Um welches Medikament geht es? Keytruda ist seit rund 12 Jahren auf dem Markt und gilt als Meilenstein in der Krebsforschung. «Keytruda ist ein Ausnahmemedikament, weil es die Immuntherapie gegen Krebs revolutioniert hat. Das Immunsystem gegen Krebs zu aktivieren war lange undenkbar» sagt Michael Nawrath, Analyst beim Finanzdienstleister Octavian.
Was kostete die Entwicklung von Keytruda? Die US-Herstellerin MSD verweist auf hohe Forschungs- und Entwicklungskosten. «Wie wir in zahlreichen bei der SEC eingereichten Unterlagen sowie in anderen öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten offengelegt haben, hat MSD mehr als 30 Milliarden US‑Dollar in eigene interne klinische Entwicklungsprogramme investiert, weitere 14 Milliarden US‑Dollar in Forschungskooperationen und Akquisitionen zur Weiterentwicklung von Keytruda in Kombination mit anderen Wirkstoffen sowie 2 Milliarden US‑Dollar in Investitionen für den Ausbau unserer Prozesse und Produktionsanlagen», schreibt der Hersteller auf Anfrage von SRF. Gegen 50 Milliarden Dollar also. Das sei eines der grössten und kostenintensivsten pharmazeutischen Forschungs‑ und Entwicklungsprogramme, die jemals durchgeführt wurden
Von wo kommt Kritik? Doch Public Eye kommt zu einem anderen Schluss: Die Kosten würden sich auf knapp zwei Milliarden belaufen. «Selbst unter Berücksichtigung möglicher Misserfolge machen die F&E-Kosten nur knapp drei Umsatzprozente aus», sagt Patrick Durisch von der Nichtregierungsorganisation Public Eye .
Wer hat recht? Das lässt sich schwer sagen. Hersteller müssen die Forschungs-, Entwicklungs- und Herstellungskosten nicht öffentlich pro Medikament ausweisen. Analyst Michael Nawrath verweist auf eine Daumenregel. «Die Entwicklungskosten bei Krebsmedikamenten belaufen sich auf 2 bis 2.5 Milliarden Franken.» Aber das seien nur die Kosten für die erste Zulassung, also bis das Medikament zum ersten Mal (in einem Land) auf dem Markt ist. Dann folgten Studien für weitere Anwendungen bei anderen Krebsarten. Keytruda sei für rund 40 Krebsarten zugelassen. In den Augen der Kritiker sind diese Folgekosten aber deutlich tiefer – und oftmals handle es sich bei den neuen Zulassungen und Patenten um geringe Modifizierungen.
Wo landen die Milliarden? Pharmafirmen erwirtschaften mit Medikamenten trotz hoher Forschungskosten unter dem Strich oftmals hohe Gewinne. Und das, obwohl die Firmen – gerade in den USA – auch viel Geld ausgeben für deren Vermarktung. Die Firmen argumentieren, dass sie die Gewinne wieder in die Forschung und in Zukäufe stecken. «Nur eins von 10 Projekten ist erfolgreich», sagt Michael Nawrath. Das heisst: Die Medikamentenflops kosten nur, bringen aber keine Erträge.
Ginge es auch mit weniger Gewinn? Auf dem Papier wäre das gut möglich, in der Praxis aber sind die Firmen als Aktiengesellschaften an der Börse kotiert und damit eingebunden in die Finanzmärkte. «Ein Stück weit sind Pharmafirmen, die an den Börsen kotiert sind, Opfer des ständigen Wachstums, da auch Aktionäre befriedigt werden wollen», sagt Nawrath. Mit anderen Worten: Aktionärinnen und Aktionäre wollen tendenziell immer mehr Dividenden ausbezahlt bekommen. Kritiker finden, es brauche mehr Transparenz bei den Preisen und Patenten.