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Pharmabranche im Umbruch Chinesische Biotechfirmen zielen auf den Weltmarkt

China entwickelt innovative Medikamente und will die Landkarte der Pharmaindustrie verändern. Ein Besuch in Shanghai.

«Es ist an der Zeit, dass die Pharmaindustrie durch neue Firmen wie die unseren aufgerüttelt wird», sagt Rao Yi. Der Professor für Neurobiologie lehrt an der Peking University. Er ist der Ansicht, dass die ganze Welt von der chinesischen Biotechindustrie profitieren könne – «damit wir in Zukunft sichere, effektivere, aber auch günstigere Medikamente produzieren».

Dieses Ziel verfolgt die Pharmafirma Henlius in Shanghai. Sie forscht an Krebsmedikamenten. Ursprünglich setzte sie auf den Bereich der Biosimilars. Heute fokussiert sie auf innovative Krebsmittel. «Die grössten Märkte sind immer noch Europa und die USA», sagt Forschungsleiter Yuan Jiyun, «deshalb hoffen alle Biotechfirmen, dass sie ihre Produkte global als innovative, hochwertige Mittel positionieren können und sie vor allem in den USA auf den Markt bringen können.»

Laut dem Beratungsunternehmen McKinsey betrug der weltweite Anteil innovativer Medikamente aus China vor 7 Jahren noch 8 Prozent – inzwischen ist dieser Anteil auf 30 Prozent gestiegen.

Laut Li Zhongai, einem zweiten Biotechgründer, würden heute 39 Prozent aller klinischen Studien zu Krebsmedikamenten in China durchgeführt. «Das liegt auch daran, dass die Nachfrage von chinesischen Patienten riesig ist, Chinas Bevölkerung ist sehr gross», sagt er, «aber es liegt auch daran, dass unsere Behörden ihre Verfahren immer weiter verbessert und vereinfacht haben.»

Frau in Labor, die mit einer Pipette ein Gefäss befüllt.
Legende: Das Start-up CARsgen setzt in Shanghai auf innovative Immuntherapien gegen Krebs. SRF

Sein Start-up CARsgen setzt in Shanghai ebenfalls auf Krebstherapien. Es entwickelt innovative Immuntherapien – zwei davon stehen in der letzten Phase der Entwicklung. Der Biotechsektor boomt. Li Zhongai sagt: «Als wir 2014 angefangen haben, gab es in China nur wenige ausgebildete Arbeitskräfte in der Pharmaforschung. Aber inzwischen ist das gar kein Problem mehr – es wurden so viele Leute ausgebildet.» Zudem machten die Behörden die Unternehmensgründung einfach.

Im Ausland wird es schwierig

Auf Schwierigkeiten stossen chinesische Firmen bisher, wenn sie ihre Medikamente ins Ausland bringen wollen. Die Zulassung von Medikamenten ist ein langwieriger Prozess mit geographischen Eigenheiten. Das habe gute Gründe, sagt Kerstin Noelle Vokinger.

Sie ist Professorin für Recht und Medizin an der Universität Zürich und der ETH Zürich. «Wir wissen von anderen Studien, dass es durchaus Unterschiede gibt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, wie Medikamente wirken und welches die Nebenwirkungen sind», sagt sie. «Deshalb sind die Zulassungsbehörden in der Schweiz in der EU und auch in den USA bisher zurückhaltend gewesen, wenn neue chinesische Medikamente auf den Markt gekommen sind. Und haben sie primär nur zugelassen, wenn auch die Bevölkerung in Europa in den USA getestet worden ist im Rahmen von internationalen klinischen Studien.»

Im Moment springen westliche Pharmafirmen wie Novartis und Roche oft in die Lücke: Sie sichern sich mit Millionenzahlungen Lizenzen an chinesischen Wirkstoffen und führen die klinische Entwicklung im Westen zu Ende.

Das Unternehmen Henlius aus Shanghai hat bereits Erfolge zu verzeichnen. Ein dort entwickelter Antikörper für Patienten mit Lungenkrebs wurde Ende November in der Schweiz zugelassen.

Echo der Zeit, 31.1.2026, 18 Uhr

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