Dutzende Schweizer Firmen sind heute im Weltraumsektor tätig: In Emmen im Kanton Luzern produziert Beyond Gravity riesige Schutzverkleidungen für Raketen, in Aigle VD stellt APCO Technologies ultraleichte Konstruktionen für Satelliten her und in Sachseln OW baut Maxon Motor Elektromotoren für Marsfahrzeuge. In der Regel dürfen die Firmen nicht bekannt geben, dass sie für SpaceX tätig sind. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass etliche Firmen Zulieferer für die Weltraumfirma von Elon Musk sind.
Insgesamt dürften Firmen in der Schweiz pro Jahr rund eine halbe Milliarde Franken Umsatz im Raumfahrtsektor erwirtschaften, so die Schätzung der Swiss Space Industries Group. Das ist ein Zusammenschluss von Schweizer Unternehmen aus diesem Bereich. Tendenz: stark steigend.
Attraktives Schweizer Raumfahrtmilieu
Viele der Unternehmen sind oft schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten im Bereich der Raumfahrt tätig. Hinzu kommen zahllose Forschungsprojekte, beispielsweise der Universität Bern, der EPFL Lausanne oder der ETH Zürich. Genau dieses Umfeld macht die Schweiz attraktiv für neue Unternehmen im Weltraumsektor.
So hat die US-amerikanische Firma Axiom Space Anfang Juni angekündigt, in Luzern ihren Europasitz aufzubauen, bestehend aus einem Büro und einer Forschungsabteilung. Die Firma plant eine kommerzielle Weltraumstation im All. Sie soll die bestehende Internationale Weltraumstation ISS ablösen.
Jonathan Cirtain, der Chef von Axiom Space, begründet die Standortwahl gegenüber SRF folgendermassen: «Die Schweiz hat einfach ein sehr innovatives Umfeld.» Innerhalb kürzester Zeit habe man Zugang zu verschiedenen Unternehmen und Hochschulen, etwa wenn es um konkrete Forschungsprojekte für die neue Weltraumstation oder um Materialforschung gehe. Zudem sei eine solche Umgebung ein grosser Talentpool, betont Cirtain.
Zusammengebaut wird die Station allerdings nicht in der Schweiz, sondern in Turin durch den französischen Raumfahrtkonzern Thales.
An SpaceX gibt es (fast) kein Vorbeikommen
Ins Weltall gebracht werden die einzelnen Module von Axiom Space mit Raketen von SpaceX. Damit zeigt sich exemplarisch, welche Rolle die Firma im Geschäft rund ums Weltall hat: Aktuell ist es faktisch nur mit SpaceX möglich, ins Weltall zu gelangen, da Alternativen spärlich sind. Russische Raketen sind aus politischen Gründen tabu, die europäische Ariane-6-Rakete ist vergleichsweise teuer und fliegt selten.
Für Jonathan Cirtain hat der Börsengang von SpaceX deshalb für die ganze Branche Signalwirkung: «Die Weltraumwirtschaft beginnt sich nun tatsächlich zu etablieren.» Diesen Rückenwind spürt auch Axiom Space selbst. Soeben hat die Firma eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei gut 525 Millionen Dollar eingenommen. Deutlich mehr als die angestrebten 350 Millionen Dollar.
Kritische Stimmen halten die Goldgräberstimmung rund um den Weltraumsektor allerdings für übertrieben. Dazu meint der Axiom-Chef: «Wenn man versucht, mutige Dinge zu tun, hat man sowohl Kritiker als auch Befürworter. Und ich denke, genau das erleben wir gerade.» Klar ist hingegen ein Umstand: Wenn das Geschäft mit dem Weltraum weiter an Fahrt aufnimmt, ist die Schweiz vorne mit dabei.