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Der Weltraum als Geschäftsfeld Schweizer Tech-Firmen profitieren vom Rummel um SpaceX

Der Börsengang der US-Firma SpaceX richtet den Fokus auf den Weltraum. Davon profitieren auch Schweizer Unternehmen, die schon lange im Raumfahrtsektor tätig sind.

Dutzende Schweizer Firmen sind heute im Weltraumsektor tätig: In Emmen im Kanton Luzern produziert Beyond Gravity riesige Schutzverkleidungen für Raketen, in Aigle VD stellt APCO Technologies ultraleichte Konstruktionen für Satelliten her und in Sachseln OW baut Maxon Motor Elektromotoren für Marsfahrzeuge. In der Regel dürfen die Firmen nicht bekannt geben, dass sie für SpaceX tätig sind. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass etliche Firmen Zulieferer für die Weltraumfirma von Elon Musk sind.

Rover auf Marsoberfläche mit felsiger Landschaft im Hintergrund.
Legende: Der Mars-Robotor «Perseverance» wird mit Elektromotoren der Firma Maxon Motor angetrieben. Das Fahrzeug ist seit 2021 auf dem Mars unterwegs und sammelt Daten, Bodenproben und Bilder. ZVG / NASA

Insgesamt dürften Firmen in der Schweiz pro Jahr rund eine halbe Milliarde Franken Umsatz im Raumfahrtsektor erwirtschaften, so die Schätzung der Swiss Space Industries Group. Das ist ein Zusammenschluss von Schweizer Unternehmen aus diesem Bereich. Tendenz: stark steigend.

Attraktives Schweizer Raumfahrtmilieu

Viele der Unternehmen sind oft schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten im Bereich der Raumfahrt tätig. Hinzu kommen zahllose Forschungsprojekte, beispielsweise der Universität Bern, der EPFL Lausanne oder der ETH Zürich. Genau dieses Umfeld macht die Schweiz attraktiv für neue Unternehmen im Weltraumsektor.

Das «New Space Race»

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Häufig ist in Zusammenhang mit neuen Raumfahrtprojekten die Rede vom «New Space Race». Im Gegensatz zu den Anfängen der Raumfahrt, als sich die USA und die Sowjetunion ein Wettrennen zum Mond lieferten, sind heute sehr viel mehr Akteure aktiv: Inzwischen haben Dutzende von Staaten umfassende Weltraumprogramme. Namentlich China hat sehr ambitionierte Pläne und möchte – wie die USA – ebenfalls auf den Mond. Doch neu ist, dass mittlerweile auch unzählige private Firmen das Weltall als wirtschaftliches Tätigkeitsfeld betrachten. Dazu gehören etwa die Raketenunternehmen Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos oder Isar Aerospace aus Deutschland.

So hat die US-amerikanische Firma Axiom Space Anfang Juni angekündigt, in Luzern ihren Europasitz aufzubauen, bestehend aus einem Büro und einer Forschungsabteilung. Die Firma plant eine kommerzielle Weltraumstation im All. Sie soll die bestehende Internationale Weltraumstation ISS ablösen.

Raumstation im All über der Erde schwebend.
Legende: Die internationale Weltraumstation ISS kommt um das Jahr 2030 an ihr Lebensende und soll durch eine neue Station von Axiom-Space (im Bild) abgelöst werden. Der Zeitplan ist ehrgeizig: 2028 soll das erste Modul ins Weltall gebracht werden, ab September 2029 sollen bereits vier Astronauten vor Ort arbeiten können. ZVG / Axiom Space

Jonathan Cirtain, der Chef von Axiom Space, begründet die Standortwahl gegenüber SRF folgendermassen: «Die Schweiz hat einfach ein sehr innovatives Umfeld.» Innerhalb kürzester Zeit habe man Zugang zu verschiedenen Unternehmen und Hochschulen, etwa wenn es um konkrete Forschungsprojekte für die neue Weltraumstation oder um Materialforschung gehe. Zudem sei eine solche Umgebung ein grosser Talentpool, betont Cirtain.

Zusammengebaut wird die Station allerdings nicht in der Schweiz, sondern in Turin durch den französischen Raumfahrtkonzern Thales.

An SpaceX gibt es (fast) kein Vorbeikommen

Ins Weltall gebracht werden die einzelnen Module von Axiom Space mit Raketen von SpaceX. Damit zeigt sich exemplarisch, welche Rolle die Firma im Geschäft rund ums Weltall hat: Aktuell ist es faktisch nur mit SpaceX möglich, ins Weltall zu gelangen, da Alternativen spärlich sind. Russische Raketen sind aus politischen Gründen tabu, die europäische Ariane-6-Rakete ist vergleichsweise teuer und fliegt selten.

Die Transportkosten sind entscheidend

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Raketenteil landet auf einer schwimmenden Plattform im Meer.
Legende: Die grosse Neuerung von SpaceX: Die Raketen kehren auf die Erde zurück und können mehrfach verwendet werden. Keystone

Mit den Raketen von SpaceX sind die Kosten, um ins All zu gelangen, massiv gesunken. In den 1980er-Jahren kostete ein Kilogramm in einer Rakete gut 60’000 Dollar. Inzwischen seien die Kosten auf unter 2'000 Dollar gefallen, schreibt SpaceX im aktuellen Börsenprospekt. Zu dieser Kostenreduktion haben unter anderem wiederverwendbare Raketen beigetragen.

Diese Preisentwicklung hat dazu geführt, dass der Transport von Waren ins Weltall erschwinglicher geworden ist. Das ermöglicht es nun, dass viele Unternehmen und Forschungsinstitutionen eigene Satelliten ins All bringen können: für Forschungszwecke oder zur kommerziellen Nutzung (z.B. für Datenanalysen mittels Satellitenbildern). Gleichzeitig sind auch die Kosten für die Weltraumtechnik aufgrund der grösseren Mengen gesunken.

Für Jonathan Cirtain hat der Börsengang von SpaceX deshalb für die ganze Branche Signalwirkung: «Die Weltraumwirtschaft beginnt sich nun tatsächlich zu etablieren.» Diesen Rückenwind spürt auch Axiom Space selbst. Soeben hat die Firma eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei gut 525 Millionen Dollar eingenommen. Deutlich mehr als die angestrebten 350 Millionen Dollar.

Kritische Stimmen halten die Goldgräberstimmung rund um den Weltraumsektor allerdings für übertrieben. Dazu meint der Axiom-Chef: «Wenn man versucht, mutige Dinge zu tun, hat man sowohl Kritiker als auch Befürworter. Und ich denke, genau das erleben wir gerade.» Klar ist hingegen ein Umstand: Wenn das Geschäft mit dem Weltraum weiter an Fahrt aufnimmt, ist die Schweiz vorne mit dabei.

Echo der Zeit, 12.06.2026, 18:00 Uhr

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