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Freihandel EU-Lateinamerika Weg für Mercosur-Handelsabkommen ist frei

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist eines der grössten weltweit. Es wird über 700 Millionen Menschen umfassen und rund 20 Prozent des Welthandels abdecken. Doch das Abkommen stösst auch auf Widerstand. Ein Überblick in zehn Punkten.

1. Wie lange dauerten die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen?

Die Verhandlungen zwischen der EU und den vier Mercosur-Staaten – Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – begannen vor gut 26 Jahren. Eine Grundsatzeinigung wurde bereits 2019 erreicht. Doch erst im Dezember 2024 kam es zu einer grundsätzlichen politischen Einigung. Diverse EU-Staaten äusserten weiter Bedenken, das Handelsabkommen zu ratifizieren. Deshalb schlug die EU-Kommission diverse Schutzklauseln vor, insbesondere für Importe von Agrargütern.

2. Wie viele Menschen werden Teil der Freihandelszone sein?

Das Abkommen schafft die grösste Freihandelszone der Welt mit über 715 Millionen Menschen: 450 Millionen in der EU, 270 Millionen im Mercosur. Die Freihandelszone würde 20 Prozent des Welthandels und knapp ein Drittel der globalen Warenexporte abdecken.

Menschen in Anzügen sitzen bei einem Mercosur-Gipfel an einem Tisch.
Legende: Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern wäre nach Angaben der EU-Kommission die weltweit grösste dieser Art. Im Bild spricht der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Mercosur-Gipfel in Brasilien. Keystone/EPA EFE/JUAN PABLO PINO (20.12.2025)

3. Wie gross ist das Handelsvolumen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern?

Im Jahr 2024 betrug das Handelsvolumen zwischen der EU und dem Mercosur über 111 Milliarden: 55.2 Milliarden Euro an Ausfuhren und 56 Milliarden Euro an Einfuhren.

4. Welche Güter exportiert die EU hauptsächlich in die Mercosur-Länder?

Die EU exportiert vor allem Industriegüter wie Autos, Maschinen, Chemie und Pharmazeutika. Aktuell müssen für Autos, die in den Mercosur importiert werden, Zölle von bis zu 35 Prozent gezahlt werden. Diese sollen mit dem Abkommen schrittweise fallen. Innerhalb von 15 Jahren sollen 91 Prozent der EU-Exporte zollfrei möglich sein.

5. Welches sind die wichtigsten Importgüter der EU aus den Mercosur-Ländern?

Die EU importiert aus dem Mercosur vor allem Agrarprodukte wie Rindfleisch, Zucker, Ethanol und Rohstoffe wie Soja und Eisenerz. Für Rindfleisch gibt es feste Importquoten, um die europäische Landwirtschaft zu schützen. Die EU verspricht, über eine Periode von zehn Jahren für 92 Prozent der Exporte aus den Mercosur-Staaten keine Zölle mehr zu erheben.

Infoblatt der Europäischen Kommission zum Partnerschaftsabkommen EU–Mercosur

6. Warum wehren sich europäische Bauern gegen Rindfleischimporte aus Argentinien oder Brasilien?

2024 importierte die EU 206'000 Tonnen Rindfleisch aus dem Mercosur, was weniger als 1.5 Prozent der gesamten Rindfleischproduktion in Europa entspricht. Die EU ist insgesamt ein Nettoexporteur von Rindfleisch. Die europäischen Landwirte befürchten, dass wegen tieferer Umweltstandards die Importe stark steigen und so die Absatzpreise der europäischen Rindfleischproduzenten unter Druck geraten könnten.

7. Wer profitiert mehr vom EU-Mercosur-Freihandelsabkommen?

Das Abkommen soll langfristig das Wirtschaftswachstum in beiden Regionen fördern, wobei die südamerikanischen Länder laut Modellsimulationen stärker profitieren könnten als Europa.

8. Weshalb äussern Umwelt- und Klimaschutzorganisationen Kritik am Abkommen?

Kritiker befürchten, dass das Abkommen die Entwaldung des Amazonas-Regenwaldes beschleunigen und die globalen Treibhausgasemissionen erhöhen könnte. Sie sagen, die im Abkommen ausgehandelten Nachhaltigkeitsklauseln seien nicht ausreichend. Das Handelsabkommen erhöhe die Anreize, neue Ackerbauflächen zu gewinnen, um mehr Agrargüter nach Europa zu exportieren.

9. Welche EU-Staaten sind gegen das Handelsabkommen?

Einige EU-Mitgliedstaaten, insbesondere Frankreich, Ungarn, Österreich, Polen und zuletzt auch Italien, stehen dem Abkommen kritisch gegenüber. Sie fürchten um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Landwirte. Die Ratifizierung des Abkommens in der EU muss nicht einstimmig erfolgen, sondern erfordert nur eine Mehrheit im Rat der EU-Länder und im Europäischen Parlament.

10. Welche Bedeutung hat das Freihandelsabkommen für den Welthandel?

Das Abkommen stärkt die wirtschaftliche Unabhängigkeit beider Blöcke und sendet ein Signal gegen wachsende Abschottungstendenzen der USA. Mit der Unterzeichnung des Abkommens will die EU auch ein Zeichen setzen, dass sie eine regelbasierte Welthandelsordnung verteidigen möchte.

SRF 4 News, 9.1.2026, 5:30 Uhr

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