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Städtische Wärmeinsel Solothurn setzt auf mobile Bäume gegen Hitze

Sommertage in Städten sind heiss. Wo keine Bäume gepflanzt werden können, verspricht mobile Bepflanzung Abhilfe.

Die Mittagssonne brennt auf den Solothurner Klosterplatz. Im Schatten der Bäume ist es dennoch kühl.

Fünf Ahornbäume stehen hier seit rund zwei Jahren. Wurzeln geschlagen haben sie dennoch nicht – die Bäume wachsen nicht im Boden, sondern in Stahltrögen.

Platz mit Bäumen und Tisch vor historischen Gebäuden.
Legende: Auf dem Klosterplatz in der Stadt Solothurn stehen fünf Ahornbäume in Trögen als Schattenspender. Der versiegelte Platz heizt sich während heissen Sommertagen stark auf. SRF/gutj

Der Vorteil dieser Lösung: Die Pflanzen lassen sich je nach Bedarf versetzen. Gerade diese Flexibilität habe den Ausschlag gegeben, sich für mobile Bäume zu entscheiden, sagt Andreas Filosi, Leiter Bau und Umwelt. «Der Klosterplatz soll von einem Parkplatz zu einem Aufenthalts- und Begegnungsort umgewandelt werden. So lautet der politische Auftrag.»

Gelbes Fahrzeug hebt einen grossen Baum neben einem Fluss an einem sonnigen Tag.
Legende: Mit dem Gabelstapler lassen sich die mobilen Bäume je nach Bedarf an einen anderen Ort versetzen. ZVG/MobileGreen

Mit den mobilen Bäumen könne die Stadt ausprobieren, was funktioniert – noch bevor über die finale Gestaltung des Platzes entschieden ist. «So können wir bereits jetzt praktische Erfahrungen sammeln, statt nur auf dem Papier zu planen», so Filosi.

Schattenspender mit Datenbasis

Die Idee mobiler Bäume ist nicht neu. Neu ist hingegen, dass ihre Wirkung wissenschaftlich berechnet wird.

Im Rahmen des vom Bund unterstützten Forschungsprojekts «Mobile Urban Green» hat die Berner Fachhochschule untersucht, wie gross der Kühleffekt von Bäumen und deren sozialer Einfluss auf den Stadtraum ist.

Berücksichtigt wurden Faktoren wie Baumhöhe, Kronengrösse, Stammdicke, Wasserverbrauch, Verdunstung oder auch die Dichte des Blattwerks.

Wärmebild einer Pflanze mit Temperaturmessungen.
Legende: Mit einer Wärmebildkamera zeigt sich der Unterschied. Bäume können städtische Hitzeinseln massiv abkühlen. Hier ein Beispiel aus Reinach (BL). ZVG/MobileGreen

Der Fokus lag dabei weniger auf der Lufttemperatur. Viel wichtiger sei die sogenannte gefühlte Temperatur – also, wie warm ein Ort unter Berücksichtigung von Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit und Wind tatsächlich empfunden wird, sagt Stefan Jack, Professor für Digitale Fertigung. Er leitet das Team der Berner Fachhochschule im Projekt.

«Was mich beeindruckt hat, war die enorme Kühlleistung der Bäume. Selbst während eines heissen Sommertages reduziert sich die gefühlte Temperatur im Baumschatten um 13 bis 19 Grad. Die Temperaturen auf versiegelten Flächen können hingegen auf weit über 40 Grad klettern.»

Hightech in Pflanzentöpfen

Am Projekt beteiligt ist auch das Gartenbauunternehmen Bauer Baumschulen AG. Dieses bietet schon länger mobile Bepflanzung an. Vor dem Projekt hätten sie bislang nicht mit Zahlen belegen können, wie gross der Kühleffekt der Bäume sei, sagt Projektleiter Sebastian Mühlemann.

Ziel sei es, mithilfe der gesammelten Daten die kühlende Wirkung von Bäumen möglichst präzise vorherzusagen. So liessen sich verschiedene Szenarien simulieren und bereits im Voraus berechnen, wo mobile Bäume den grössten Nutzen bringen, so Mühlemann.

Drei Personen sitzen an einem Tisch auf einem gepflasterten Platz in der Stadt.
Legende: Sebastian Mühlemann, Stefan Jack und Andreas Filosi (links nach rechts) im Schatten eines mobilen Baumes. Fachhochschule, Stadt und Gartenbauunternehmen spannen im Forschungsprojekt zusammen und ermöglichen Schatten auch an Orten, wo dies bisher nicht möglich war. SRF/gutj

Die Pflanzentröge sind ebenfalls technisch aufgerüstet. Sie verfügen über einen integrierten Wassertank mit einem Fassungsvermögen von bis zu 800 Litern. Dadurch habe der Baum ständig Zugang zu Wasser und könne selbst Hitzeperioden gut überstehen. Ein Sensor meldet zudem, wenn der Tank nachgefüllt werden muss.

Pflanzenbeet mit integrierter Bewässerung.
Legende: Die Pflanzentröge verfügen über einen integrierten Tank, der bis zu 800 Liter Wasser fassen kann. SRF/gutj

Zwar seien die «Mobile Green»-Tröge etwas teurer als herkömmliche Modelle, durch den geringeren Giessaufwand und die längere Lebensdauer der Bäume könne jedoch langfristig an Kosten gespart werden, so Mühlemann. Dennoch sei das Ziel, wenn immer möglich, den Baum in die Erde und nicht in den Topf zu pflanzen.

So ist auch die Zeit der mobilen Bäume auf dem Klosterplatz begrenzt. Im Herbst wird voraussichtlich entschieden, wie der Platz in Zukunft aussehen soll. Möglich, dass die Bäume danach an einen anderen Ort ziehen und dort wieder temporär für Kühlung sorgen.

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Rendez-vous, 10.07.2026, 12:30 Uhr

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