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Detailhandel im Wandel Diese Kultmarken gibt es heute nicht mehr

Waro, Franz Carl Weber, Pick Pay: Die Name verschwundener Schweizer Kultmarken ist lang. Ein Blick zurück.

Ex Libris schliesst sämtliche 15 verbleibenden Filialen. Die Nachricht ist nur das jüngste Kapitel einer Entwicklung, die den Schweizer Detailhandel in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend verändert hat. In den letzten Jahren verabschiedeten sich schon andere bekannte Marken:

Franz Carl Weber (1887 bis 2024)

Der Name war einst Synonym für Spielzeug. In der Nachkriegszeit erlebte FCW eine Blütezeit. 2024 wurde bekannt, dass die deutsche Drogeriekette Müller das Schweizer Traditionsunternehmen übernommen hat, in der Folge verschwanden viele der FCW-Filialen.

Jelmoli (1900 bis 2025)

Über ein Jahrhundert lang war das Warenhaus Jelmoli eine Institution an der Zürcher Bahnhofstrasse. Es gab weitere Filialen in der ganzen Schweiz, doch die Eigentümergesellschaft schloss diese Schritt für Schritt, um sich auf das Immobiliengeschäft zu konzentrieren. Ende 2025 war dann auch für den Shopping-Tempel in der Zürcher Innenstadt Schluss.

Menschen vor dem Jelmoli-Gebäude mit Schriftzug.
Legende: Zu den besten Zeiten waren die Jelmoli-Liegenschaften eine Goldgrube: Im Jahr 2007 verkaufte die damalige Jelmoli Holding ihr Liegenschaftenportfolio zu einem Preis von 3.4 Milliarden Franken. (Bild: Filiale an der Zürcher Bahnhofstrasse 2007) KEYSTONE/Steffen Schmidt

Charles Vögele (1955 bis 2017)

Das Modeunternehmen expandierte einst sogar ins Ausland, unter anderem in die Niederlande. Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde die Kette 2016 von der italienischen OVS übernommen. Das Experiment dauerte nicht lange: 2017 schlossen die letzten Filialen. Die Schuhsparte, Vögele Shoes, existierte noch bis 2022, bevor auch sie ihren Betrieb einstellte.

Frau auf Rolltreppe vor Charles Vögele Plakat.
Legende: In seiner Blütezeit war Charles Vögele eine feste Grösse im europäischen Modehandel – mit Ablegern in mehreren europäischen Ländern. Mit dem Aufkommen von Fast-Fashion-Ketten wie H&M oder Zara geriet das Unternehmen aber zunehmend unter Druck. KEYSTONE/Alessandro Della Bella

EPA (1930 bis 2005)

Der Name stammte von der «Einheitspreis AG» und sollte Programm sein: Hier gab es eine Vielfalt an verschiedenen Waren zu günstigen Preisen. 2001 übernahm Coop das Unternehmen schrittweise. 2005 verschwand der markante Schriftzug endgültig aus dem Stadtbild der Schweizer Städte.

Arbeiter auf Hebebühne installiert Geschäftsschild an Gebäude.
Legende: Am 2. August 2005 wurde das letzte Logo des bereits geschlossenen EPA-Kaufhauses in La-Chaux-de-Fonds abmontiert. KEYSTONE/Edouard Rieben

ABM (1956 bis 2004)

«Au Bon Marché» (dt. «der gute Markt») – auch hier sollte es günstig sein. Die ABM-Gruppe gehörte zur Globus Gruppe und betrieb einst mehrere Dutzend Filialen in der ganzen Schweiz. 2004 war dann Schluss.

Rote ABM-Leuchtreklame auf Gebäude.
Legende: Diese drei Buchstaben prägten einst das Stadbild vielerorts. (Im Bild: Filiale am Zürcher Bürkliplatz 21.05.1997) KEYSTONE/Michele Limina

Schild (1922 bis 2019)

Einst in Luzern gegründet, betrieb das Schweizer Modeunternehmen bis 2019 Filialen in der ganzen Schweiz. Dann integrierte der Eigentümer Globus sämtliche Schild- und Herren-Globus-Filialen in bestehende Globus-Standorte.

Eingang eines Bekleidungsgeschäfts mit Schaufenster und Passanten.
Legende: In den 2010er-Jahren waren sie nur noch an vereinzelten Standorten – wie hier in Zürich zu finden: Doch einst gabs die Kleider von Schild fast überall (Bild: 2014) KEYSTONE/Christian Beutler

Waro (1969 bis 2003)

Mit ihren riesigen Einkaufstempeln versetzte die Waro in den 1970er-Jahren viele Schweizerinnen und Schweizer in Staunen. 2002 kaufte Coop Waro und baute die Filialen schrittweise zu Coop Megastores, Bau & Hobby Center oder Möbelhäusern Toptip um.

Aussenansicht eines Supermarktes mit Eingang und Personen.
Legende: Nostalgisch kann auch werden, wer sich noch an die charakteristischen gelb-grünen Schriftzüge erinnert. (Aufnahme: Wil SG, 1999) KEYSTONE/Walter Bieri

Pick Pay (1968 bis 2005)

Was heute selbstverständlich ist, galt Ende der 1960er‑Jahre als kleine Revolution: Kundinnen und Kunden konnten ihre Waren selbst auswählen und direkt zur Kasse bringen – daher der englische Begriff «pick and pay» (dt. «auswählen und bezahlen»). 2005 übernahm mit Denner ebenfalls ein Discounter.

Eingang eines Pick Pay-Ladens bei Nacht.
Legende: Auch hier kaufte die Schweiz einst ein: Eine Filiale des Markentartikel-Discounters Pick Pay an der Zürcher Langstrasse (19.12.02). KEYSTONE/Gaetan Bally

Die Gründe für den Wandel sind vielschichtig. Einerseits gab es eine starke Konzentration bei den grossen Akteuren, andererseits drängten ausländische Konkurrenten auf den Schweizer Markt. Laut Markenexperte Stefan Vogler galt: Wer den Sprung ins Ausland nicht schaffte, fiel diesen Trends zum Opfer: «Bei den Gütern des täglichen Bedarfs haben heute die ganz grossen internationalen Marken das Sagen.»

Mit Blick auf die Zukunft hiesiger Marken bleibt Vogler dennoch optimistisch: «Zukunft haben jene Unternehmen, die einen lokalen Bezug haben.» So habe einst mit Starbucks ein US-Riese den hiesigen Kaffeemarkt aufgemischt. Heute würden dies in einigen Regionen jedoch zunehmend einheimische Ketten tun.

Mehr dazu in «10 vor 10»

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Sendelogo der «10vor10»-Serie zu Hochhäusern

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SRF4 News, 30.01.26, 11:30 Uhr ; 

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