Was hören die Reiseanbieter von der Kundschaft? Der Wunsch, den sicheren Hafen der Schweiz nicht zu verlassen, sei derzeit sehr dominant, sagt Sonja Müller Lang vom Reisebüro «Woman Travel». Es gebe etliche Gebiete, die man zwar nach wie vor gut bereisen könne, Marokko zum Beispiel, Sizilien oder Albanien, «aber die Lust der Menschen, zu reisen, ist eingebrochen». Müller Lang musste schon ganze Gruppenreisen stornieren. Tui, einer der grössten Reiseanbieter im Land, schreibt, die Nachfrage verlagere sich einfach. Und zwar insofern, als «Gäste ihre Reise in die Golfregion entweder auf den Herbst verschieben oder auf andere Reiseziele ausweichen».
Wer profitiert vom Umdenken der Touristen? Gemäss Tui weichen Reisende auf die Balearen, die Kanaren und die Karibik aus. Auch bei Kunden von Dertour gewinnen Destinationen im Westen an Bedeutung, «viele Kundinnen und Kunden entscheiden sich bewusst für gut erreichbare und stabile Destinationen». Eine Auswertung von booking.com zeigt, nach welchen Ländern Schweizerinnen und Schweizer am häufigsten suchen, wenn sie Ferien für die kommenden Wochen buchen: Italien, Spanien, Frankreich, Schweiz, Thailand – und zwar in dieser Reihenfolge.
Werden die Ferien teurer? Vermutlich schon. Erstens, weil sich die Nachfrage auf weniger Destinationen konzentriert. «Wenn alle an denselben Ort fliegen wollen, wird es teurer», sagt Martin Wittwer, Präsident des Schweizer Reiseverbands. Zweitens, weil Flugbenzin teurer geworden ist. Laut Wittwer hat sich der Preis verdoppelt.
Die Leute vergessen schnell.
Wird die grosse Verunsicherung anhalten? Wittwer, der früher Chef von Tui Suisse war, wagt eine Prognose für die Schweizer Kundschaft: «Die Leute vergessen schnell. Und sie reisen sehr gern», sagt er im «Eco Talk». Vielleicht warteten manche jetzt einmal ab, aber dereinst würden Reiseverhalten und Reiseziele wieder gleich sein wie vor dem Krieg. Die grosse Frage ist, wie lange der Krieg dauert – hier lagen Prognosen in den vergangenen Tagen und Wochen schon des Öfteren daneben.
Wie wirkt sich die Verunsicherung auf die Schweiz aus? Das ist offen. Wenn Flüge ausfallen, betrifft das auch Reisende mit dem Ziel Schweiz. Aggregierte Zahlen liegen nicht vor, heisst es bei «Schweiz Tourismus». Mediensprecher André Aschwanden sagt, er höre von den Niederlassungen im Ausland von ersten Tendenzen, wonach Ferien und Reisen auf dem eigenen Kontinent attraktiver würden. Möglicherweise zu Ungunsten einer Übersee-Reise, «gewisse Gäste könnten demnach lieber in ihrer Region reisen». Das könnte umgekehrt aber auch auf die Menschen in der Schweiz zutreffen.
Wie sind die Fluggesellschaften betroffen? Sie mussten schon Tausende Flüge streichen, alleine in den ersten beiden Kriegswochen fielen gemäss dem britischen Analyse-Unternehmen Cirium 50'000 Flüge aus. Sechs Millionen Passagiere blieben demnach ungewollt am Boden. Die Swiss fliegt bis Ende Mai nicht nach Dubai und Tel Aviv.