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Ferien während des Iran-Kriegs Reiseexperte: «Island könnte diesen Sommer überrannt werden»

Die Krise im Nahen Osten und die Knappheit von Kerosin bringen die Pläne von Reisenden durcheinander. André Lüthi, Präsident der Globetrotter Group, erklärt die steigenden Preise, kritisiert Reisehinweise und prognostiziert einen Run auf Island.

André Lüthi

VR-Präsident und Geschäftsführer Globetrotter Group

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Der gelernte Bäcker André Lüthi (63) arbeitet seit 1984 in der Reisebranche. Seit 1987 ist er bei der Globetrotter Group tätig. Heute ist er Verwaltungsratspräsident der Globetrotter Group sowie Leiter des Ressorts Politik beim Schweizer Reiseverband. Der gebürtige Freiburger reist seit Jahrzehnten selbst um die Welt.

SRF News: Die geopolitische Lage ist angespannt. Spüren Sie eine Verunsicherung bei den Reisenden?

André Lüthi: Ja, deutlich. Wir verzeichnen im April bei den Neubuchungen einen branchenweiten Rückgang zwischen zehn und zwanzig Prozent. Viele Leute warten ab, wie sich die Situation entwickelt, bevor sie eine Fernreise buchen.

Was sind die konkreten Herausforderungen für die Reisebranche?

Die grossen Drehkreuze in der Golfregion sind nur eingeschränkt nutzbar, wir müssen für Tausende Kunden Alternativen suchen. Gleichzeitig führt die Kerosinknappheit dazu, dass Airlines Flüge streichen. Das Resultat ist eine Platzverknappung, welche zu höheren Preisen führt. Flugtickets sind heute bereits 20 bis 30 Prozent teurer als noch zu Jahresbeginn.

Das Aussendepartement EDA rät weiter von Reisen in die Golfstaaten ab. Sie stellen diese Warnung infrage. Warum?

Diese pauschalen Hinweise sind für die Kundschaft verwirrend. Täglich fliegen Airlines von Zürich nach Dubai und die Kundinnen und Kunden fragen uns: Warum sollen wir nicht in Dubai umsteigen dürfen, wenn die Fluggesellschaft die Strecke als sicher einstuft? Wir wünschen uns vom EDA eine präzisere Empfehlung, die zwischen einem Aufenthalt im Land und einem reinen Flughafentransit unterscheidet.

Die Welt wird nicht grösser, aber immer mehr Menschen reisen.

Die Lage ist fragil, es könnte ja sein, dass man dann dort strandet!

Es kann sein, dass das EDA die Kunden davor schützen will, wegen plötzlicher Annullierungen von Flügen im Land steckenzubleiben. Aber ist das wirklich die Aufgabe des EDA, oder könnte das jede und jeder für sich entscheiden? Ich finde, die Frage ist berechtigt, und ich würde mir wünschen, dass das EDA die Situation beobachtet und schaut, wie es andere Länder in Europa handhaben.

Menschen beobachten einen eruptierenden Geysir in einer weiten Landschaft.
Legende: Die im Trend liegende Feriendestination Island könnte im Zuge des Iran-Krieges noch beliebter werden. REUTERS/Chris Helgren

Gibt es aufgrund des Konflikts in Nahost Veränderungen im Reiseverhalten?

Wir sehen eine Zunahme der Buchungen für die skandinavischen Länder, Irland und Island. Island könnte diesen Sommer überrannt werden. Bei den Fernreisen profitieren das südliche Afrika mit Ländern wie Namibia und Botswana sowie Südamerika. Dort sehen wir eine kleine Verlagerung.

Könnte die Krise das Reiseverhalten nachhaltig verändern?

Das wünsche ich mir. Ich hoffe auf eine Bewusstseinsveränderung hin zu einem nachhaltigeren Reisen: Statt vier Kurztrips vielleicht eine einzige längere Reise, bei der man tief in ein Land eintaucht. Die Welt wird nicht grösser, aber immer mehr Menschen reisen. Wir stehen als Reisebranche in der Verantwortung, unsere Kundschaft dahingehend zu beraten.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Tagesgespräch, 30.04.2026, 13 Uhr ; 

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