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Pharmaindustrie unter Druck Novartis und Roche verstärken das Lobbying in den USA

452 Millionen Dollar hat die Branche 2025 für Lobbying ausgegeben, so viel wie noch nie. Auch wegen Donald Trump.

Der US-Pharmamarkt ist der weltgrösste und vor allem der lukrativste. Firmen können die Preise für Medikamente fast beliebig festlegen. Das ist auch eine Folge des Lobbyings. Die Branche hat sich jahrelang erfolgreich dagegen gewehrt, dass die Preise nach unten reguliert werden.

Einer der grössten Interessenvertreter in den USA ist der Basler Konzern Roche. Seit 2019 gibt er jährlich über 10 Millionen Dollar für das Lobbying aus. 2025 waren es 11.5 Millionen Dollar, 6.5 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie.

Tabletten auf Dollarnoten.
Legende: 452 Millionen Dollar hat die Branche 2025 für Lobbying ausgegeben (Symbolbild). IMAGO / Dean Pictures

Konkurrentin Novartis hat die Lobbying-Ausgaben sogar um 27.5 Prozent erhöht auf 7.9 Millionen Dollar. Das zeigen unveröffentlichte Zahlen der Nichtregierungsorganisation Opensecrets, die SRF vorliegen.

Der Druck ist letztes Jahr wegen Donald Trump denn auch deutlich gestiegen. Er drohte mit Zöllen von bis zu 200 Prozent, sollten die Preise der Medikamente nicht sinken und diese nicht in den USA hergestellt werden.

Zölle und Executive Orders geben Arbeit

14 Konzerne, darunter Roche und Novartis, haben eingelenkt und individuelle Vereinbarungen mit der US-Administration abgeschlossen. Die Konzerne verpflichten sich darin etwa, gewisse Preise zu senken. Sie sind dafür vor Strafmassnahmen geschützt,

Nicht nur wegen dieser Vereinbarung, sondern ganz generell sei es ein turbulentes Jahr in den USA gewesen, begründet Roche-Konzernchef Thomas Schinecker die gestiegenen Lobbying-Ausgaben: «Es gab Hunderte, wenn nicht Tausende von Executive Orders. Und auf diese muss man natürlich immer reagieren und sicherstellen, dass wir sie umsetzen. Und das bedeutet mehr Arbeit.»

«Gute Rahmenbedingungen schaffen»

Novartis nimmt nur pauschal und schriftlich Stellung zu den gestiegenen Lobbying-Ausgaben und zum Thema generell: «Novartis ist bestrebt, konstruktiv mit allen politischen Entscheidungsträgern zusammenzuarbeiten, um Lösungen zu entwickeln, die einen breiten und zügigen Zugang zu innovativen Arzneimitteln ermöglichen.»

Ähnlich klingt die generelle Erklärung von Roche. Es gehe um gute Rahmenbedingungen, «die medizinische Innovationen fördern, den Patientenzugang stärken und die finanzielle Belastung für Kranke sowie das Gesundheitssystem nachhaltig senken.»

Säulengrafik, die die Zunahme der Lobbying-Ausgaben von Pharmakonzernen zeigen.
Legende: Viele Konzerne haben das Lobbying 2025 deutlich verstärkt. SRF

Letztes Jahr haben aber praktisch alle Konzerne ihre Lobbying-Ausgaben erhöht, teils sogar massiv. Insgesamt hat die Pharmabranche so viel ausgegeben wie noch nie: 452 Millionen Dollar (+15.5%).

Über 1800 Pharma-Lobbyisten in Washington

Das kritisiert etwa der frühere demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders. Er sagte kürzlich in einem Ausschuss des US-Senats zum Thema Pharma: «Heute gibt es über 1800 gut bezahlte Lobbyisten in Washington. Das sind drei pro Kongressabgeordneten. Vielleicht erklärt das, warum wir weltweit die höchsten Medikamentenpreise zahlen.»

Grafik zeigt die Anzahl Lobbyisten in den USA nach Firma
Legende: SRF

Alle Konzerne beschäftigen Lobbyisten. 78 arbeiteten letztes Jahr für Novartis. Roche leistete sich 115 und so am meisten aller Pharmafirmen. Roche engagierte etwa die Fima Miller-Strategies und sicherte sich für 240'000 Dollar die Dienste von deren CEO Jeff Miller, früher ein Fundraiser für Donald Trump, sowie von Ashley Gunn, ehemalige Sonderberaterin des US-Präsidenten.

Diese Beziehungen ins Weisse Haus will Roche nicht kommentieren. Schinecker sagt nur: «Sie können davon ausgehen, dass wir natürlich konstant im Austausch mit der US-Regierung sind.»

10vor10, 29.1.2026, 21:50 Uhr;brus

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