel Aviv einstellte.
Die Spezialisten greifen laut Buchhofer auf zahlreiche vertrauliche Quellen zu. Ändert sich die Lage in der Luft, informiert das Operations Center die Crew sofort – per Kurznachricht über das bordeigene Kommunikationssystem oder über das Satellitentelefon.
Fest steht: Der Iran-Krieg macht das Fliegen teurer und komplizierter. Wann und wie sich der Luftverkehr normalisiert, bleibt ungewiss.