Entscheidet die US-Notenbank Fed über den Leitzins oder gibt es gar einen Wechsel an der Spitze, schaut die Welt hin. So auch jetzt: Der scheidende Fed-Chef Jerome Powell hat in seiner letzten Amtshandlung den Leitzins nicht verändert und einmal mehr die Unabhängigkeit der Bank betont. Wirtschaftsredaktor Jan Baumann sagt, wie viel Einfluss die Fed hat, auch auf die Schweiz.
Warum ist die US-Notenbank Fed mächtiger als andere Notenbanken?
Weil die USA die wichtigste Volkswirtschaft der Welt sind: Was in den USA passiert, ist weltweit wichtig für die Wirtschaft. Der Dollar ist auch wichtig als Leitwährung der Welt: Sehr vieles wird in Dollar gerechnet, etwa die Preise von Öl, von Rohstoffen aller Art. Viele Wirtschaftsräume orientieren sich am Dollar. Der Dollarraum reicht bis nach Asien.
Welchen Einfluss hat die Fed auf Länder wie die Schweiz?
Vieles ist gekoppelt an den Dollar, darum ist er so bedeutsam. Weltweit sind Notenbanken in gewisser Weise abhängig davon, wie die Fed den Dollar beeinflusst. Sinkt der Dollarkurs und verlieren die Dollarreserven an Wert, spüren das auch Notenbanken, die diese Dollars halten. Es beeinflusst etwa die Geldpolitik der Schweizer Nationalbank, weil sich der Wechselkurs des Dollars gegenüber dem Franken verändert.
Wie es in den USA läuft, ist etwa für die Schweizer Pharma- oder Uhrenindustrie wichtig. Das bestimmt letztlich stark, wie es der Schweizer Wirtschaft geht. Wesentlich ist auch, was in der Eurozone passiert. Aber die USA bestimmen gewissermassen das Wirtschaftsklima in der Schweiz mit.
Was passiert, wenn die US-Notenbank den Leitzins verändert?
Senkt sie den Leitzins, werden Kredite günstiger – etwa für ein Haus oder andere Investitionen. Das kurbelt die Wirtschaft an und fördert die Konjunktur, das wiederum heizt die Beschäftigung an. Der Wirtschaftsmotor wird beschleunigt, wenn die Zinsen sinken.
Umgekehrt verlangsamen höhere Zinsen den Wirtschaftsmotor. Man kann sich vorstellen, dass das politisch wichtig ist für die US-Regierung. Will sie wiedergewählt werden, braucht sie eine gute Beschäftigungslage, eine brummende Konjunktur.
Stark vereinfacht heisst das: Steigen die Zinsen, dämpft es die Inflation und somit die Entwertung des Geldes. Es dämpft aber auch die Wirtschaft. Inflation zu bremsen, ist gut. Wirtschaft zu bremsen, ist unangenehm. Bei einem Leitzinsentscheid wird also auch immer die wirtschaftliche Lage abgewogen.
Wie wichtig ist die Unabhängigkeit der Fed?
Wenn die Fed von etwas anderem als der ökonomischen Vernunft kontrolliert wird, kommt dabei wahrscheinlich nicht das Optimale heraus. Ist eine Notenbank nicht unabhängig, kann sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet, beeinflusst dann etwa der US-Präsident die Zinspolitik der Notenbank, statt dass die Fed für stabile Preise sorgt.
Wie viel Macht hat der Chef der US-Notenbank?
Der Chef oder die Chefin entscheidet nicht allein, gibt aber den Ton an. Das Präsidium begründet seine Geldpolitik öffentlich und muss glaubwürdig sein. Lässt es sich beeinflussen, etwa von der Regierung, führt das zu einem Vertrauensverlust. Das wäre das Worst-Case-Szenario: Wird der mächtigen US-Notenbank nicht mehr vertraut, wird es schwierig. Unsicherheit ist gar nicht gut für die Wirtschaft. Man stelle sich vor, das Präsidium würde besetzt von jemandem, der einfach macht, was US-Präsident Donald Trump sich wünscht. Zugespitzt formuliert: Dann kann man die Notenbank genauso gut auch abschaffen.