- Die US-Notenbank Fed hat ihre Leitzinsen wie erwartet zum vierten Mal in Folge nicht verändert.
- Die Zinsspanne verharrt bei 3.5 bis 3.75 Prozent, wie die Fed in Washington bekanntgab.
- Damit bleibt der Leitzins in den USA seit dem vergangenen Dezember unverändert.
- Es ist der erste Zinsentscheid unter dem neuen Chef Kevin Warsh, nachdem er die Geldpolitik der USA von Jerome Powell übernommen hat.
Der Zinsentscheid dürfte vor allem US-Präsident Donald Trump ärgern, der mit dem Einzug seines Kandidaten Kevin Warsh auf etwas anderes gehofft hatte. Wegen der Energiekrise und Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs rührt die US-Notenbank Federal Reserve ein weiteres Mal den Leitzins nicht an. Der Zentralbankrat stimmte geschlossen für eine erneute Zinspause. Nicht einmal der neue Fed-Chef Warsh wollte in seiner ersten Sitzung die von Trump geforderten Zinssenkungen durchsetzen.
2025 hatte die Fed aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins dreimal um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei den bisherigen drei Sitzungen im laufenden Jahr legte sie dann Pausen ein. Angesichts der unsicheren Weltlage bei zugleich erhöhter Inflation rücken Zinssenkungen in weite Ferne – stattdessen scheint eine straffere Geldpolitik im Jahresverlauf wahrscheinlicher, um die Inflation in den Griff zu bekommen.
Energiekrise und starker Arbeitsmarkt
Grund dafür sind die Folgen des Iran-Kriegs und die Blockaden in der Strasse von Hormus, durch die das weltweite Energieangebot deutlich eingeschränkt wurde. Entsprechend müssen Firmen derzeit viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Das belegen auch die Mai-Zahlen in der grössten Volkswirtschaft: Für Energie musste 23,5 Prozent mehr gezahlt werden als vor einem Jahr. Besonders stark war der Anstieg der Benzinpreise. Der Kraftstoff hat sich etwa 40 Prozent verteuert.
Zudem war die Zahl der Beschäftigten in den USA im Mai überraschend um 172'000 gestiegen – fast doppelt so stark wie von Experten erwartet. Das lässt Zinssenkungen in weite Ferne rücken und stattdessen, wenn auch unwahrscheinlich, werden Zinserhöhungen wieder ein Thema werden.
Angst vor politischer Einflussnahme
Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Fed das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden. Zuletzt lag die Inflation in den USA bei 4,2 Prozent und damit weit über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent.
Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich objektiven Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden. Trump dürfte genauestens darauf achten, wie sich sein Kandidat positioniert.
Auch die Europäische Zentralbank hatte jüngst ihre Zinsen wegen Inflationssorgen erstmals seit 2023 angehoben. Sie hob den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an, um sich so gegen den Inflationsschub mit dem Iran-Krieg zu stemmen.