Das Glas mit Orangensaft steht noch, trotz Schütteln. Von Bern nach Zofingen geht die Fahrt, einmal ohne und einmal mit umgebautem Dosto-Zug.
Eigentlich sollte bei dieser Testfahrt für Medienschaffende zum Vergleich dieselbe Strecke zweimal gefahren werden. Doch es kommt anders: Der Grund dafür ist eine technische Störung an der Bahnanlage. Der Zug wird umgeleitet.
In Zofingen nun steht der neue, umgebaute Zug. Die Drehgestelle, wo die Räder befestigt sind, wurden komplett verändert. Thomas Grossenbacher, Gesamtprojektleiter SBB FV-Dosto, erklärt: «Wir haben das Wankkompensationssystem entfernt und wir haben dafür gesorgt, dass die Federung etwas mehr Freiraum erhält, damit sich der Zug etwas weicher verhält. In Situationen, zum Beispiel auf Weichen, bei Gleisstörungen oder bei Kurveneinfahrten.»
Doch nicht schneller unterwegs
Der FV-Dosto – der als «Rückgrat des Schweizer Fernverkehrs» gilt – war eigentlich mit Wankkompensation gebaut worden, um schnell durch Kurven zu fahren und damit Fahrzeit zu sparen. So hätten teure Streckenausbauten verhindert werden sollen.
«Es ist so, dass der Zug mal gebaut wurde, dass er schneller als aktuell durch die Kurven fahren kann», sagt Reto Liechti, Leiter Produktion Personenverkehr SBB. Er räumt allerdings auch ein: «Darauf verzichten wir schon seit Beginn des Einsatzes und haben auch vor vier Jahren entschieden, das in Zukunft nicht zu tun. Insofern verzichten wir auf eine sogenannte kleinere Beschleunigung von Fahrzeiten.»
90 Millionen für den Umbau
Wie die Testfahrt zeigt, schüttelt der umgebaute FV-Dosto tatsächlich weniger. «Die Ergebnisse zeigen, dass die Schwingungen circa ein Drittel vermindert werden konnten. Im Unterdeck etwas weniger, im Oberdeck etwas mehr», sagt Thomas Grossenbacher, Gesamtprojektleiter FV-Dosto, dazu. Das Testglas mit Orangensaft bleibt ruhiger als auf der ersten Fahrt.
Bisher hat dieser Zug allerdings noch keine Betriebsbewilligung, nur Medienschaffende dürfen ausnahmsweise mitfahren. Die übrigen Passagiere müssen sich gedulden: Ab Ende 2026 wird der grosse Umbau beginnen – Kostenpunkt 90 Millionen Franken. Und in sieben Jahren soll es dann vorbei sein mit dem Schütteln – bei allen 62 FV-Dostos.