- US-Präsident Donald Trump hat den früheren FED-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger für US-Notenbank-Chef Jerome Powell vorgeschlagen.
- Das teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.
- Der US-Senat muss Trumps Kandidaten noch als künftigen Leiter der Federal Reserve bestätigen.
Er kenne Warsh schon seit langer Zeit und habe keinen Zweifel daran, dass er als einer der Grossen an der Notenbankspitze in die Geschichte eingehen werde, teilte Trump auf Truth Social mit.
Warsh gilt eigentlich als «Inflation Hawk», der eher zu einem restriktiveren Zinspfad tendiert, um so die Teuerungsrate in den Griff zu bekommen. Sein Augenmerk liegt mehr auf Preisstabilität, während er vor einer zu lockeren Geldpolitik und Inflationsrisiken warnt – er befürwortet also eher Zinsanhebungen. Warsh soll sich allerdings zuletzt Medienberichten zufolge offen für niedrigere Zinsen gezeigt haben.
Mit 35 im FED-Direktorium
Für den heute 55-Jährigen ist es nicht das erste Mal, dass er im Rennen für den Vorsitz der wichtigsten Notenbank der Welt ist. Bereits 2017 soll Trump erwogen haben, ihn als Nachfolger für Janet Yellen zu nominieren – er entschied sich dann aber für Powell, mit dem er seit Monaten im Clinch liegt.
Nach einem Jurastudium hatte Warsh mehrere Jahre lang bei der Investmentbank Morgan Stanley gearbeitet und sich dort mit Fusionen und Übernahmen beschäftigt. 2002 zog es ihn in die Politik, wo er unter dem damaligen republikanischen Präsidenten George W. Bush arbeitete und ihn etwa bei Fragen rund um Kapitalflüsse und Wertpapiere beriet. Bush nominierte Warsh 2006 als FED-Gouverneur – mit nur 35 Jahren wurde er dann das jüngste Vorstandsmitglied in der Geschichte der Federal Reserve.
Zweifel an Trumps Nominierung
Ob Trumps Wunschkandidat tatsächlich neuer FED-Chef wird, ist unklar. Aktuelle Ermittlungen gegen Powell hatten dem Präsidenten Kritik auch aus den eigenen Reihen eingebrockt. So kündigte der einflussreiche Senator Thom Tillis an, er werde keinem Kandidaten für Notenbank-Posten zustimmen, bis die Angelegenheit geklärt sei.
Weder der Präsident noch die Republikaner dürfen sich in den eigenen Reihen im Wahljahr 2026 interne Zerwürfnisse erlauben: Anfang November stehen die wichtigen Kongresswahlen an. Verliert Trump die Mehrheit, dürften die Demokraten im US-Parlament ihm die Arbeit in der restlichen Amtszeit deutlich erschweren.
Fehde zwischen Trump und Powell
Der Nominierung war ein monatelanger Konflikt zwischen Trump und Powell vorausgegangen. Der Präsident fordert nach wie vor die Senkung des Leitzinses. Die FED legte zuletzt eine Zinspause ein, nachdem sie zuvor noch drei Zinsschritte nach unten auf 3.5 bis 3.75 Prozent gegangen war.
Die kleinen Senkungen sollten ein Wiederaufflammen der Inflation auf hohem Niveau verhindern. Doch das reichte Trump nicht – in der Folge forderte er Powells Entlassung und beleidigte ihn regelmässig.