Die Partners Group sammelt Geld von Pensionskassen, Versicherungen und vermögenden Privatanlegern ein. Dieses Kapital investiert das Unternehmen nicht an der Börse, sondern direkt in Firmen, Windparks, Rechenzentren oder andere Infrastrukturprojekte. Statt Aktien zu kaufen, übernimmt die Zuger Firma ganze Unternehmen oder beteiligt sich massgeblich daran. Ziel ist es, den Wert der Unternehmen zu steigern und sie später mit Gewinn wieder zu verkaufen.
Daneben vergibt Partners Group auch Kredite an Unternehmen. Verdient wird an den verwalteten Vermögen und am Erfolg der Investitionen. Das Geschäft mit diesen sogenannten Private Markets boomt – und zählt heute zu den am schnellsten wachsenden Bereichen der globalen Finanzindustrie.
Was sind Evergreen-Fonds?
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Klassische Private-Equity-Fonds haben eine feste Laufzeit von meist zehn bis zwölf Jahren. Anleger investieren einmalig und erhalten ihr Geld erst nach dem Verkauf der Beteiligungen zurück.
Evergreen-Fonds funktionieren anders: Anleger können laufend ein- und – grundsätzlich – auch wieder aussteigen. Weil das Geld aber in illiquiden Anlagen wie Unternehmen oder diversen Projekten steckt, sind Rücknahmen begrenzt. Wollen zu viele Anleger gleichzeitig ihr Geld zurück, können Auszahlungen vorübergehend limitiert oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Genau das ist bei Partners Group zuletzt geschehen. Solche Rücknahmebeschränkungen sind kein Ausnahmefall, sondern ein fester Bestandteil des Produkts, und sie sollen verhindern, dass Vermögenswerte unter Zeitdruck verkauft werden müssen.
Was war das Problem bei Partners Group?
Erstens wollten ungewöhnlich viele Anleger Geld aus den sogenannten Evergreen-Fonds zurückziehen. Weil Partners Group vor allem in schwer verkäufliche Anlagen investiert, musste das Unternehmen die Rücknahmen teilweise begrenzen. Zweitens veröffentlichte der US-Shortseller Grizzly Research einen Bericht, in dem er Partners Group vorwirft, einzelne Beteiligungen zu hoch zu bewerten. Das Unternehmen weist die Anschuldigungen zurück und spricht von einem «irreführenden Bericht». Im Kern geht es um eine zentrale Frage der Private-Markets-Branche: Wie viel sind Unternehmen wert, die nicht an der Börse gehandelt werden?
Das sagt Siegfried Eggert von Grizzly Reasearch
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Siegfried Eggert, Gründer von Grizzly Research, hält im Gespräch mit Radio SRF an seinen Vorwürfen fest. Sein zentraler Kritikpunkt: Partners Group bewerte einen Teil ihrer Beteiligungen zu hoch. Man habe nicht nur einzelne Fälle untersucht, sondern das Portfolio systematisch analysiert.
«Wir haben versucht, die einzelnen Unternehmen in den Fonds so gut wie möglich zu identifizieren und zu einer eigenen Bewertung zu gelangen», sagt Eggert.
Die Auswertung zeige bei mehreren Beteiligungen ähnliche Muster. Als prominentestes Beispiel nennt Eggert die Uhrenmarke Breitling – eine der grössten Beteiligungen von Partners Group. Gleichzeitig macht er transparent, dass Grizzly als Shortseller ein eigenes finanzielles Interesse verfolgt: «Wir möchten von vornherein sagen, dass wir ein wirtschaftliches Interesse haben.»
Der Bericht ist deshalb nicht als neutrale Analyse zu verstehen, sondern als Einschätzung eines Marktteilnehmers, der auf fallende Kurse setzt. Eggert sieht das Problem allerdings nicht nur bei Partners Group. Aus seiner Sicht schafft das Geschäftsmodell der gesamten Private-Equity-Branche Anreize, Beteiligungen eher optimistisch zu bewerten.
Was ist Grizzly Research für eine Firma?
Grizzly Research ist eine US-Investmentfirma, ein sogenannter Shortseller. Diese suchen Unternehmen, die ihrer Ansicht nach überbewertet sind oder Schwächen aufweisen, veröffentlichen kritische Berichte und wetten gleichzeitig auf fallende Aktienkurse. Das Unternehmen versteht sich als Aufdecker von Missständen. Kritiker hingegen werfen Grizzly vor, mit scharf formulierten Berichten gezielt Druck auf Aktien auszuüben, um von sinkenden Kursen zu profitieren.
Das sagt der Bankenanalyst
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Für Vontobel-Analyst Andreas Venditti steht derzeit nicht die Bewertung einzelner Beteiligungen im Zentrum, sondern eine andere Frage: Fliessen der Partners Group weiterhin genügend Kundengelder zu? «Die hohen Rücknahmen aus den Evergreen-Fonds sind bekannt und dürften vorerst erhöht bleiben», sagt er im Gespräch mit Radio SRF.
Entscheidend sei deshalb, ob das Unternehmen den Abfluss mit frischem Kapital kompensieren könne. Genau hier zeigte sich Partners Group zuletzt optimistisch – und die Zahlen geben ihr recht: Im ersten Halbjahr sammelte der Vermögensverwalter 16 Milliarden Dollar neues Kundengeld ein, so viel wie noch nie.
Zu den Vorwürfen von Grizzly Research sagt Venditti: «In einem Fonds mit über 900 Beteiligungen sind einzelne Fehlbewertungen normal.» Anders als börsenkotierte Aktien werden private Unternehmen nicht laufend am Markt bewertet, sondern in regelmässigen Abständen. Partners Group überprüft ihre Bewertungen monatlich – und damit häufiger als viele Konkurrenten.
Auch langfristig bleibt Venditti zuversichtlich. Er traut Partners Group zu, wieder an die früheren Wachstumsraten anzuknüpfen. Das Geschäftsmodell mit EBITDA-Margen von rund 63 Prozent sei nach wie vor aussergewöhnlich profitabel.
Wo liegen die Risiken im Private-Equity-Markt?
Wer eine UBS-Aktie kauft, sieht jederzeit, was sie an der Börse wert ist. Kauft ein Fonds hingegen einen Windpark, ein Rechenzentrum oder einen Maschinenbauer, muss der Wert berechnet werden. Dafür gibt es anerkannte Bewertungsmodelle – doch sie beruhen auf Annahmen und lassen Spielraum für unterschiedliche Einschätzungen. Und: Solche Anlagen lassen sich nicht einfach verkaufen. Ein Windpark oder ein Unternehmen kann nicht innert Sekunden zu Geld gemacht werden, wie eine Aktie an der Börse. Wenn viele Anleger gleichzeitig Kapital zurückfordern, entsteht ein Problem: Die Investoren wollen ihr Geld zurück, doch die Anlagen lassen sich nicht kurzfristig verkaufen.
Wie gross ist der Markt?
Private Markets gehören zu den am schnellsten wachsenden Bereichen der Finanzwelt. Weltweit werden heute rund 15 Billionen Dollar in nicht börsennotierten Anlagen verwaltet – vor zehn Jahren waren es erst gut 6 Billionen. Davon entfallen rund 9.5 Billionen auf Private Equity, 3.5 Billionen auf Immobilien und Infrastruktur sowie 1.6 Billionen auf Private Credit. Bis 2028 könnte der Markt laut Schätzungen auf 18 Billionen Dollar anwachsen. Gründe sind die jahrelangen Tiefzinsen, strengere Bankenregeln und die Tatsache, dass viele Unternehmen heute länger privat bleiben.