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Shopping rund um die Uhr 24-Stunden-Läden: Migros-Konkurrenz machte schlechte Erfahrungen

Die Migros eröffnet in Herisau den ersten 24-Stunden-Supermarkt. Läuft's auf dem Land besser als in der Stadt?

Einkaufen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche: Dafür gibt es ein steigendes Bedürfnis, sagt die Migros, und eröffnet heute ihren ersten Supermarkt mit durchgehenden Öffnungszeiten. Stehen tut dieser allerdings nicht zentral in einer grösseren Stadt, sondern im ländlichen Herisau.

Wir waren überrascht, wie gut kleinere Ladenformate auf dem Land funktionieren.
Autor: Samuel Bauert Leiter Direktion Supermarkt Migros Ostschweiz

Mit dem Kanton Appenzell Ausserrhoden und der Gemeinde habe man eine Lösung gefunden, die mit anderen Kantonen noch nicht möglich wäre, sagt der Direktionsleiter Supermarkt von Migros Ostschweiz, Samuel Bauert. Insbesondere, was die Grösse der Ladenfläche angeht. Auf knapp 300 Quadratmetern sind 7000 Artikel erhältlich.

Der Detailhändler sammelt seit 2022 Erfahrungen mit ebenfalls unbedienten, aber deutlich kleineren Migros-Teo-Läden. Das Bedürfnis nach dem 24/7-Shopping sei auch abseits der Zentren da, sagt Bauert. «Das hat uns selber überrascht. Als wir mit kleineren Formaten angefangen haben, waren wir erstaunt, wie gut Platzierungen auf dem Land funktioniert haben.»

Strassenszene mit einem Gebäude und einem Supermarkt, Menschen gehen hinein, weisse und orangefarbene Ballons schweben.
Legende: Einkaufen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche: die Migros-Filiale im ausserrhodischen Herisau. SRF

Der Konsumforscher vom Gottlieb Duttweiler Institut sieht den Grund dafür in der Angebotsdichte. Die Leute wollten in der Nähe einkaufen. «Auf dem Land gibt es oft eine Versorgungslücke, welche solche Formate gut schliessen können», sagt Gianluca Scheidegger. Gibt es hingegen bereits viele Einkaufsangebote in der Umgebung, hätten es solche Läden schwer.

Schlechte Erfahrungen in der Stadt

Die Konkurrenz von Migros hat ebenfalls mit unbedienten Läden experimentiert, hauptsächlich in den Städten. Die anfängliche Euphorie wich rasch der Ernüchterung, allerdings nicht wegen des ohnehin dichten Angebots. Vielmehr waren es Sachbeschädigungen und Diebstähle, die etwa Valora dazu zwangen, ihre sogenannten Avec-Boxen wieder einzustellen.

Auch Spar musste seinen Testladen am Zürcher Sihlquai aufgrund ähnlicher Probleme wieder mit Personal bestücken und die Öffnungszeiten begrenzen. Und Coop sagt schlicht, 24-Stunden-Läden seien für das Unternehmen kein Thema.

Keine Schwarz-Weiss-Frage

Gänzlich schwarz-weiss ist die Frage, ob Stadt oder Land, allerdings nicht: Spar hat vor rund drei Jahren auch zwei Automatenläden in den Bündner Dörfern Surava und Rueras eröffnet – und diese dann wieder geschlossen. Gründe nennt das Unternehmen keine. Möglich, dass das Einzugsgebiet und die erzielten Umsätze dann doch zu klein waren für die Ansprüche des Grossverteilers.

Längere Öffnungszeiten und tiefere Personalkosten haben letztlich die Schliessung verhindert.
Autor: Kilian Gasser, Mediensprecher Schweizer Berghilfe

Gerade in Bergregionen kämpfen viele der alteingesessenen kleinen Läden ums Überleben. Unbediente 24/7-Konzepte hätten hier viele Betriebe gerettet, sagt Kilian Gasser von der Schweizer Berghilfe. In den vergangenen zehn Jahren hat die Stiftung über 80 Dorfläden bei der Umstellung finanziell unterstützt. «Längere Öffnungszeiten und tiefere Personalkosten haben letztlich die Schliessung verhindert.»

Die Migros hat noch keinen genauen Plan für ihre nächsten Rund-um-die-Uhr-Filialen. Man wolle zuerst anhand des Pilotprojekts in Herisau sehen, wie es funktioniert. «Momentan können wir uns zwei, drei weitere Läden vorstellen», sagt Bauert. Ob auf dem Land oder doch in der Stadt, bleibt abzuwarten.

SRF 4 News, 3.7.2026, 0 Uhr; fulu;herb

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