Das ist geplant: Das Weltraumunternehmen SpaceX von Elon Musk will im nächsten Monat an die Börse gehen. Geld verdient die Firma momentan vor allem mit dem satellitenbetriebenen Internetdienst Starlink, sowie mit Frachtflügen ins Weltall. Ausserdem gehört die KI-Sparte xAI zum Unternehmen, mitsamt dem Sozialen Netzwerk X. SpaceX soll an der Nasdaq gehandelt werden, einer technikorientierten US-Börse.
Das sind die Erwartungen: Beobachterinnen und Beobachter sprechen von nicht weniger als dem grössten Börsengang der Geschichte. SpaceX will an einem einzigen Tag Aktien im Wert von rund 75 Milliarden US-Dollar verkaufen. Damit strebt das Unternehmen insgesamt eine Bewertung von 1.75 Billionen US-Dollar an. Und das, obwohl SpaceX momentan ein Verlustgeschäft betreibt. Im letzten Jahr belief sich das Minus auf 5 Milliarden Dollar.
Neue Börsenregeln: Der US-Index Nasdaq hat auf 1. Mai die Regeln für einen Börsengang geändert: SpaceX wird damit leichter in den begehrten Nasdaq-100-Index aufgenommen – so etwa wie die «Champions League» für Tech-Papiere. Der sich anbahnende, spektakuläre Börsengang von SpaceX dürfte eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zudem winken in den nächsten Monaten mögliche Börsengänge von den KI-Riesen OpenAI und Anthropic. In den USA konkurrieren zwei Firmen mit ihren jeweiligen Börsen um solche Unternehmen, Nasdaq und die New York Stock Exchange. «Die Nasdaq hat die Regeln gelockert und den roten Teppich ausgerollt, damit sich SpaceX für die Nasdaq entscheidet», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Manuel Rentsch.
Das hat sich konkret geändert: Vor der Regeländerung hätte die Aufnahme in den Nasdaq-100-Index Monate gedauert, SpaceX soll neu schon nach drei Wochen auf dem Index erscheinen. Zudem will SpaceX nur vier bis fünf Prozent seiner Aktien auf den Markt bringen – nach dem alten Regelwerk hätten es zehn Prozent sein müssen, um im Index aufgenommen zu werden. Elon Musk und andere Grossinvestoren halten weiter rund 95 Prozent des Unternehmens.
Das sind die Folgen für Kleinanlegerinnen: Weil SpaceX bald auf dem Nasdaq-100 landen wird, werden indexorientierte Fonds in SpaceX investieren – ob sie wollen oder nicht. Viele Fonds wie etwa Pensionskassen – gefüllt mit dem Geld von Kleinanlegerinnen – folgen dem Nasdaq-100. Gleiches gilt für ETFs, also eine Geldanlage, die einen ganzen Index oder Markt abbildet. Das heisst: Kleinanlegerinnen, die ihr Geld in solche ETFs stecken, werden indirekt auch SpaceX-Anteile halten und das Risiko mittragen. Dem Kurs von SpaceX dürfte das einen Boost verleihen. Wer hingegen nicht in SpaceX investieren will, dem bleibt nichts anderes übrig, als die entsprechenden ETFs zu verkaufen.
Geringe Mitsprache für Kleinanleger: Kritik – zum Beispiel von US-Pensionskassen und Finanzmarktanalystinnen – gilt auch der sogenannten «Corporate Governance» von SpaceX, also dem Regelwerk, nach dem das Unternehmen geführt wird. Das Raumfahrtunternehmen soll nämlich, auch nach dem Börsengang, auf Firmenchef Elon Musk zugeschnitten bleiben. Beim Autokonzern Tesla beschwert sich Musk, dass ihm die Aktionäre in die Quere kämen. Daraus hat er offenbar Konsequenzen gezogen. SpaceX verkauft zwei Klassen von Aktien: solche mit hohem und solche mit tiefem Stimmrecht. Konkret halten Grossinvestoren und Firmenchef Elon Musk Papiere mit zehnfachem Stimmrecht. Die Kleinanleger fallen so kaum ins Gewicht.