Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Irans Drohnen auf Katar Das macht die Angriffe auf Energie-Infrastrukturen so gefährlich

Bislang brannten Tanklager, jetzt brennt eine Produktionsanlage. Eine Drosselung der Produktion hätte happige Folgen.

Was ist passiert? Israel hat Angriffe auf die iranische Gasindustrie geflogen und South Pars, das grösste Gasfeld der Welt, angegriffen. Der Iran reagiert mit Angriffen auf Ölraffinerien in Kuwait und Saudi-Arabien – und auf die Flüssiggasanlage Ras Laffan in Katar. Diese ist beschädigt.

Weshalb ist das eine Eskalation? Bislang hat der Iran Standorte in den Golfstaaten angegriffen, die allgemein mit der Öl- und Gasindustrie in Verbindung stehen, etwa Tanklager. Nun hat er erstmals Einrichtungen getroffen, die direkt der Erzeugung fossiler Brennstoffe dienen. «Der Iran hat schon länger versucht, Anlagen zu treffen, verursachte aber immer nur minimale Schäden», sagt Norbert Rücker, Energieexperte bei Julius Bär. «Jetzt gab es einen Treffer.» 

Wie reagieren die Golfstaaten? «Bislang haben sie sich nur verteidigt, aber nie angegriffen», sagt Rücker. Gegenseitige Angriffe auf die Energieinfrastruktur wären eine neue, weit gefährlichere Eskalationsstufe. «Etwas, das die Produktion um einige Millionen Barrel drosselt, hätte schwerwiegendere Folgen», sagt Analyst Saul Kavonic der «Financial Times», «da die Vorräte selbst nach Kriegsende nicht wieder aufgefüllt werden könnten.» Reparaturen könnten mehrere Jahre dauern.

Industrielles Kraftwerk an der Küste mit mehreren Schiffen im Meer.
Legende: South Pars in Katar: das grösste Gasfeld der Welt (Bild: 19.11.2025) REUTERS/Raheb Homavandi/TIMA/File Photo

Wie realistisch ist das Worst-case-Szenario? Das weiss niemand. Rücker sagt es so: «Der Kriegsnebel ist noch dichter geworden.» Die Kriegsparteien drohen damit, die ohnehin heikle Lage weiter zu eskalieren. Der Iran wird nach eigenen Worten die Öl- und Gasindustrien der Golfstaaten «vollständig zerstören», sollte die eigene Energieinfrastruktur von den USA und Israel weiter angegriffen werden. US-Präsident Trump wiederum warnt den Iran davor, Katar weiter zu attackieren, andernfalls werde er South Pars «in die Luft sprengen».

Historisch waren vergleichbare Schocks immer kurzlebig.
Autor: Norbert Rücker Energieexperte Julius Bär

Was bedeutet das für die Weltwirtschaft? Gas und Öl sind heute nochmals deutlich teurer geworden. Norbert Rücker erwartet aber keinen Energiepreisschock, keine höheren Preise über längere Zeit, solange keine kritische Ölinfrastruktur getroffen wird. Das wahrscheinlichere Szenario ist aus seiner Sicht, dass die Öl- und Gaspreise noch im Frühling wieder sinken. «Historisch waren vergleichbare Schocks immer kurzlebig.»

Welches Interesse haben die Golfstaaten an einer funktionierenden Energieproduktion? Ein grosses Interesse. Energieproduktion ist für sie nicht nur ökonomisch relevant, sondern auch wichtig für die politische Stabilität, für die Wahrung des sozialen Friedens. Das erkläre, sagt Rücker, weshalb sie die Situation nicht eskalieren wollen. «Mit den jüngsten Angriffen ist ihnen aber auch ihre Verwundbarkeit vor Augen geführt worden.»

10vor10, 18. März 2026, 21.50 Uhr;liea

Meistgelesene Artikel