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Sojaschnitzel oder Seitanwurst Darum haben es Fleischersatzprodukte zunehmend schwer

Fleischersatz ist weniger gefragt als auch schon. Manchen sind die Produkte zu teuer, andere beklagen geschmackliche Mängel.

Darum geht es: In Deutschland ist der Konsum von Fleischersatzprodukten im letzten Jahr erstmals gesunken. Und passend dazu wird wieder mehr Fleisch gegessen. Dieser Trend ist auch in der Schweiz feststellbar: Zwar liegen für 2025 noch keine Zahlen vor, aber auch jene für 2024 zeigen einen Rückgang gegenüber den Vorjahren beim Verkauf von Fleischersatzprodukten wie Sojaschnitzel oder Wurst aus Seitan.

Manche sagen, die Produkte entsprächen geschmacklich nicht ganz dem, was sie sich vorstellen würden.
Autor: Matthias Heim Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF

Ende eines Booms: Vor ein paar Jahren waren die Erwartungen der weltweiten Branche beim Fleischersatz noch riesig – doch diese haben sich bislang nicht erfüllt. Das zeigen etwa Aufstieg und Fall der US-Firma Beyond Meat. Das Unternehmen startete 2009 mit grossen Plänen, doch der durchschlagende Erfolg blieb aus, und der Aktienkurs stürzte in den letzten fünf Jahren von 150 Dollar auf unter einen Dollar ab. Jetzt droht Beyond Meat sogar der Konkurs.

Fleischersatz von Schweizer Firmen

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Verschiedene Teller mit Pommes, Salaten und Planted-Produkten.
Legende: Planted

In der Schweiz werden zahlreiche pflanzliche Produkte hergestellt und auch exportiert, die als Fleischersatz gelten. Am bekanntesten ist wohl Planted aus Kemptthal ZH. Die Firma hat 2025 im deutschen Memmingen einen Produktionsstandort eröffnet, von wo aus sie Deutschland, aber etwa auch Grossbritannien beliefert.

Dabei gilt Planted als Erfolgsprodukt: Der Umsatz wächst laut Angaben des Unternehmens weiter – sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz. Ausserdem seien beide Produktionsstandorte voll ausgelastet. Dabei fokussiere man sich auf Produkte mit natürlichen Zutaten ohne Zusatzstoffe, die geschmacklich überzeugten, lässt sich Planted-Mitgründer und Geschäftsleitungsmitglied Pascal Bieri zitieren.

Andere Schweizer Anbieter bekunden eher Mühe im Markt.

Mehrere Gründe: Einer von verschiedenen Faktoren für die Probleme dürfte sein, dass die Fleischersatzprodukte zu teuer sind, wie SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim erklärt. Hinzu komme, dass es sich meist um stark industriell verarbeitete Produkte handle, die es bei Konsumentinnen und Konsumenten, die sich gesund ernähren wollten, eher schwer hätten. Und: «Andere sagen, die Produkte entsprächen geschmacklich nicht ganz dem, was sie sich vorstellen würden», so Heim. Aus all diesen Gründen hätten manche Grossverteiler etliche Produkte wieder aus dem Sortiment genommen.

Die grosse Masse der Bevölkerung konsumiert weiterhin auch regelmässig Fleisch.
Autor: Matthias Heim Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF

Nur ein Nischenprodukt: Zwar hört und liest man in den klassischen und in den sozialen Medien viel von vegetarischen, veganen oder von Fleischersatzprodukten. Und ein gewisser Kundenkreis pflegt durchaus diese Kauf- und Essgewohnheiten – das sind insbesondere junge, städtische Konsumentinnen und Konsumenten. «Aber die grosse Masse der Bevölkerung konsumiert weiterhin auch regelmässig Fleisch», stellt Heim fest.

Mehr Fleisch: Wie in Deutschland hält sich mit abnehmendem Verkaufserfolg der Fleischersatzprodukte der Fleischkonsum auf hohem Niveau – oder er steigt sogar wieder an. So werden in der Schweiz pro Person und Jahr rund 50 Kilogramm Fleisch gekauft. Diese Menge hält sich seit 25 Jahren mehr oder weniger konstant, sie ist in den vergangenen zwei Jahren tendenziell wieder leicht gestiegen. Dabei gibt es Verschiebungen bei der Art des Fleisches: So wird heute weniger Schweinefleisch als früher gekauft, dafür mehr Pouletfleisch.

SRF 4 News aktuell, 19.5.2026, 7:25 Uhr ; 

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