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Schweizer Landesversorgung So hält die Schweiz ihre Versorgung krisensicher

Die wirtschaftliche Landesversorgung hat in den letzten Krisenjahren funktioniert. Doch sie muss sich auf mehr Krisen einstellen.

Darum geht’s: Die Blockade der Strasse von Hormus hat während der letzten Monate die weltweiten Lieferketten stark beeinträchtigt. In der Folge wurden Energierohstoffe in gewissen Erdteilen knapp, und deren Preise stiegen generell. Viele Länder, darunter auch die Schweiz, mussten sich Szenarien überlegen für den Fall, dass auch in Europa Treibstoffe oder Düngemittel knapp werden könnten. Für diese Produkte gibt es das System der Pflichtlager als Teil der wirtschaftlichen Landesversorgung.

Luftaufnahme von grossen weissen Tanks in einer grünen Landschaft mit einem Teich.
Legende: Das Tanklager Mellingen im Kanton Aargau ist das grösste Lager der Schweiz für flüssige, fossile Energieträger. Es hat eine Kapazität von rund 700’000 Kubikmetern. Claudio Thoma/Keystone

Wirtschaft füllt Pflichtlager: Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) ist dafür zuständig, dass lebenswichtige Güter in Pflichtlagern für ein bis sechs Monate vorrätig sind. Diese Pflichtlager zu unterhalten, ist allerdings Sache der Privatwirtschaft. Rund 280 Unternehmen führen solche Pflichtlager im Auftrag des Bundes. Die wirtschaftliche Landesversorgung der Schweiz wird von Staat und Wirtschaft gemeinsam getragen.

Das System wirtschaftliche Landesversorgung

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Porträt eines Mannes im Anzug mit Bart auf weissem Hintergrund.
Legende: Roland Pfister ist seit Oktober 2025 der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung. pd

Dreh- und Angelpunkt ist das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL). Oberster Koordinator ist Roland Pfister, der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung beim BWL. Rund 250 Fachleute aus der Wirtschaft beurteilen die Märkte und beraten ihn. Wichtiger Teil ist die Pflichtlagerorganisation, die diese Lager sicherstellt. Beteiligt sind auch die Kantone und das Fürstentum Liechtenstein als Bindeglieder zur Wirtschaft, weitere Bundesstellen und die Armee.

Die Pflichtlager der Schweiz umfassen ein breites Pflichtlagersortiment. Im Bereich Ernährung geht es von Weizen über Fette, Reis und Zucker bis zu Kaffee. Der Bereich Energie umfasst Mineralöle wie Benzin, Heizöl oder Uran-Brennelemente. Bei den Heilmitteln geht es um Medikamente für Mensch und Tier oder Impfstoffe. Weiter werden Ethanol oder Kunststoffe speziell eingelagert.

Energie im Fokus: Die Schweiz ist besonders auf Energieimporte angewiesen, weil sie keine eigenen fossilen Energiequellen hat. Entsprechend haben die möglichen Engpässe bei Erdölprodukten wie zum Beispiel Flugbenzin Roland Pfister beschäftigt. Er ist der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung des Bundes: «Wir haben eine Taskforce eingesetzt. Wir sind nicht im Krisenmodus, aber wir sind etwas beunruhigt.»

Sonderstellung Gas: Nachdem eine grosse Produktionsanlage von flüssigem Erdgas (LNG) in Katar beschädigt wurde, war nicht klar, ob auch Gas knapp werden könnte. Die Schweiz hat keine eigenen Gasspeicher. Deshalb sind Unternehmen verpflichtet, 15 Prozent ihres Jahresverbrauchs in Speichern im Ausland einzulagern. Ebenso gibt es Solidaritätsabkommen mit Nachbarstaaten, um sich die Gasversorgung zu sichern.

Notvorrat – so geht’s

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Idealerweise hat jede Person einen eigenen Notvorrat. Dieser umfasst Wasser und Lebensmittel für rund eine Woche, ein Radio, ein Feuerzeug, Medikamente, Futter für Haustiere oder Hygieneartikel. Wie der ideale Notvorrat aussehen könnte, lässt sich hier berechnen.

Neue Pflichtlager: Die verschiedenen Krisen der letzten Jahre, zum Beispiel die Pandemie oder der Krieg in der Ukraine, hätten gezeigt, dass das System der wirtschaftlichen Landesversorgung in der Schweiz funktioniere, sagt Roland Pfister. Aber man habe auch festgestellt, dass es Anpassungen brauche. So überlegt er, ob es auch ein Pflichtlager für den Dieselzusatz AdBlue aus Harnstoff braucht. «AdBlue ist für moderne Dieselmotoren entscheidend. Zusammen mit der Wirtschaft klären wir derzeit ab, ob ein solches Pflichtlager Sinn macht.»

Wir stellen uns auf eine Zeit ein, in der wir immer wieder mit Krisen konfrontiert sein werden.
Autor: Roland Pfister Delegierter für die wirtschaftliche Landesversorgung

Krisen bleiben: Die Zeichen am Persischen Golf stehen derzeit eher auf Entspannung. Trotzdem rechnet Roland Pfister damit, dass deren Auswirkungen in der Schweiz sicher bis Anfang 2027 zu spüren sein werden. Aber auch grundsätzlich bleibt für ihn die Versorgung der Schweiz mit Gütern komplex. «Wir stellen uns auf eine Zeit ein, in der wir immer wieder mit Krisen konfrontiert sein werden, mehrschichtigen Krisen.» Auf solche Szenarien müsse die wirtschaftliche Landesversorgung ihre Strategie neu ausrichten.

Rendez-vous, 29.6.2026, 12:30 Uhr

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