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Pharma-Standort Schweiz Pharmaindustrie warnt vor Stillstand

Das laufende Jahr wird für die Pharmaindustrie entscheidend. Der Branchenverband warnte an seiner traditionellen Jahresmedienkonferenz eindringlich vor dramatischen volkswirtschaftlichen Auswirkungen, sollte die Schweizer Politik das neue US-Medikamentenpreissystem einfach ignorieren.

Das steckt hinter der Warnung der Industrie vor Stillstand: Die USA etablieren ein neues Medikamentenpreissystem, bei dem ausgesuchte Länder, darunter die Schweiz, zum Referenzland werden. Der tiefste Preis gilt dabei als Referenzpreis. Dadurch entgehen den Firmen Umsätze. In der betriebswirtschaftlichen Logik wäre es darum vorteilhafter, die Schweiz gar nicht zu beliefern, als mit zu günstigen Medikamenten. Im Klartext würden in der Schweiz also Medikamente fehlen. Das hätte wirtschaftliche Folgen und dramatische, gar tödliche Folgen für die Patientinnen und Patienten. Um dies zu verhindern, müsste sich das Regelwerk für Medikamentenpreise in der Schweiz verändern.

Das fordert die Industrie: Gefordert sind ganzheitliche Reformen und eine Strategie für den Pharma-Standort Schweiz. Gesundheitspolitik sei heute auch Standortpolitik. Die Politik müsse weg vom Silo-Denken, das nur auf die Kosten von Medikamenten in der Grundversicherung fokussiere. Für den Standort seien auch Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung relevant. Aus Sicht der Branche ist es an der Zeit für eine Pharma-Strategie. Der Ständerat hat eine entsprechende Motion angenommen, die Debatte im Nationalrat folgt. Ziel ist, dass die Firmen in der Schweiz bleiben und investieren.

Die Roche-Türme in Basel im Abendlicht
Legende: Novartis, Roche und andere Grosskonzerne sind heute fast selbstverständlich gewordene Stützen der Schweizer Industrie. Doch die Branche warnt vor Selbstgefälligkeit. Keystone / GEORGIOS KEFALAS

Der Vorwurf der Drohkulisse: Kritiker sehen in den Warnungen vor Medikamentenlücken Argumente zugunsten der Pharmaindustrie. Denn um Lücken zu verhindern, müssten die Preise für die Pharmafirmen attraktiv sein. Solche Argumentationslinien seien klug, wichtig für den politischen Prozess, aber etwas überzogen. Tobias Müller, Gesundheitsökonom von der Berner Fachhochschule, sieht bezüglich Verfügbarkeit und Preiserhöhungen aktuell etwa keinen dringenden Handlungsbedarf. Die Preise von neu zugelassenen Medikamenten seien hoch. Zudem hätten die Firmen für neue Produkte Patentschutz. «Es gibt noch immer einen starken ökonomischen Anreiz, in der Schweiz Medikamente abzusetzen, trotz des kleinen Marktes», sagt er. Aus Sicht des Branchenverbands gelten die Warnungen aber vor allem für die Zukunft. Denn betroffen wären Medikamente, die neu erforscht und zugelassen werden.

Das sagt das Bundesamt für Gesundheit

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Auf die Anfrage, was von den Warnungen der Pharmaindustrie zu halten sei, schreibt das BAG: «Wir nehmen die Sorge der Pharmabranche ernst und arbeiten gemeinsam mit der Industrie und anderen Bundesämtern daran, den Standort zu stärken. Zu den Massnahmen in den USA ist derzeit noch vieles nicht abschliessend geklärt.» So ist zum Beispiel unklar, welche Medikamente konkret in welcher Grössenordnung betroffen sind. In den USA gewähren Pharmahersteller für einige Zielgruppen, etwa Armutsbetroffene, bereits heute hohe Rabatte. Ob tiefere Referenzpreise darum wirklich einen so grossen Einfluss haben, ist darum offen.

Klar scheint aus Sicht der Behörde, dass die Prämienzahler nicht für Umsatzkompensationen in die Bresche springen können. Die Schweiz trage mit hohen Medikamentenpreisen und -kosten bereits heute überdurchschnittlich zum Erfolg der Industrie bei. «Das BAG sieht Preiserhöhungen zulasten der prämienzahlenden Bevölkerung nicht als richtigen Weg zur Stärkung der Standortpolitik», schreibt die Behörde weiter. Gemäss dem Branchenverband Interpharma müsste bei den Weichenstellungen, die anstehen, aber die Industrie ganzheitlich angeschaut werden. Der Blick richte sich momentan zu stark auf die Kosten in der Grundversicherung. Das sei der falsche Ansatz.

Viele Ideen für die Reformen: Es gibt zahlreiche Ideen, wie sich die Industrie reformieren müsste – die Vorschläge reichen hin bis zu neuen Organisationsformen. Oft kritisiert werden die geltenden Preissetzungskriterien, in die der Vergleich mit den Preisen im Ausland einfliesst. Gemäss Tobias Müller ist das wenig zielführend, da die dort offengelegten Preise oftmals sogenannte «Schaufensterpreise» seien, also höhere Preise, als eigentlich bezahlt würden. Die Ausland-Preis-Vergleiche treiben Preise also eher nach oben. Mit dem System Trump wird sich das nicht ändern. Er fordert statt der bisherigen Kriterien einen völlig neuen Ansatz, bei dem Nutzen abgegolten wird. «Wenn ein Medikament das Leben deutlich verlängert oder die Lebensqualität verbessert, dann sollte das einen höheren Preis erzielen. Im heutigen System ist das aber nur sehr, sehr bedingt so bepreist», so Müller. Auch die Pharmaindustrie würde Preise, die den Nutzen besser abbilden, begrüssen.

Heute noch eine Stütze – aber wie lange noch?

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Noch immer ist die Pharmabranche eine wichtige Stütze der Schweizer Wirtschaft. Der Branchenverband rechnet, dass pro Umsatzfrage der Industrie 3.20 Franken an die Schweiz zurückfliessen. Doch international habe der Standort Schweiz bereits an Bedeutung verloren. Andere Länder seien für Firmen attraktiver bei Forschung und Entwicklung, für die Produktion und den Handel. Gemäss dem Branchenverband Interpharma hat sich die Schweizer Politik zu lange auf die Stärke der Industrie verlassen.

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Echo der Zeit, 8.1.2026, 18 Uhr; wilh

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