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Obstsaison Aprikosen – 5 überraschende Fakten über die Sommerfrucht

Schweizer Aprikosen haben gerade Hochsaison. Hinter der beliebten Sommerfrucht stecken einige Überraschungen.

1. Von nur einer zu hundert Sorten

Traditionell ist das Wallis für die Aprikosensorte Luizet bekannt. Sie wird seit über 200 Jahren im Walliser Rhonetal angebaut. Noch bis Anfang der 1990er-Jahre galt die Luizet-Aprikose als unangefochtene Herrscherin der Obstgärten.

Nahaufnahme eines Zweigs mit Aprikosen und Blättern.
Legende: 2018 hat die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope zwei neue Aprikosen-Sorten auf den Markt gebracht. Die Sorten «Mia» und «Lisa» sind beides Kreuzungen der bekannten Luizet-Sorte. Keystone/Valentin Flauraud

Um die Erntezeit zu verlängern und eine grössere Vielfalt an Früchten anbieten zu können, wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten zahlreiche neue Sorten eingeführt. Heute gibt es rund hundert verschiedene Aprikosensorten im Wallis. Dank der Sortenvielfalt dauert die Saison von Juni bis September statt nur wenige Wochen.

2. Aprikosenland Wallis

Über 90 Prozent der in der Schweiz geernteten Aprikosen stammen aus dem Wallis. Das dortige Klima ist ideal: Aprikosen lieben Wärme, brauchen im Winter aber auch Kälte. Frühlingsfrost hingegen kann die Blüten und damit ganze Ernten zerstören.

Das spiegelt sich auch in den Erträgen: 2025 war ein besonders gutes Jahr. Laut dem Schweizer Obstverband wurden knapp 7'500 Tonnen Walliser Aprikosen verkauft. 2021 – ein Jahr, in dem es mehrere Frostwellen im Frühling gab – waren es lediglich 2'300 Tonnen.

3. Baringeli, Äämberich, Marille

Heute spricht man in der ganzen deutschsprachigen Schweiz mehrheitlich von Aprikose. Ein Blick in das Schweizerische Idiotikon zeigt jedoch: Noch Mitte des 20. Jahrhunderts war die Schweiz etymologisch ein Aprikosen-Flickenteppich.

Im Kanton Zürich sprach man lange von Barile, in Teilen der Innerschweiz und im östlichen Aargau von Baringeli, in der Ostschweiz von Marille oder Amerille und im Wallis heisst die Aprikose auch heute noch Ääm(e)rich oder Äämberich.

Eisige Obstbäume mit Sprinklern an einem frostigen Morgen.
Legende: Die frühen Blüten der Aprikosenbäume reagieren empfindlich auf Frost. Um sie vor der Kälte zu schützen, besprühen Bäuerinnen und Bauern sie zum Beispiel mit Sprühnebel aus Wasser. Keystone/Jean-Christophe Bott

Die Römer nannten die Frucht übrigens persicum praecoquuum, was «frühreife Pfirsich» bedeutet.

4. Schweizer Aprikosenrevolte

1953 erhitzte die Aprikose die Gemüter der Walliser Bäuerinnen und Bauern. In diesem Jahr war die Ernte besonders gut. Ausgerechnet damals durften billige Früchte aus Italien importiert werden. Die Konkurrenz aus dem Ausland war früher reif als die Früchte aus dem Wallis und überschwemmte damit den Markt. Unzählige Früchte verfaulten an den Bäumen.

Person hält Ansprache vor grosser Menge auf Freiluftbühne.
Legende: Bäuerinnen und Bauern aus Saxon (VS) versammelten sich im Juli 1953 auf dem Dorfplatz um gegen die eidgenössische Landwirtschaftspolitik zu demonstrieren. Trotz Rekordernte bewilligte der Bundesrat den Import grosser Mengen italienischer Aprikosen. Die erzürnten Walliser Bauern blockierten daraufhin in Saxon die Bahnlinie Mailand-Paris. Keystone/str

Es kam zur Revolte: Über 4000 wütende Schweizer Bäuerinnen und Bauern demonstrierten und steckten teils SBB-Waggons in Brand.

Doch es gab auch eine gewisse Solidarität mit den Bauern. Sogar der Bundesrat rief dazu auf, die orange Frucht aus dem Wallis zu kaufen. Seither hat der Konsum von Walliser Aprikosen zugenommen.

5. Jede zweite Frucht aus der Schweiz

Rund jede zweite Aprikose, die in der Schweiz verkauft wird, stammt aus heimischem Anbau. Der Rest kommt vor allem aus Spanien, und kleinere Mengen auch aus Frankreich und Italien. Damit liegt die Aprikose hinter der Zwetschge: Von ihr wird nur etwa jede vierte Frucht importiert.

Weltweit ist die Türkei im Aprikosen-Export führend – besonders was getrocknete Aprikosen anbelangt.

SRF4 News, 17.07.2026, 16:28 Uhr

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