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Arbeitsmarkt vor Umwälzungen Putzkräfte sind sicherer als Softwareentwickler

Wenn Arbeitsökonom Michael Siegenthaler in seine Zahlen schaut, sieht er bereits jetzt Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt durch künstliche Intelligenz. Er sagt, KI werde jüngere Arbeitssuchende mehr treffen als erfahrene Arbeitnehmer. Und gefragt werden vor allem jene Jobs sein, für die es keinen Hochschulabschluss braucht.

Michael Siegenthaler

Dozent KOF-Institut, ETH Zürich

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Michael Siegenthaler ist Dozent am Departement Management, Technologie und Ökonomie des KOF-Instituts der ETH Zürich. Er forscht in erster Linie zum Schweizer Arbeitsmarkt.

SRF News: Welche Berufe sind besonders von der künstlichen Intelligenz betroffen?

Michael Siegenthaler: Künstliche Intelligenz – oder generative KI – kann gut schreiben, programmieren, klassieren und recherchieren. Entsprechend ist man stark betroffen, wenn man in Berufen arbeitet, in denen solche Tätigkeiten wichtig sind, also beispielsweise als Softwareentwicklerin oder als Webdesignerin, als Journalistin oder vielleicht auch als Callcenteragent.

Welche Berufe sind nicht von der künstlichen Intelligenz betroffen?

Weniger stark betroffen sind Berufe, in denen Computerarbeit einen kleinen Anteil der Aufgaben ausmacht. Dazu gehören etwa Berufe in der Reinigung, im Gastgewerbe, im Bau, auch viele Industrieberufe, manuelle Tätigkeiten und Handwerkstätigkeiten.

Ältere üben oft Tätigkeiten aus, die KI nicht so stark ersetzt.

Sind Jüngere oder Ältere mehr betroffen?

Grundsätzlich sind von Strukturwandel immer die betroffen, die auf Arbeitssuche sind, die sich neu orientieren müssen. Strukturwandel äussert sich in einem Rückgang der offenen Stellen. Deswegen sind Jüngere stärker betroffen: Sie sind öfter auf Stellensuche. Hinzu kommt, dass die Technologie wahrscheinlich Leute mit Berufserfahrung eher komplementiert. Zudem ersetzt sie eher Personen ohne Berufserfahrung. Ihre Tätigkeiten werden von der KI übernommen.

Mann putzt Scheibe, im Hintergrund UBS-Logo
Legende: Sind in der Zukunft Menschen gefragter, die Büros reinigen als jene, die in denselben Büros am PC arbeiten? Keystone / MICHAEL BUHOLZER

Ältere Arbeitnehmende können aber auch weniger flexibel und weniger technologieaffin sein. Hat das auch einen Einfluss?

Ältere Arbeitskräfte sind von der Technologie auch betroffen. Wir sehen auch bei ihnen einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten und Jahren. Aber sie üben oft Tätigkeiten im Unternehmen aus, die KI nicht so stark ersetzt. Das sind unter anderem Managementfunktionen, auch Führungsaufgaben innerhalb des Unternehmens, soziale Aufgaben oder Kommunikations- oder Überprüfungsaufgaben, die viel Erfahrung brauchen. Und all das kann KI bis jetzt nicht sehr gut.

Insgesamt macht die KI maximal ein Fünftel des Anstiegs der Arbeitslosigkeit der letzten drei Jahre aus.

Wenn man die Zahlen als Ganzes betrachtet: Inwiefern hat die künstliche Intelligenz einen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit?

Der Einfluss der KI sollte nicht überschätzt werden. Er betrifft momentan einige stark exponierte Berufe wie die Softwareentwicklung oder Fachkräfte in Marketing und Kommunikation. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in diesen Bereichen ist klar über dem, was aufgrund von Branchentrends und der Konjunktur zu erwarten wäre. Insgesamt macht die KI maximal ein Fünftel des Anstiegs der Arbeitslosigkeit der letzten drei Jahre aus.

Wenn wir in die Zukunft schauen: Welchen Einfluss könnte die KI auf den Arbeitsmarkt haben?

Das ist die grosse Frage. Wir wissen es schlicht nicht. Es könnte so sein wie in den letzten 50 Jahren, in denen die Digitalisierung zwar den Arbeitsmarkt auch verändert hat, aber es nicht zu Arbeitslosigkeit und gebremstem Stellenwachstum kam. Das könnte dieses Mal anders sein. KI kann Computer autonom bedienen. Wir haben Roboter, die situativ Arbeiten ausführen können. Dadurch werden viele Stellen der Digitalisierung ausgesetzt.

Mehr dazu in «10 vor 10»

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Sendelogo der «10vor10»-Serie zu Hochhäusern

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Tagesschau kompakt, 7.5.2026, 12:45 Uhr ; 

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