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SNB-Präsident Martin Schlegel «Es gibt Momente, in denen man hinstehen und Farbe bekennen muss»

Martin Schlegel zeigt in unsicheren Zeiten Haltung: Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank hat einen Brief von Zentralbankern mitunterschrieben, der sich mit Jerome Powell – Chef der US-Notenbank – solidarisch zeigt. Powell wurde von US-Präsident Donald Trump stark kritisiert und geriet ins Visier der US-Justiz.

Martin Schlegel

Chef Schweizerische Nationalbank (SNB)

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Martin Schlegel ist seit September 2024 Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank. Zuvor leitete er als Vizepräsident des Direktoriums das II. Departement in Bern, welches sich unter anderem mit Themen wie Finanzstabilität, Bargeld und Risikomanagement beschäftigt.

ECO Talk: Warum haben Sie den Brief zur Unterstützung von Jerome Powell unterschrieben?

Martin Schlegel: Die Geschichte zeigt: Wenn eine Zentralbank nicht unabhängig ist, wenn die Politik reinredet, kann sie ihr Mandat nicht erfüllen. Typischerweise sind dann die Zinsen zu tief oder die Inflation zu hoch. Und eine zu hohe Inflation ist nicht im Interesse der Bevölkerung.

Darum ist das Prinzip der Unabhängigkeit der Zentralbanken absolut zentral. Das hat mich bewogen, den Brief zu unterschreiben. Jerome Powell schätze und respektiere ich sehr. Er ist ein Zentralbanker, der sein Mandat klar in den Vordergrund stellt.

Die Zentralbank ist unabhängig, ich muss den Bundesrat nicht fragen.

Ihre SNB-Kollegen wussten Bescheid. Haben Sie den Bundesrat informiert oder gefragt?

Die Zentralbank ist unabhängig, ich muss den Bundesrat nicht fragen. Bei internationalen Währungskooperationen schreibt das Gesetz aber vor, dass wir uns mit dem Bund abstimmen. Das haben wir selbstverständlich gemacht.

Hat Guy Parmelin nicht nachträglich interveniert, weil der US-Zolldeal noch nicht unter Dach und Fach ist?

Wir haben das mit dem Bund gut abgesprochen.

Es gibt Momente, da muss man hinstehen und Farbe bekennen.

Wie viel Mut brauchte der Entscheid – Sie stellen sich mit Ihrer Unterschrift ja eigentlich gegen Donald Trump?

Die Unterschrift galt dem Prinzip der Zentralbank-Unabhängigkeit. Das ist kein politisches Statement. Zentralbanken sollten apolitisch und technokratisch sein.

Sie konnten nicht sicher sein, ob Donald Trump das als apolitisch wahrnimmt.

Natürlich nicht. Aber es gibt Momente, da muss man hinstehen und Farbe bekennen.

Donald Trump hat Kevin Warsh als Nachfolger von Powell als Notenbankchef vorgeschlagen. Ihre Reaktion?

Ich habe das zur Kenntnis genommen und über ihn gelesen. Die Nationalbank hat seit Jahrzehnten ein sehr gutes Verhältnis zur Fed. Ich freue mich, den neuen Fed-Chair kennenzulernen, und bin überzeugt, dass wir gut zusammenarbeiten werden.

Es gibt unterschiedliche Signale aus den USA. Will das Land einen starken oder schwachen Dollar?

Das ist schwierig zu sagen. Eine starke Währung hat Vorteile, eine schwache teilweise auch. Grundsätzlich sollten Wechselkurse vom Markt bestimmt und fair bewertet sein.

Währungsreserven dienen der Geldpolitik und müssen sicher und sehr liquide sein.

Heute kostet ein Dollar etwa 77 Rappen: Hätten Sie eine solche Dollarschwäche erwartet?

Wir machen keine Wechselkursprognosen, das ist extrem schwierig. Der Dollar hat sich vor allem wegen der grossen Unsicherheit in der ersten Jahreshälfte abgeschwächt, war bis vor ein paar Tagen aber relativ stabil gegenüber dem Schweizer Franken.

Sind Diskussionen über einen Rückzug aus US-Staatsanleihen ein Misstrauensvotum?

Was andere Zentralbanken oder Staatsfonds machen, kommentiere ich nicht. Wichtig ist: Währungsreserven dienen der Geldpolitik und müssen sicher und sehr liquide sein. US-Treasuries sind nach wie vor der grösste und liquideste Markt. Um sie kommt man nicht herum – es gibt derzeit keine echte Alternative.

Gold als Alternative?

In Zeiten grosser Unsicherheit kann Gold stark an Wert gewinnen, das haben wir gesehen. Für die Nationalbank ist entscheidend, dass wir gut diversifiziert sind.

Das Gespräch führte Eveline Kobler.

Eco Talk, 2. Februar 2026, 22:25 Uhr ; 

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