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Interview mit Alexander Stubb Finnlands Präsident: «Man kann gut mit Trump reden»

Alexander Stubb pflegt einen engen persönlichen Draht zum US-Präsidenten Trump und könnte eine zentrale Rolle bei der Lösung der Grönland-Frage spielen. Im Interview beschreibt er den Umgang der EU mit den USA als gelungen.

Alexander Stubb

Präsident Finnland

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Alexander Stubb ist seit März 2024 Präsident der Republik Finnland. Er studierte Politikwissenschaft in den USA und Belgien. Nach seiner Promotion an der London School of Economics war Stubb insbesondere in der Europapolitik aktiv und zwischen 2004 und 2008 Abgeordneter des Europaparlaments. Von Mitte 2014 bis Mitte 2015 war Stubb finnischer Ministerpräsident und hatte davor und danach auch verschiedene Ministerposten inne.

SRF News: Unter den europäischen Staatschefs werden Sie manchmal als «Trump-Flüsterer» bezeichnet. Wie würden Sie Donald Trumps Persönlichkeit beschreiben?

Alexander Stubb: Es ist natürlich ein Privileg, als Präsident eines kleinen Landes ein gutes Verhältnis zu Präsident Trump zu haben. Alles hat bei einer Runde Golf in Florida angefangen. Persönlich finde ich ihn sehr freundlich, man kann gut mit ihm reden, und er ist neugierig. Sein öffentlicher Auftritt ist natürlich ein wenig anders, aber so ist es ja oft.

In der Vergangenheit schloss Trump einen Krieg um Grönland nicht aus. In seiner Rede am WEF sagte er, er wolle Grönland, aber ohne Gewalt. Wie erklären Sie sich diesen Sinneswandel?

Es gab immer drei Szenarien: Im besten Fall würde ein Prozess zur Stärkung der Sicherheit in der Arktis innerhalb der Nato geschaffen. Im Negativ-Szenario kommt es zu einer Zoll-Eskalation, und im absolut schlechtesten Fall zu einer militärischen Intervention. Der Lichtblick ist, dass Trump dies nun ausgeschlossen hat.

Mann mit Anzug und Brille
Legende: Alexander Stubb ist politisch rechts der Mitte zu verorten und seit 2024 Finnlands Präsident. Keystone / Gian Ehrenzeller

Wäre es nicht am einfachsten, wenn Dänemark Grönland einfach an Trump verkaufen würde?

Nein, das wäre es nicht. Wir arbeiten derzeit an einer diplomatischen Lösung, um die Situation zu deeskalieren und die ziemlich harte Rhetorik der letzten Tage zu entschärfen.

Es gibt Kritik, die EU reagiere insgesamt zu zögerlich auf Trumps Angriffe. Stimmen Sie dem zu?

Nein. In der Diplomatie gibt es zwei Möglichkeiten: Man entschärft die Situation oder man eskaliert, um sie zu entschärfen. Und ich denke, dass es uns jetzt gelungen ist, die Situation zu entschärfen. Wir sollten uns aber auch bewusst sein, dass die Europäische Union alle wichtigen Instrumente in den Händen hält für solche Situationen. Angefangen bei den Anleihemärkten über Zölle bis hin zur «Handels-Bazooka».

Was ist die «Handels-Bazooka»?

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Die viel beschworene «schärfste Waffe der EU» heisst eigentlich «Anti-Coercion Instrument», eingeführt am 27. Dezember 2023. Damit sollen Zwangsmassnahmen anderer Länder bekämpft werden können – etwa die Einführung von Zöllen. Die EU kann damit Investitionen beschränken, Produkten ihre Zulassung entziehen oder Anbieter zu Abgaben verpflichten.

Das Instrument ist zur Abschreckung gedacht. Entsprechend hat der französische Präsident Emmanuel Macron es als «Bazooka» betitelt. Ihrer tatsächlichen Aktivierung würden aber mehrere bürokratische Schritte vorausgehen.

Finnland teilt eine lange Grenze mit Russland. Wie stark ist Finnland auf die USA angewiesen?

Wir haben in den letzten Jahren massiv aufgerüstet, zu Luft, zu Lande und zu Wasser. Unsere Munitionsvorräte sind voll. Darüber hinaus haben wir zusammen mit Polen das grösste Artillerie-Arsenal in Europa. Es geht also nicht um Abhängigkeit, sondern um Zusammenarbeit. Man sollte uns nicht unterschätzen, daher mache ich mir keine Sorgen.

Gewisse Aussagen sollte man mit Vorsicht geniessen und sich nicht beleidigt fühlen.

Trump «verspottete» heute die Schweizer Regierung. Was würden Sie dieser raten?

Ich bin ein grosser Bewunderer der Schweiz. Ich habe hier viel Zeit verbracht und habe hier viele Freunde. Die Schweiz ist eines der erfolgreichsten Länder der Geschichte. Gewisse Aussagen sollte man mit Vorsicht geniessen und sich nicht beleidigt fühlen. Sicherlich sollte man gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten pflegen. Ansonsten ist die Schweiz ein sehr starker Teil Europas. Natürlich würde ich es vorziehen, wenn die Schweiz in der EU wäre, aber wir alle wissen, dass das nicht passieren wird und nicht zur Debatte steht. Ich rate der Schweiz, weiter mit der EU und ihren Institutionen zusammenzuarbeiten, um gemeinsame Lösungen zu finden.

Das Gespräch führte Sebastian Ramspeck. 

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10 vor 10, 21.1.2026, 21:50 Uhr ; 

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