Der Auftritt von US-Präsident Donald Trump am 2. April 2025 im Rosengarten des Weissen Hauses schickte vor bald einem Jahr Schockwellen durch die globale Wirtschaft und durch die Schweiz. In seiner Ankündigung eines «Liberation Day» verhängte er für fast alle Länder der Welt Zölle – auch für die Schweiz. Seither ist das Zollregime von einem ständigen Auf und Ab geprägt. Eine Übersicht.
1. Zölle am «Liberation Day»
Sogenannte Basiszölle von 10 Prozent sollten am 5. April 2025 für praktisch alle Länder in Kraft treten. Darüber hinaus sollten sogenannte reziproke, länderspezifische Zölle ab dem 9. April gelten. Für die Schweiz waren reziproke Zölle von 31 Prozent angekündigt, viel höher als Zölle für andere Handelspartner der USA. Für bestimmte Produkte wurden Ausnahmen angekündigt, so etwa für pharmazeutische Produkte.
Tatsächlich in Kraft traten am 5. April nur die Basiszölle von 10 Prozent. Die reziproken Zölle schob Donald Trump um vorerst 90 Tage auf und verlängerte die Frist später nochmals. Der Druck, sich mit den USA in einem Deal zu einigen, war gross. Die EU etwa schloss am 27. Juli einen Handelsdeal mit den USA, der US-Zölle von 15 Prozent festlegte.
2. Zollhammer für den 1. August
Die Schweiz dagegen wurde am 31. Juli US-Zeit mit Zöllen in Höhe von 39 Prozent belegt, die dann am 7. August in Kraft traten. Eine grosse Belastung für die exportierende Schweizer Industrie, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut der ETH (KOF) berechnete: Bei einem langfristigen US-Zollsatz von 39 Prozent sei mit einem Verlust von 7500 bis 15'000 Vollzeitstellen in der Schweiz zu rechnen.
3. Einigung auf 15 Prozent
Rund drei Monate später, am 14. November, einigten sich die USA und die Schweiz schliesslich doch auf einen Deal, mit dem die Zölle auf 15 Prozent sinken sollten. Einen Monat später bestätigten die USA, dass der Zollsatz von 15 Prozent rückwirkend ab dem 14. November gelte.
4. Zollpolitik für illegal erklärt
Nachdem der oberste Gerichtshof der USA Donald Trump am Freitag die rechtliche Grundlage für seine Zollpolitik entzogen hat, ist wieder vieles ungewiss. Insbesondere weil Donald Trump am Wochenende neue Zölle in Höhe von 15 Prozent angekündigt hat und sich dabei auf eine andere Rechtsgrundlage stützt.
5. Wieder neue Unsicherheit
Nach Einschätzung von Hans Gersbach, Co-Direktor des KOF, dürfte sich die künftige Zollbelastung für die Schweiz weiter in ähnlichen Grenzen bewegen wie zuletzt. Trotzdem sieht er auch neue Unsicherheit.
Es sei nicht ausgeschlossen, dass zu den 15 Prozent Zöllen weitere 5 Prozent dazukämen, die schon vor Donald Trump gegolten hatten, so Gersbach. Dann käme die Schweiz auf 20 Prozent Zoll. «Die Logik würde 15 Prozent implizieren, aber die Logik hat häufig einen schweren Stand bei diesen ganzen Zolldiskussionen und Zollankündigungen aus den USA.»