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Klumpenrisiko Wintertourismus «Graubünden wurde für den Winter gebaut»

In den Wintersportorten in den Alpen ist gerade Hochsaison. Es sind entscheidende Wochen und Monate für viele Bergbahnen. «Der Winter ist sehr wichtig. Dort wird nach wie vor das Geld verdient, damit man den Sommer überhaupt überleben kann», so Reto Gurtner, Verwaltungsratspräsident der Weissen Arena Gruppe in Laax. 

Reto Gurtner und die Weisse Arena Gruppe

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Der heute 70-jährige Reto Gurtner fusionierte die Bergbahnen Laax und Flims Mitte der 90er-Jahre zur Weissen Arena Gruppe. Er selbst ist bis heute Verwaltungsratspräsident des Unternehmens. Er baute das Skigebiet schrittweise in ein Mekka für Snowboarder und Freestyle-Begeisterte um.

Heute ist die Weisse Arena Gruppe mit 124 Millionen Franken Umsatz und rund 1400 Mitarbeitenden grösste Arbeitgeberin der Region. Letzten Herbst übernahmen die lokalen Gemeinden für knapp 95 Millionen Franken die Infrastruktur und verpachteten diese anschliessend zurück an die Weisse Arena.

Das, obwohl der Sommer als Einkommensquelle für Bergbahnen in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist: 2008 lag der Sommeranteil noch bei 13 Prozent, inzwischen liegt dieser Anteil schweizweit bei 30 Prozent.

Schweizer Tourismusregionen sind aber sehr unterschiedlich stark vom Wintertourismus abhängig: In Graubünden entfallen weiterhin 90 Prozent auf den Winter, im Tessin sind es nur 20 Prozent.

Reto Gurtner bestreitet nicht, dass der Wintertourismus ein Klumpenrisiko für Tourismusregionen sei. Aber: «Jegliche Spezialisierung ist ein Klumpenrisiko. Auch eine Eishalle ist ein Klumpenrisiko, wenn ich nicht mehr Schlittschuh laufe.» Weil die internationalen Wachstumsraten im Wintersport enorm seien, sieht er für höher gelegene Destinationen, die schneesicher bleiben, keine Gefahr.

Sommer wird überall wichtiger

Besonders kleinere und tiefergelegene Tourismusgebiete würden das Sommergeschäft aber ausbauen, heisst es beim Verband Seilbahnen Schweiz. «Die Sommersaison dauert länger. Sie startet früher. Mai, Juni sind bereits sehr aktive Saisons für Fernmärkte», so Benedicta Aregger, Vizedirektorin Seilbahnen Schweiz.

Bergbahngondel im Wintersportgebiet
Legende: Blick vom Crap Sogn Gion in Laax. Keystone/Gian Ehrenzeller

Dass Graubünden weiterhin besonders stark am Wintertourismus hängt, habe auch historische Gründe. «Graubünden wurde immer nur für den Winter gebaut», so Gurtner. «In den 60er-, 70er-Jahren gab es einen Riesenboom mit vielen Skigebieten. Die wurden eigentlich ausschliesslich für den Winter gebaut.» Auch er sieht nun Nachholbedarf.

An den Angeboten fehle es zwar nicht, doch nun müsse man die richtigen Kunden finden. Fündig werden dürfte man vor allem in Fernmärkten. «Graubünden war bis jetzt schwerpunktmässig auf Schweizer ausgerichtet. Und die Schweizer haben ganz bestimmte Ferienzeiten», so Gurtner.

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Eco Talk, 9. Februar 2026, 22:25 Uhr ; 

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